Grundsätzlich stecken im Film eine Reihe interessanter Ideen, aber den (gefühlt) größten Teil der Handlung nehmen brutale Action-Schlachten (mit "Handkamera" - extra-brutal verwackelt) oder Spaziergänge durch eine sündige, quietschbunte Second-Life-Welt ein - Sequenzen, die auch innerhalb der Filmhandlung und -logik keinen tieferen Sinn haben als den, die Betrachter oder Spieler zu unterhalten...
Aber dann ist da noch die Story um Manipulation, echt-unechte Spielwelten, Menschlichkeit, Willensfreiheit etc etc - eine Geschichte, die leider von den Filmemachern genauso oberflächlich behandelt wird wie die "Gamer" im Film ihre menschlichen Avatare behandeln.
An sich ist die Vorstellung "ferngesteuerter" Figuren und mögliche Folgen durchaus spannend und gäbe einiges an Stoff für Science Fiction, Gesellschaftskritik und Satire her - viele interessante Themen werden en passant auch gestreift - doch dieses Potential wird im Film völlig verschenkt oder durch besagte "Spielszenen" überlagert, so daß man den Film nicht ernst nehmen kann.
Viele Figuren sind so stark überzeichnet, daß sie nicht mehr glaubhaft wirken, angefangen beim unsympatischen Bösewicht (dem aber innerhalb der Filmhandlung mehrmals hohe Beliebtheit attestiert wird - wo auch immer die herkommen mag) fortgesetzt bei dessen animalisch-brutalem Handlanger, sowie einer Abziehbild-Reporterin und weiteren eindimensionalen Figuren. Das fängt leider bereits beim Protagonisten Cable an, über den man zuwenig erfährt, als dass er über seinen Überlebenswillen hinaus greifbar wird.
Da ist es dann fast überraschend, wenn hier und da doch noch sowas wie eine Charakterzeichnung durchscheint oder ein Klischee durchbrochen wird. Das schaffen allerdings nur ein paar Nebenfiguren.
Eine (in Actionfilmen wohl mittlerweile fast obligatorische) "heile Familienwelt-Rückblende" in warmen Gold-Sepia-Farben darf nicht fehlen (hier fehlt nur noch der wogende Weizen im Abendlicht) das Fehlen von Motiven einzelner Figuren wird dafür in Kauf genommen.
Manche Logiklöcher sind groß wie Scheunentore (Am gravierendsten: Warum wird der Protagonist unterstützt, wo doch das Geheimnis, das ihm Bedeutung verleiht, seinen Helfern erst danach bekannt wird?)
Manche menschliche Spielfiguren leiden an der Behandlung, die sie fernsteuerbar macht, wie etwa Amnesie. Ähnliche Hirnmanipulation wäre leider auch beim Zuschauer nötig, damit man die Schwächen des Films ausblenden und seine Stärken genießen kann.
(Vielleicht sollte die Kameraführung hypnotisch wirken - viele Zuschauer dürften das pseudoauthentische Handkameragewackel eher als Zumutung empfinden)
Fazit: Ganz hohl ist der Film nicht, hat ein paar nette Gags und interessante Action-Schauwerte - aber "genießen" kann man das als Zuschauer nicht wirklich, denn man weiß ja: Der Film will mir ja eigentlich sagen, wie schlecht diese Art "manipulative Unterhaltung" ist - aber es mangelt an Überzeugung. Man will fast lieber mit dem hirnlosen Fettklopps hinter dem Bildschirm tauschen und sich unkritisch dem buntem Bilderrausch hingeben als der weiteren Befreiung zusehen.
Immerhin: Spannend bleibt es - trotz allem - bis zum Schluß.