Der Film orientiert sich ja bekanntlich sehr eng an dem wahren Fall des Verschwindens von Kathy McCormack, legt die Geschichte bzw. deren Interpretationsspielraum auch relativ frei aus, immerhin soll ja eine spannende Geschichte erzählt werden. Die versuchte Nähe zur echten Story führt allerdings auch zu einem etwas uneinheitlichen Filmerlebnis. Wo das Ehedrama ziemlich spannend und vor allem intensiv losgeht, so lässt der Film im letzten Drittel dann doch ziemlich nach und verliert sich in einer wenig ansprechenden und ja, man möchte fast sagen, langweiligen Gerichtsbefragung.
((MÖGLICHE SPOILER AB HIER))
Ryan Gosling ist erstmal nicht so mein Fall, hier fand ich ihn aber ziemlich gut. Seine Wandlung vom charmanten Schönling zum total wahnsinnigen Arschloch ist glaubhaft und hervorragend gespielt. Die Ursache dieser Wandlung jedoch ist mir nicht so ganz klar, was wahrscheinlich am ehesten als Schwäche des Drehbuchs ausgelegt werden muss. Offenbar ist er durch den Tod seiner Mutter irgendwie traumatisiert, wieso das aber dazu führt, dass er zu einem Arschloch wird ist mir nicht klar. Auch passen die Selbstgespräche, die immer mal wieder im Film vorkommen, nicht dazu. Hat er Halluzinationen oder Wahnvorstellungen? Das passt aber auch überhaupt nicht ins Bild... Mehrmals wird auch ein eventueller Drogenkonsum (Cannabis?) angedeutet, aber auch das bleibt im Dunkeln. Steckt da überhaupt eine psychische Störung dahinter oder ist er nur einfach so ein impulsiver, gewalttätiger Idiot?
Kirsten Dunst spielt ebenfalls hervorragend, sie ist immer wieder hin und hergerissen zwischen der Liebe zu ihrem Mann und seinen gewalttätigen oder sonst irgendwie komischen Ausbrüchen. Aber immer wieder versucht sie, ihn ins wirkliche Leben zurückzuholen, das ist mit der Zeit fast schon schmerzhaft mit anzusehen, wie sie sich immer wieder einbringt und er sie doch nur wieder vor den Kopf stößt.
Und da es sich ja auch um einen echten Fall handelt, der bis heute ungelöst ist, gibt es dann auch kein befriedigendes Ende. (Die echte) Kathy McCormack gilt bis heute als vermisst, (der echte) Robert Durst beteuert bis heute seine Unschuld, wie uns der Film mittels eines eingeblendeten Textes am Ende auch aufklärt. Wie auch immer, es gibt halt dann ein ziemlich abruptes Ende, das mich ziemlich unbefriedigt zurückgelassen hat.
((SPOILER ENDE))
Das wäre vielleicht gar nicht so schlimm gewesen, wenn das letzte Drittel etwas aufregender geworden wäre. Aber stattdessen wird man mit einer blöden Befragungssituation und einer kruden Geschichte rund um Davids Nachbarn belästigt, wo man sich immer irgendwie fragt: Was soll das jetzt? Am Ende fügt sich dann schon alles wieder einigermaßen zusammen, aber es ergibt sich kein stimmiges Gesamtbild. Die vor allem im zweiten Teil (sehr meisterhaft!) aufgebaute Spannung, verpufft komplett und wird auch nicht wieder aufgegriffen.
Schade, denn ansonsten hätte das ein sehr guter Film werden können, aber nichtsdestotrotz ist er immer noch sehenswert!