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Anonymer User
3,0
Veröffentlicht am 20. Juli 2012
Filme die nur innerhalb eines Raumes/Ortes spielen sind für mich persönlich die spannendsten überhaupt, da sie eine Herausforderung darstellen: es darf keine Langeweile auftreten, es muss den Zuschauer irgendwie fesseln und vergessen machen, das das Szenario sich nicht verändert. Das verlangt gute Schauspieler und eben eine sehr gute, spannende Geschichte. Und genau bei diesen Stellen fehlt es ein wenig bei Exam. Die Charaktere sind recht klischeehaft, was dem Film aber nicht großartig schadet, schließlich muss der Raum von unterschiedlichen Charakteren ja leben. Die Geschichte ist nett verpackt und recht interessant, ist aber meilenweit von einer Story à la 'The Game' sehr weit entfernt. Aber was den größten Minuspunkt ausmacht ist das Ende. Es geht in Exam darum, dass die Bewerber die richtige Antwort auf die richtige Frage finden. Weder die Frage, noch die Antwort scheint den Leuten einzufallen. Man erwartet den ultimativen Twist, eine Art Moral, ein Gag oder eine völlige Überraschung. Man geht eben von allem aus, weil man glaubt, dass einem der Regisseur alles, nur nicht das Erwartete liefert. Falsch gedacht. Nun, es ist ein kleiner Gag, aber eben nur ein rhetorischer Gag, über den wohl nur Rätsel-Liebhaber und Deutschlehrer schmunzeln werden. Exam ist viel Drama um nichts, zumindest auf die Lösung bezogen. Wem die Erwartung egal ist und sich nur auf das Zusammenspiel der unterschiedlichen Charaktere innerhalb eines Raumes freut, kann ihn sich gern ansehen. Allen anderen sei 'Nicht auflegen!' und 'The Game' zu empfehlen. Und 'Gott des Gemetzels' wenn wir mal auf das Thema Kammerspiel eingehen.
Der Film beginnt ziemlich stark und auch die Ausgangssituation fand ich ziemlich cool. Ein Szenario wie in einem Alptraum: Du sitzt bei einer Prüfung und sollst nur die eine Frage beantworten – aber wie lautet die? Vor allem zu Beginn entwickelt der Film auch eine intensive klaustrophobische Kammerspiel-Spannung, die Reibereien zwischen den einzelnen, doch sehr unterschiedlichen Charakteren werden immer offensichtlicher. Und auch für uns als Zuschauer ist es aufregend, denn es bleibt unklar, wie denn nun diese eine Frage lautet…
Leider kann der Film diese hohe Spannung nicht bis zum Ende konsequent halten, zu oft benehmen sich die Figuren viel zu klischeehaft und vorhersehbar. Auch gibt es keinen echten sympathischen Charakter, mit dem man mitfiebern könnte, emotional bin ich ziemlich abgehängt gewesen. Und auch die Auflösung am Ende fand ich ziemlich lahm. Das war als großer eye-opening-Twist geplant, war für mich dann aber zu banal und irgendwie ziemlich enttäuschend. Und das nimmt dem Film am Ende dann ganz schön an Wucht, so dass die Fallhöhe plötzlich gar nicht mehr so hoch ist.
Wie auch immer „Exam“ hat mich doch 1 1/2 Stunden gut unterhalten, von mir gibt’s 6 Punkte mit einer vorsichtigen Empfehlung.