Um es vorweg zu sagen ist 'Public Enemies', trotz einiger Schwächen, immer noch ein überdurchschnittlich
guter Film.
Die großen Stärken des Films sind ganz klar eine sehr gute, stimmungsvolle Filmmusik, eine grandiose Ausstattung des
gesamten Filmsets, teilweise tollen Einzelszenen und nicht zuletzt eine engagierte, mal bodenständige und damit positiv zu bewertende Schauspielleistung von Johnny Depp.
Offensichtliche Schwächen hat der Film aber leider auch. Die oft bemängelte Kameraführung mit der HD-Digicam in manchen Szenen ist tatsächlich ein echter Kritikpunkt.
Sie macht es teilweise schwer für den Zuschauer, die Übersicht zu behalten und kann bei empfindlichen Kinogängern Kopfschmerzen verursachen. Andererseits lässt der konsequente Einsatz dieser für den Filmschaffenden tollen technischen
Errungenschaft beispielsweise die Feuergefechte sehr actiongeladen wirken, was wieder ein positiver Aspekt daran ist. Die entscheidende und damit größte Schwäche des Films ist aber tatsächlich die Inhomogenität der Dramaturgie und damit der Abfolge der einzelnen Filmszenen. Zwar sind die Szenen jede für sich wirkungsvoll inszeniert, jedoch fehlt die handlungstechnische
Substanz, die jede Szene mit der folgenden sinnvoll und vor allem wirkungsvoll verbindet. Es ist somit eher ein Flickenteppich von teilweise
brillianten Bildern, die in der Gesamtheit des episch angelegten Films ein wenig verloren wirken. Bei aller Kritik in diese Richtung gibt es aber auch echte filmische Schmankerl.
Zu nennen und eben ein echter Höhepunkt ist hierbei die (beste) Szene des Films im Schlussakt,
bei der John Dillinger den Film "Manhattan Melodrama" ansieht und zuvor, als er mit einer unverschämten Gelassenheit in das Polizeirevier regelrecht hineinspaziert.
Sehr positiv ist mir auch die Besetzungsliste des Films aufgefallen, denn sie ist nominell fast überragend.
Jedoch muss man in Erwähnung des tollen Casts denjenigen zustimmen, die behaupten, dass die für sich genommen
guten bis sehr guten Schauspieler in der Dramaturgie nicht richtig zur Geltung kommen. Das ist sehr schade, aber bei einer so großen
Menge an guten Akteuren kann sich zwangsläufig nicht jeder in besonderer Weise herausstellen. Dass sie so wenig in den Vordergrund rücken wie in 'Public Enemies', muss allerdings auch nicht sein. Der Kritik, dass vor allem Dillingers Geliebte in ihrer Motivation nicht nachvollziehbar wirkt, muss ich leider auch zustimmen und wer zudem ein tolles Charakterduell wie in Michael Manns
Film 'Heat' erhofft, der muss in Bezug auf diese Erwartungshaltung seine Ansprüche klar zurückschrauben. Das dramaturgisch angelegte
Duell zwischen (Anti-)Held Johnny Depp und dem Antagonisten Christian Bale geht allein deshalb unter, weil dem Charakter von Christian
Bale zu wenig Platz im Drehbuch eingeräumt wird, um sein ohne Zweifel tolles schauspielerischen Potenzial richtig zur Geltung zu bringen.
Wer die Leistungen von Bale in 'Der Maschinist' oder 'American Psycho' kennt, der wird mit Sicherheit eine Träne angesichts dieser
Verschwendung vergießen. Die Kritik an seiner Leistung, dass sie teilweise lustlos wirkt, kann ich jedoch so nicht mittragen. Sicher ist es eine
kühle Darstellung, doch ist das meiner Meinung auch so gewollt. Der Behördenapparat des FBI soll eben jene kalt kalkulierende Instanz sein,
die den teilweise romantisiert-verklärten Robin-Hood-Charakter des Johnny Depp zur Strecke bringt. Insofern kann in diesem Punkt gesagt sein,
dass Christian Bale zwar, auch in Anbetracht des beschränkten Spielraums innerhalb der Dramaturgie, nicht glänzt, aber zumindest eine
grundsolide und in dieser Form auch so gewollte Leistung abliefert. Schwachpunkt ist hier nach meinem Zufürhalten die unterdurchschnittliche
Synchronisierungsleistung seines Charakters. Unglücklicherweise haben Johnny Depp und Christian Bale regulär in David Nathan denselben
Synchronsprecher, so dass man in diesem Fall natürlich Johnny Depp mit seiner gewohnten (deutschen) Stimme aufwarten lässt.
Schlussendlich hat mich der Film gut unterhalten und ich kann unter Erwähnung der genannten Schwächen 'Public Enemies' weiterempfehlen. Es ist
qualitativ kein 'Collateral' oder 'Heat' aber in Anbetracht eines allgemein sinkenden filmischen Niveaus in Hollywood noch ein heller, wenn auch nicht alles
überstrahlender Stern im 'Portfolio der Traumfabrik'.