Der Film ist gut gemacht. Sie haben ihn sich einiges Kosten lassen und das sieht man auch. DiCaprio spielt seine Rolle hervorragend.
Das einzige Problem, dass ich sehe: Er reflektiert nicht ausreichend. Ja, man könnte denken es ist gut mal ein bisschen eigene Denkleistung beim Publikum zuzulassen und auf ihre Intelligenz zu vertrauen. Tja, kann man aber leider nicht. Was ich hier von manchen Leuten lesen muss ist eindeutig.
Ich zitiere mal aus vorrangegangenen Kritiken:
"Man verspürt dieses absolute Verlangen nach Jordan Belforts Art und Weise zu leben"
"Unfassbar witzig"
"Ich habe selten soviel gelacht."
"Mal von der Tatsache abgesehen, dass die Aufzählung den Arzneischrank meiner Träume darstellt"
"unglaublich lustig"
"Immer passiert was, meistens was zum brüllen komisches"
"verdammt witzig"
"Die witzigste Komödie die ich seit langer, langer Zeit im Kino gesehen habe."
"Szenen bei denen man aus dem Lachen nicht mehr herauskommt "
Das soll mal reichen.
Wer in diesem Film lacht, ihn witzig findet oder gerne Jordan wäre - der hat nichts verstanden.
Ich finde diesen Film absolut nicht witzig. (Was nicht heißt, dass ich ihn nicht gut finde. Nicht alle Filme müssen lustig sein.) Ich denke, dass es keine Stelle gibt, in der man lachen oder auch nur grinsen sollte.
Das portraitierte Leben ist tragisch, in so vielen Situationen erbärmlich und würdelos. Es erzeugt bei mir eine Mischung aus Mitleid und Angewidertheit. Vollgedröhnte Szenen, die den Protagonisten am absoluten Abgrund zeigen, physisch wie auch menschlich. Und sie sind nicht überspitzt, wie es hier einige verharmlosend beschreiben. Das war real. Jordan Belfort existiert und er hat diese Dinge wirklich erlebt.
Der Typ hatte so ein verdammtes Glück, dass nicht selbstverständlich ist! An mindestens zehn Stellen im Film hätte er eigentlich drauf gehen müssen. (Mehrfach Überdosis an Drogen, Autofahrt unter extremem Drogeneinfluss, Schiffsunglück,...).
Sein Leben ist mein Alptraum.
Und ganz ehrlich, nach zwei Stunden hab ich mir bei jeder Szene gewünscht, dass er doch bitte endlich stirbt, damit ich mir das nicht mehr mit ansehen muss. Aber es war ja von vornherein klar, dass das nicht passiert. Und ja, ich hätte auch einfach ausmachen können. Aber nein, hätte ich nicht. Ich habe auf die Wendung gewartet, in der die Geschehnisse endlich reflektiert werden.
Es gibt zwar diese Szenen in denen alles "geil" zu sein scheint. Aber selbst die konnte ich nicht wirklich genießen. Es war einfach nur total fertig. (Wobei zumindest ein paar tröstende schöne Brüste zu sehen sind.)
Und wieso zur Hölle fickt man ungeschützt billige Nutten, die einem STD's wie Tripper oder im schlimmsten Fall AIDS anhängen können, wenn man es nicht nötig hätte? Gott! Ist es heutzutage soooo uncool auf seine Gesundheit zu achten, weil man vielleicht noch ein bisschen schön weiter leben will?
Egal. Menschen, die Jordans Leben als witzig oder beneidenswert betrachten, werde ich ohnehin nicht bekehren können. Aber zumindest konnte ich mich ein bisschen abregen.
Ich finde den Film trotz der eher negativen Gefühle, die er ausgelöst hat, gut gelungen. Er regt zum Nachdenken und Recherchieren an. Er ist echt und ehrlich, drückt einem aber keine Meinung auf. Diese bleibt gänzlich offen. Wie gesagt ist dieser Punkt etwas kritisch. Andererseits wäre eine Version mit auflösender Wendung vielleicht zu klassisch und nicht so kunstvoll.