"Hugo" gegen "The Artist".Dieses Duell bestimmte nicht zufällig die Oscar-Verleihung 2012.[...]In beiden Filmen dreht sich alles letztendlich um die Liebe und Leidenschaft zum Kino bzw. zu den Anfängen des Kinos,sie sind ganz offenbar mit selbigen Eigenschaften entstanden und wurden vornehmlich auch für ein Publikum geschaffen,welches diese Passion gänzlich teilt...und wo würden sie dieses wohl eher vorfinden als in der allgemeinen Riege der Filmkritiker und damit schlussendlich den Verantwortlichen sämtlicher Preisverleihungen.[...][Ein persönlicher Sieger soll nun innerhalb von drei Kategorien,1. der handwerklichen Qualität,2. der inhaltlichen Qualität und 3. dem Nostalgiefaktor ermittelt werden.]___ 1. Mit kindlicher Hingabe beschwört Scorsese das Paris der 30er Jahre herauf,labt sich an der schier unendlichen Detailfülle des Pariser Hauptbahnhofes,in dem der Film zum Großteil spielt und setzt immer den richtigen Ton an,um ein klassisches Kinderabenteuer zu erzählen,welches allerdings nicht unbedingt primär für Kinder gedacht ist.Handwerklich ist alles durchgehend souverän inszeniert, da gibt es keinen Makel.[...]...und "Hugo" hat ja auch seine Academy Awards ausschließlich in den Technik-Kategorien errungen, sodass an seiner handwerklichen Überlegenheit eigentlich kein Zweifel bestehen sollte.Doch [...] in "Hugo" wird mit konventionellen Mustern und Mitteln eine Geschichte in und über eine vergangene Epoche der Filmgeschichte erzählt..."The Artist" hingegen gelingt es, der Film einer vergangenen Epoche zu SEIN!!!Er wirkt exakt aus der Ära des Stummfilms entsprungen,er IST ein klassischer Stummfilm par excellence.[...]--ERGEBNIS: ein knappes 1:0 für "The Artist".___ 2. Nicht unbedingt die größte Stärke beider Werke.Die Geschichten,die hier erzählt werden,verkehren unverkennbar im Rahmen des gesetzten Anspruches beider Filmemacher,einen mit cineastischer Passion entwickelten feuchten Traum für passionierte Cineasten zu schaffen: hier die ihren eigenen Zenit längst überschrittene Ikone der damals revolutionären Ära der Tricktechnik,dort die überholte und noch dazu uneinsichtige Ikone der nicht minder revolutionären Ära des Stummfilms.[...]auch wenn man gerade Scorsese die Erfüllung seines Filmliebhaber-Traumes von Herzen gönnt, kann man nicht verhehlen, dass sich der inhaltliche Gehalt beider Filme [...] als ausgeprochen dünn erweist.Bei "The Artist" könnte man einwenden,dass sein Bestreben,einen Hollywood-Stummfilm alter Schule in wirklich ALL seinen charakteristischen Facetten nachzustellen,also auch der rührenden narrativen wie substanziellen Eindimensionalität,seine nur allzu offensichtliche Formelhaftigkeit quasi entschuldigt[... Es] ändert jedoch nichts an der gähnenden inhaltlichen Leere."Hugo" kann dem immerhin eine Geschichte entgegensetzen,welche sich um die klassischen Abenteuer-Themen wie Freundschaft,Familie und Mut dreht.Die Dramaturgie hält sich zwar unverhohlen in konventionellen Bahnen und es fällt auch auf, dass Scorsese,dieser unangefochtene Großmeister der epischen Filmerzählung [...],seinen Plot nicht ganz so hundertprozentig im Griff hat wie zu seinen besten Zeiten,dadurch an einigen Stellen mit der einen oder anderen Länge zu kämpfen hat.Dennoch kann "Hugo" - was auch den sehr guten Darstellern geschuldet ist - mit einer wesentlich wärmeren Geschichte aufwarten als der dann doch eher kalkuliert wirkende[...]"The Artist".Wie man es aber auch dreht und wendet, Substanz und Tiefe gehen bei beiden Erfolgsfilmen nicht über reine familien- und kassenfreundliche Unterhaltung hinaus.[...]--ERGEBNIS: in einem Zwischenduell auf eher bescheidenem Niveau vermag es "Hugo", zum 1:1 auszugleichen.___ 3. [...]Natürlich fällt der Nostalgiefaktor bei "The Artist" immens aus,wurde hier doch IN unserer Zeit quasi ein Film AUS vergangener Zeit produziert,der eben von so charmanter Einzigartigkeit ist,weil er völlig wie aus der Gegenwart gefallen erscheint."Hugo" hingegen spielt zwar in einer vergangenen Zeit, ist aber mit Mitteln des modernen (Hollywood-)Kinos inszeniert und funktioniert auch in Erzählung und Dramaturgie nach heute gängigen Mustern.Aber:[...]Seine wunderbarsten Momente hat der Film dort, wo er [...] die alten Glanzstücke der alten Tricktechnik in all ihrer zu Tränen rührenden Unschuld zeigt.Hier wird einem [endlich wieder] bewusst[...]: Kino,das war im Anfang die Kunst des Staunens.Kinomagie,dieses heutzutage seltsam unterbewertete Wort,das war der Wechsel der klassischen Kaninchen- und Taschenmagier aus dem Zirkuszelt hinter die Kamera,eine neue Attraktion,der anbeginnende Siegeszug eines wahrhaftigen Traumfabrikanten.[...]--ERGEBNIS: Punktsieg für "Hugo" - 2:1.---FAZIT: Das hochklassige direkte Duell zwischen zwei Publikums- und Kritikererfolgen entscheidet "Hugo",eine inszenatorisch starke Liebeserklärung an die wahrlich liebenswerte Ära der anbeginnenden Tricktechnik,sehr knapp,aber letztendlich verdient für sich.