...ein Michael Mann-Film eben. PUBLIC ENEMIES ist der Film, auf den ich mich in diesem Sommer am meisten freute. Nachdem TERMINATOR 4 und TRANSFORMERS 2 mir fast schon die Freude am Kinobesuch im allgemeinen fast verdorben hätten, hatte dieser Film eine umso bessere Chance.
Ich bin kein Filmkritiker und ich will mich auch als keiner ausgeben, deshalb nenne ich hier nur ein paar Punkte, die ich am Film gut und weniger gut fand.
Zu aller erst ist es mir nicht leicht gefallen, die anfänglichen Story-Fetzen zu einer einleuchtenden Einleitung in die Geschichte zusammenzusetzen. Hier haut John Dillinger gleich mal aus dem Knast ab, dort macht sein Gegenpart, Agent Purvis, Jagd auf Pretty Boy Floyd und plötzlich bettelt ein hoher aber junger Beamter um staatliche Förderungsgelder für eine bundesweite Verbrecher-Ergreiftruppe. Hat etwas gedauert, bis sich daraus nach und nach ein obligater Handlungsstrang entwickelt hat.
Warum die Männer, Dillingers legendäre Gang, so legendär waren und warum sie so brüderlich füreinander kämpften, niemanden im Stich ließen und vor allem John Dillinger blind folgten, wird nicht thematisiert - es ist einfach so. Diese Tatsache und dass Dillingers so angebliche mediale Omnipräsenz ihn zu einer Legende, zu einem beim amerikanischen Volk beliebten Robin Hood, machte, kommt durch die wenigen Szenen, in denen Reporter ihn befragen, nicht zur Geltung und baut kaum 1930er-Gangster-Charme auf. Diese fast schon märchenhaften Gangstergrößen, die zum Teil heute noch ein Begriff sind, bekommen von Mann leider keine Tiefe.
Das wird allerdings großartig vom Setting aufgefangen: 30er-Jahre-Straßenzüge, arglose Banken, coole alte Karren, ein stilgerechter Soundtrack und Tommy-Guns. Es ist kein renitenter Kostümfilm, man ist wirklich in den 30er-Jahren!
Manns größte Stärke, die für mich den mittelmäßigen MIAMI VICE sogar gehörig aufwertet, sind, und das dürfte hoffentlich langsam bekannt sein, seine unglaublich authentisch inszenierten Schießereien. Hier klingt jedes Waffenmodell anders, hier fliegen echte Kugeln, die in echte Fenster und echte Wände und hier vor allem durch echtes Holz schlagen, zumindest klingt es so. Es ist eine große Schießerei im Gange und Kameramann Dante Spinotti ist irgendwo mittendrin mit seiner Steady-Cam, nähert sich dem Gunman, wie er seine Thompson über die schützende Motorhaupe eines Buick hinweg entleert - und beobachtet ihn hautnah beim Nachladen, während gegnerische Kugeln in den Wagen hinter ihm einschlagen. PUBLIC ENEMIES hat schon mehr zu bieten, als Schießereien, aber nur allein dafür würde sich der Streifen schon lohnen. Bleibt mir ein Rätsel, warum andere Action-versierte Regisseure nicht auf diesen Zug aufspringen und sich von Michael Manns Inszenierungen eine gehörige Scheibe abschneiden.
Nun zum Skill der Akteure: Johnny Depp ist großartig. Der Rolle des gelassenen und charmanten Gangsters lässt er seine gewisse persönliche Extravaganz anhaften. Christian Bales Schauspiel ist solide, nichts besonderes, aber passend. Aber was hat Christian Bale schon seit THE MACHINIST schauspieltechnisch erwähnenswertes zu stande gebracht? Wer mir sehr sehr gut gefallen hat, war Billy Crudup in der Rolle des verzweifelten FBI-Gründers J.E. Hoover. Leider kam seine Figur etwas zu kurz, aber das, was er gezeigt hat, ist äußerst oscarverdächtig!
Auch wenn man die Figur John Dillinger und sein unumstößliches Ende kennt, bietet der Film doch einen ausgesprochen sehenswerten Schluss. Der letzte Satz des Films schlägt ein wie eine Bombe (wie dies allerdings in der deutschen Version 'rüberkommt, kann ich nicht vorhersagen).
Michael Mann hätte hier alle Freiheiten gehabt, allen Figuren mehr Tiefe zu geben, mehr emotionale Motivationen. Warum tun sie das, was sie tun? Auch bei Gangstern kann man da mal buddeln (sie wollen Geld, Frauen, Autos, schon klar, aber für so einen Charakter buche ich mir keinen Johnny Depp). Mann wandelt viel zu sehr auf dem beobachtenden Grat des Biopic-Regisseurs. Der Film kommt einem vor wie eine 140-minütige Kurzgeschichte: fängt irgendwo im Leben des John Dillingers an und endet, irgendwo? Ja, denn am Schluss bleibt zumindest ein aufgeworfener Handlungsstrang offen: Hatte J.E. Hoovers Ringen um die Gründung einer bundesweiten Behörde baldigen Erfolg? (wir wissen: hatte sie, aber die Polizei scheint am Ende des Films nichts gelernt zu haben.)
Fazit: Zwar haben die Figuren so viel Tiefe, wie auf ihren dürftigen Wikipedia-Seiten und Mann war noch nie der Garant dafür, Geschichten wirksam zu erzählen, dennoch stimmt alles andere - und das ist noch genug!