Fata Morgana
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Anonymer User
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Veröffentlicht am 18. März 2010
"War das jetzt ein Abenteuer?"

Mit diesen Worten provoziert Laura ihren Freund Daniel, zum vielleicht ersten mal in seinem Leben vom ausgetretenen Pfad abzuweichen.



Was als harmloser Ausflug beginnt, entwickelt sich für ein deutsches Urlauberpärchen zu einer spirituellen Reise in die äußere und innere Wüste.

Ein minimalistisches Meisterwerk über zerfallende Egos und die Kraft des Lebens!



Uff! Lange keinen derarten intensiven Film mehr gesehen!

Und das, obwohl Regisseur und Co-Drehbuchautor Simon Groß mit einem minimalistischen Setting auskommt: drei Figuren, davon eine ohne Namen, und die scheinbar immergleiche Wüstenfassade.

Nebenbei: Alle drei Schauspieler machen ihre Sache hervorragend: der geheimnisvolle, aber männliche "lonely wolf", die zaghafte Laura, die ihren eigenen Gefühlen nicht traut, und Daniel, der sich nicht eingestehen will, dass er von der Situation überfordert ist.



Doch was passiert nicht alles auf dieser Fahrt durch die Wüste?

Laura und Daniel müssen erkennen, dass sie nicht so lieb, nett und perfekt sind, wie sie sich und anderen gerne vormachen. Daniel schafft es nicht, die Kontrolle abzulegen und sich ganz dem Fremden und der Fahrt durch die Wüste hinzugeben. Seine Trotzreaktionen, mit denen er Herr des Geschehens bleiben will, und sein mangelndes Vertrauen beschwören die Katastrophe herauf.

Auch Lauras Gefühle werden kräftig durcheinander gewirbelt. Sie verfällt der Anziehungskraft des mysteriösen Fremden, der ihr - im Gegensatz zu Daniel - in der Wüste Sicherheit und Orientierung bietet. Bei der Konfrontation in der Geisterstadt schlägt sie sich - im wahrsten Sinne des Wortes - wieder auf Daniels Seite. Doch als sie nach allerhand Irrungen und Wirrungen wieder im Hotelzimmer ankommen, muss auch sie der beschämenden Tatsache ins Auge sehen, zumindest Beihilfe zu einem Mord geleistet zu haben.



Was wir erleben, ist der schrittweise Zerfall zweier Egos - grandioser Selbstbilder, die von der Wirklichkeit vernichtet werden. Und wir erleben den verbissenen, aber aussichtslosen Kampf des Verstandes um die Aufrechterhaltung dieser Egos.



In der Wüstenstadt vollzieht sich die totale Auflösung von Raum, Zeit und Ego. Groß versinnbildlicht diesen Prozeß durch meisterhaft geschnittene Verfolgungsjagden durch die leeren, labyrinthartigen Gassen. Daniel wird hier zum Jäger und Gejagten seiner selbst. Die Katastrophe geschieht, als der innere Zusammenbruch auf seinem Höhepunkt angekommen ist.



Was will der Fremde? Was symbolisiert er? Ist er ein Todesengel? Ein Sklavenhändler? Will er die beiden ausrauben?

Vielleicht stimmt es einfach, was er sagt, als Laura ihn fragt, was er von ihnen will: "Nichts."

Vielleicht meint er auch gar nicht mehr, wenn er sagt: "Solche Ausflüge tun gut."

Ausflüge aus der Welt der Sicherheit, der ausgetretenen Pfade in die Welt der Wüste, die so monoton erscheint, die aber höchste Gewahrsamkeit verlangt, wenn man hier überleben will.



Der Fremde führt die beiden nicht nur in die äußere Wüste; auf der Fahrt werden sie auch der Leere, der Ödnis in ihrem Innern gewahr. Das ist kein großartiges Ich, das der äußeren Welt stolz gegenübertritt. Da sind nur zwei Menschentiere, die zunehmend von ihrer Angst überwältigt werden.



Wie wenig sich die beiden auf das Leben einlassen können, zeigt sich bei der Begegnung mit den Arabern. Der Fremde schließt mit ihnen Geschäfte ab, sitzt nachts gemeinsam mit ihnen am Lagerfeuer, genießt ihre Gastfreundschaft, isst und trinkt mit ihnen. Daniel und Laura aber wagen sich nicht in die Gesellschaft. Stattdessen panzern sie sich in ihrem Jeep ein und beobachten das Geschehen voller Mißtrauen. Stets mit einer Hand am Zündschlüssel, um im Falle einer Gefahr schnell flüchten zu können.



Doch was tut ihnen der Fremde an? Er sorgt für sie, führt sie regelmäßig zu Wasserlöchern, beschafft ihnen Essen und Benzin. Auch bedroht er sie nie. Selbst beim Kampf in der Geisterstadt geht er über Notwehrmaßnahmen nicht hinaus.

Aber es gibt weniger von sich preis, als es andere Menschen tun würden. Vielleicht, weil es nicht mehr zu sagen gibt?

Und er führt sie nicht dorthin, wo sie hin wollen. Zumindest nicht auf dem kürzesten Weg. Aber ist es die Schuld des Fremden, wenn Daniel und Laura falsche Erwartungen haben?



So entpuppt der Fremde sich schließlich als spiritueller Lehrer, der sogar sein eigenes Leben einsetzt, um den beiden zu so was wie Erleuchtung zu verhelfen.



Fazit: Eine minimalistische, aber gerade deshalb intensive Reise zu beschämender Selbsterkenntnis.



Bewertung: 10 von 10 durchschnittenen Bremsschläuchen









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