In einem Interview hat Jim Jarmusch mal gesagt: "Ich lasse die dramatischen Dinge gern weg. Mich interessieren eher die Charaktere und ihre Interaktionen. Ich zeige, wie meine Figuren Dinge anschauen und dabei die Zeit vergeht." Ja, genau so ist dieser Film. Der Protagonist, der noch nicht einmal mit so etwas profanem wie einem Namen ausgestattet ist, spricht nun wahrlich nicht viel. Auch die Figuren, denen er auf seiner Reise begegnet, reden nicht wirklich viel. Es sind vielmehr die Bilder, die Jarmusch benutzt, um seine Beotschaft zu transportieren.
Und die sind nun wahrlich meisterhaft! Das muss selbst ich, der (noch?) kein Jarmusch-Fan ist, anerkennen. Die Art, wie die spanischen Städte eingefangen werden, die Cafes, in denen der Protagonist sitzt, die Ansichten der Bahnhöfe, ja selbst die wechselnden Anzüge im Verlauf des Films, all das hat schon eine fast poetische Asudruckskraft. Aber ich räume ein, dass man sich darauf einlassen können muss, bei so viel "Slow Cinema" darf man eben nicht mit den falschen Erwartungen herangehen oder zumindest für die expressive Bildsprache bei gleichzeitig fast völliger Abwesenheit von Plot und Charakterentwicklung irgendwie offen sein. Wenn man das nicht kann, dann wird man nicht viel Freude an dem Film haben und ihn als "langweilig" oder "nichtssagend" empfinden - so wie eben auch viele User hier. So wie John Hurt nach seinem Monolog, zu dem der Protagonist kein einziges Wort gesagt hat: "Ich danke Ihnen für das Gespräch."
Dabei ist es nun absolut nicht so, dass uns der Film nichts zu sagen hat, ganz im Gegenteil, es geht um die unterschiedliche Wahrnehmung von Realitäten, der Titel "The Limits of Control", einem Essay von William S. Burroughs (ja, von wem auch sonst!) entlehnt, verweist darauf. Und darum, wie diese Realitäten auf uns wirken und was sie mit uns machen. Denn was lehrt uns die Quantenphysik? Realität entsteht erst in dem Augenblick, wenn wir hinschauen. Oder mit den Worten des Protagonisten: "Realität ist beliebig." In jedem Fall regt der Film zum Nachdenken und zum Diskutieren an, und das ist doch eigentlich das Schönste, was passieren kann, oder?
Im Zentrum steht natürlich Isaach de Bankolé, der nur nichts spricht, sondern sich auch nahezu amimisch durch den Film bewegt. Hinzu kommen einige durchaus prominente Weggefährten, die aber jeweils nur kurze, wenige Minuten lange Gastauftritte haben: John Hurt, Tilda Swinton, Bill Murray, Gael García Bernal, um nur einige zu nennen.
FAZIT: Ein wiklich minimalistischer Film, zumindest was das gesprochene Wort angeht. Statt dessen zeigt uns Jim Jarmusch hier Bilder von geradezu peotischer Schönheit und expressionistischer Kraft, die man auf sich einwirken lassen kann, wenn man das möchte. Somit ist "The Limits of Control" sicherlich kein Film für das Mainstream-Publikum, sondern eher für eine spezielle Zielgruppe. Dabei ist es dann auch der Film, der sich seine Zuschauer aussucht und nicht andersherum.