Im Westen nichts Neues
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Sebastian Schlicht7
Sebastian Schlicht7

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4,0
Veröffentlicht am 29. Januar 2023
Ein Meilenstein in der deutschen Filmgeschichte!

Der erste deutsche Film, der auch für den Oscar als bester Film nominiert ist? Das gabs noch nie! Aber die Verfilmung („Im Westen nichts Neues“) von Erich Maria Remarques Buch auf Netflix hat es tatsächlich geschafft. Das Kriegsdrama von 2022 unter der Regie von Edward Berger konnte zudem so viele Nominierungen abstauben, wie noch kein deutscher Film zuvor. Auch wenn ich nicht mehr viel auf die Oscars gebe, aber das ist schon mal ein Statement für die deutsche Filmlandschaft. Ich persönlich kenne weder das Buch noch die Verfilmung von 1930 (oder den TV-Film von 1979), ging also völlig unwissend in dieses Werk. Und siehe da: „Im Westen nichts Neues“ ist nicht nur ein sehr kraftvoller Kriegsfilm, sondern vielleicht auch der technisch beeindruckendste Film, den ich je aus Deutschland gesehen habe!

1917, der erste Weltkrieg tobt: Eine Gruppe junger Männer wird als Soldaten an die Westfront geschickt, um gegen die Franzosen zu kämpfen. Die Vorfreude fürs Vaterland zu kämpfen ist groß, doch schnell wird aus dem Patriotismus die pure Hölle auf Erden…

Krieg ist sinnlos und dieser Film zeigt das sehr gut. Vor allem das Finale hat mich wütend auf die Menschen gemacht, die damals die Entscheidungen für Einsätze getroffen haben. Ich bin nicht sicher, inwiefern der Film die Fakten von damals wiedergibt, aber ich schätze mal, dass sich der Film wenig kreative Freiheiten genommen hat, was den geschichtlichen Hintergrund angeht. Und das ist diesmal auch gut so, denn die Story ist alles andere als gute Abendunterhaltung: Der Film zeigt was Krieg ist und das in seiner reinsten Form. Richtig beeindruckend wird dies durch die getragenen Klamotten früherer Soldaten dargestellt. Wenn ein Mann stirbt, wird seine Uniform gewaschen und an den nächsten weitergegeben. Das wird im Film immer wieder aufgegriffen und zeigt kraftvoll, dass das Ganze eher an Fließbandarbeit erinnert. Wenn man dann noch am Ende liest, dass in den vier Kriegsjahren praktisch kein Gebiet wirklich erkämpft wurde, sonder dass die Soldaten nur wenige hunderte Meter vorwärts kamen in dieser Zeit, verliert man schnell den Glauben in die Menschlichkeit!

Sehr schön ist auch, dass man über die einzelnen Figuren, die man im Laufe des Films kennenlernt, wenig erfährt. Hier und da erfährt man mal, welchen Beruf der eine ausübt, aber viele Informationen bekommt man nicht, vor allem der Hauptdarsteller bleibt vergleichsweise blass. Das bedeutet aber nicht, dass die Figuren keine Tiefe haben, im Gegenteil. Durch wenige Dialoge und deutlich mehr Mimik und Gestik erhalten die Charaktere ihre Züge und sind dabei erstaunlich authentisch. Und das bei einem deutschen Film! Mir gefällt das wirklich sehr, „Im Westen nichts Neues“ vertraut auf wenig Exposition und erzählt seine Geschichte vor allem durch imposante Bilder.

Wenn ich was kritisieren muss, dann wäre es der Tod einer Figur gegen Ende. Auch hier wird gekonnt mit der Technik von Wiederholung gearbeitet, da zwei Freunde einen Bauernhof ausrauben und das später wieder tun. So erzählt der Film eine gewisse Repetition, wie eine Maschine die stupide ihre Arbeit macht. Doch der Tod einer Figur erschien mir dann doch etwas sehr unnötig, da die Charaktere im Film einfach etwas klüger hätten handeln können. Ich will nicht zu viel verraten, aber die Figuren gehen absichtlich und ohne wirklichen Grund ein zweites Mal in ein sehr gefährliches Gebiet und das obwohl sie wissen, dass sie bald nach Hause fahren können, da der Krieg kurz vorm Ende steht. Das war irgendwie unnötig und forciertes Drama. Weiterhin hätte ich gern etwas mehr zwischenmenschliche Beziehung zwischen den Figuren gehabt. Da gab es für meine Verhältnisse etwas zu wenige Interaktionen zwischen den jungen Männern, auch wenn der Film nicht wenige Szenen zwischen den Figuren hatte. Vielleicht wären ein paar mehr Dialoge tatsächlich besser gewesen, aber das ist natürlich Geschmackssache.

Was man nicht bestreiten kann, sind die starken Darsteller! Felix Kammerer als Paul oder Aaron Hilmer als Albert haben mich besonders beeindruckt. Es war auch schön, dass ich neben Daniel Brühl kaum jemand kannte. Der Film wollte (wie „Dunkirk“) nicht mit prominenten Gesichtern glänzen, sondern in erster Linie mit starken Darstellern.

Und natürlich müssen wir über die bahnbrechende Optik sprechen. Beeindruckend und sicherlich der beste Aspekt für mich. „Im Westen nichts Neues“ sieht stark aus. Für die Kamera war James Friend verantwortlich. Der schuf eindrucksvolle und bildgewaltige Einstellungen. Vor allem die Kampfszenen sind fantastisch eingefangen und wirken erstaunlich echt und imposant zugleich. Auch die CGI-Effekte sind sehr gut, wie auch der unkonventionelle, tolle Score von Volker Bertelmann. „Im Westen nichts Neues“ von 2022 ist für mich der optisch beste Film, den ich je in Deutschland gesehen habe!

Ich empfehle nur den Film mit Untertiteln zu gucken, da ich immer wieder große Schwierigkeiten hatte die Schauspieler zu verstehen (vor allem Albrecht Schuch als Kat hat mir zu viel genuschelt).

Fazit: Das Kriegsdrama ist am Ende nicht ganz so stark wie andere Vertreter (man denke nur an „Full Metal Jacket“, den eben genannten „Dunkirk“ oder auch den Anime „Die letzten Glühwürmchen“, der das Thema ganz anders angeht), aber ich liebe die Idee hinter dem Film. „Im Westen nichts Neues“ zeigt wie sinnlos ein Krieg ist. Zudem ist das Ganze visuell und soundtechnisch eindrucksvoll gemacht und könnte für mich in Zukunft vielleicht einer der besten deutschen Filme des 21. Jahrhunderts werden!
Kino:
Anonymer User
0,5
Veröffentlicht am 15. Januar 2023
Während der Film vielleicht faktisch versucht bei der Realität zu bleiben, so ist dieser dramaturgisch unterste Schicht und strotzt nur so von einer leeren Handlung.

Spoiler

Wenn man nacheinander alle Charaktere sterben lässt die Teil der Handlung des Filmes sind, hinterlässt der Film nicht nur einen faden Beigeschmack aufgrund der grausamen Geschichte des 1 WEltkrieges. Vielmehr aufgrund der zahlreichen schlechten und witzlosen Entscheidungen des Regisseurs…
Kino:
Anonymer User
2,5
Veröffentlicht am 9. Januar 2023
Ich denke, in dieser Form wäre das Buch zumindest nicht verboten worden…

Dass der Film misslungen ist und am Thema, sprich Original, vorbei geht sollte wohl mittlerweile klar sein. Dennoch einige Anmerkungen
Ohne die Darstellung des Himmelstoß, dieses „kein großes Licht im Privatleben, aber in der Armee dann wegen des Dienstranges ein kleiner Gott“, geht unglaublich viel verloren. Vor allem wenn dann auch noch der letzte Schritt fehlt, auf sich allein reduziert an der Front ist er wieder nichts, ein Feigling.
Das muss rein in den Film, sonst kann man sich ihn sparen
In diesem Zusammenhang hätte mich auch durchaus eine Umsetzung der „Rache“ der Rekruten an ihrem Schinder interessiert. Im „Original“ ist sie ja so völlig anders als beispielsweise jene bei „Full Metal Jacket“. Hätte interessant werden können…

Stammtischparolen – Besuch einer Kneipe bei Pauls Heimaturlaub. Er schildert seine grauenvollen Eindrücke, doch wird „überstimmt“, denn schließlich sehe er nur seinen kleinen Bereich, man hier jedoch das große Ganze. Das ist aus zwei Gründen wichtig. Zum einen die Wortführerschaft der sogenannten Experten, deren wichtigstes Merkmal ist, auf jeden Fall weit und trocken von aller Unbill der Front zu sein. Und natürlich der Hinweis, dass Individuum ist nichts, es zählt nur das große Ganze. Etwas, das jeder Diktatur, weltlich oder religiös, eigen ist.
Das muss rein in den Film, sonst kann man sich ihn sparen

Eine der beeindruckendsten Szenen für mich (Erstverfilmung) war jene, in der Paul allein mit dem zuvor von ihm tödlich verletzten Franzosen in einem Granattrichter liegt. In der aktuellen Verfilmung gibt es diese Szene ebenfalls, nur was bitte hat man daraus gemacht…? Die Botschaft ist zunächst denkbar einfach: Töten mit eigenen Händen, seinen Feind dabei berühren (müssen) ist etwas völlig anderes als jenes Anonyme, maschinelle mit Gewehr und Granaten. So weit, so gut, nur geht die Szene ja noch weiter. Weil einer eine ganze Zeit mit ihm verbringen muss, wird aus einem Feind mit einem Mal ein Mensch. „Schlimmer“ noch, durch die Familienbilder, die Paul findet, wird der böse Feind ein Mensch wie er. Dieses wird in der Neuverfilmung so nicht deutlich.

Insgesamt wirkt der Film phasenweise als wäre er so konzipiert, dass Erstseher/Unwissende des Buchstoffes stets einen Wissenden neben sich hätten, der die riesengroßen Löcher in der Story schon schließt.

Bleibt zum Schluss die Frage – ist es ein Anti-Kriegsfilm?
Nun, ich denke zwei von drei Punkten kann man vergeben. Ja, es ist ein Anti-Kriegsfilm, weil er das elende Verrecken schonungslos zeigt. Des Weiteren wird kein Held geboren, es gibt absolut nichts Positives. Passt ebenfalls.
Aber nein, es ist keiner, weil…ihm einfach die Story fehlt

Es ist schade, dass eine Chance verschenkt wurde.
Cursha
Cursha

7.500 Follower 1.067 Kritiken User folgen

4,5
Veröffentlicht am 29. Dezember 2022
Dieser Film könnte nicht besser in die Zeit passen. Gerade wo Krieg in Europa herrscht ist dieser Film doch ein wundervolles Beispiel dafür wie abscheulich Krieg ist, das es nichts Heldenhaftes gibt, das es dort schmutzig zugeht und das Millionen junger Männer sinnlos ihr Leben geben müssen für machthungrige Führer, die sich selbst nie die Finger schmutzig machen. Schnell wandelt sich die Euphorie in pure Angst. Dabei sieht der Film unglaublich gut aus und kommt mit einem erschreckenden Realismus um die Ecke. Die Effekte sind wirklich stark, die Musik laut und dröhend. Dabei ist es wunderbar einen solchen Film aus Deutschland zu bekommen. Dabei steht der Film der Verfilmung von 1930 in nichts nach. Hinzu kommen grandiose Schauspieler von Albrecht Schuch, Daniel Brühl, Edin Hasanovic bis Devid Strisow. Ein fantastischer, erschreckender Antikriegsfilm!
Kino:
Anonymer User
5,0
Veröffentlicht am 12. Dezember 2022
Stark, hart, verstoerend, schmerzhaft, ehrlich und mal wieder aktuell: "Im Westen nichts neues".
Gruss aus Moskau
Kino:
Anonymer User
2,5
Veröffentlicht am 13. November 2022
Gut, eindrucksvoll gemachte Kampfszenen. da kann man nicht meckern.
aber anosonste.. die Geschichte is einfach ideenlos.. ein typisch deutscher film...
daher is der film insgesamt eher eine entäuschung.
nicht zu vergleichen wie mit einem film "soldat ryan"..
auch ein film wie "unsere muetter unser vaetter" war sehenswerter..
also ich wuerd ihn mir nicht nochmal angucken..
D. K.
D. K.

1 Follower 11 Kritiken User folgen

5,0
Veröffentlicht am 11. November 2022
Erste 10 min hat schon einen Oscar verdient. Sound, Schauspieler und Story einfach Top. Endlich mal wieder was aus Deutschland.
Kino:
Anonymer User
5,0
Veröffentlicht am 11. November 2022
Im Netflix-Stream nichts Neues?

Musste man sich in der letzten Zeit die Frage stellen, ob es „Im Netflix-Stream nichts Neues?“ gibt, wagt sich ausgerechnet der Streaminganbieter, nachdem er Jahre lang gehyped wurde und nun bei vielen Kunden aus unterschiedlichen Gründen in Ungnade gefallen war, an die Verfilmung des Klassikers des Anti-Kriegsfilms „Im Westen nichts Neues“ und schickt das Werk sogar ins Oscarrennen 2022 für Deutschland.

Die Erstverfilmung, des literarischen Stoffes von Erich Maria Remarque, erregte im Jahre 1929 Aufsehen, durchbrach er die Weise, wie bisher Filme gemacht wurden, in technischer Sicht, wie auch weltanschaulicher Sicht, nämlich gegen ein heroisches Ideal und romantisierendes Heile-Welt Paradigma. Besonders in Deutschland wurden längere Filmszenen zensiert und unter den Nazis verballhornt und verfemt, bis er ganz verboten wurden. Aber auch in den USA hat der Film einige Zensurschnitte erfahren müssen. Das kinematografische Jahrhundertwerk darf auch noch heute als Meilenstein der Filmgeschichte gelten, weil danach kein sog. Anti-Kriegsfilm die Angst und Furcht der Soldaten so ungeschönt dargestellt hat, wenn sie sich in den Schützengräben und Bombenkratern wimmernd, weinend und kreischend in der Deckung zusammenkauern, wo sie in anderen Filmen meist mit tapferer Mine ihr Schicksal ertragen und über sich hinauswachsen.

So können die Soldaten in jedem anderen sog. Anti-Kriegsfilm trotzdem zu Helden werden, was für den Zuschauer sicherlich wohlgefällig ist, doch bei „Im Westen nichts neues“ existiert der Held genauso wenig, wie der Anti-Held, es gibt nur Futter für die Kanonen. Im Vergleich, zum dem mit dem Oscar ausgezeichneten Klassiker von 1930, könnte also die Herausforderung für die Neuverfilmung nicht größer sein. Nun ist die Neuverfilmung am 28.10.2022 auf Netflix erschienen, war der Film einen Monat zuvor ausgewählten Kinos bereitgestellt worden.


[SPOILER//////SPOILER//////SPOILER]

Die Rezeption der ersten Kritiken zeigt einen häufig geäußerten Einwand. Im Gegensatz zu Roman und Erstverfilmung habe man die Verblendung der Jugend, durch die Eltern und Lehrer, nicht mit entsprechender Aufmerksamkeit behandelt. In der Originalverfilmung sieht man zusätzlich zur patriotischen Kriegsrede des Lehrers, die Eltern Pauls, eine besorgte Mutter und einen stolzen Vater, jedoch nur in einer sehr kurzen Sequenz, die weniger als 30 Sekunden dauert. Dass die Eltern an der patriotischen Verblendung Teil hatten ist zwar wichtig, aber die Auslassung ist kein Verlust, denn der Neuverfilmung gelingt hier etwas neues durchaus Pointierteres, nämlich eine bedrohliche und verstörende Atmosphäre, die sich wie einer roter Faden, schon bei der ersten Einstellung auf dem Schlachtfeld, durch die ganze Erzählung zieht.

An diesem roten Faden angehängt ist auch die heroische Rede des Schulleiters, die zum einen die des Lehrers aus der Erstverfilmung adäquat ersetzt und die zum anderen als Antithese zu den parallel auf dem Schlachtfeld fallenden Soldaten wirkt, welche in Anbetracht der Tötungsmaschinerie aus Stahl, die ihnen entgegengestellt wurde, keine Chance auf ein Überleben hatten.

Während die Rede bei den jungen Männern auf fruchtbaren Boden fällt, wird dem Zuschauer die Wahrheit vor Augen geführt. Kaum gefallen, werden die verstorbenen Soldaten, anhand ihrer Nummer registriert, entkleidet und ihre Uniform wiederaufbereitet, damit die nächsten damit ausgestattet werden können, wie etwa Paul Bäumer und seine Kameraden.

So findet Paul das Namensschild seines Vorgängers im Kragen der Uniform und ist nichtsahnend, dass darin gefühlt bloß ein Tag zuvor ein Kamerad gestorben ist. So tief einschlagend, wie diese blutgetränkte Szene, ist jene von den Besitzern wechselnden Lederstiefeln in der Erstverfilmung nicht, auch wenn sie fast den gleichen Zweck erfüllte. Plötzlich überblickt der Zuschauer den ganzen gnadenlosen Kreislauf, einer erschütternden Maschinerie und ahnt, dass in dieser Uniform vielleicht nicht nur ein einziger Mensch gestorben ist, sondern noch viele andere und das Paul und seine Kameraden nicht die letzten sein könnten. Ein menschenfressendes System wird enthüllt und zu einer drastisch erfahrbaren Parabel der industriellen Auslöschung von Menschenleben im Krieg.

Im direkten Vergleich mit dem Klassiker der Filmgeschichte von 1930 schafft es die Neuverfilmung die Erzählung sowohl passend um einige Handlungsstränge im Sinne Remarques, als auch im Verständnis der heutigen Geschichtsreflexion zu ergänzen. Dabei berücksichtigt die Neuinszenierung moderne Ansprüche, d. h. Vertonung, als auch Kameraarbeit, Kulissen und Schauspiel werden Teil einer Inszenierung, die eine herausragende realistische und bedrückende Atmosphäre erschaffen kann. „Im Westen nichts neues“ ist eine Tortur, für die man sich entscheiden kann sie durchzustehen, aus Respekt vor den gefallenen Soldaten, jungen Männern, die mit Eifer und Stolz eine Wahl getroffen haben, deren Konsequenzen ihnen die Kriegstreiber vorenthalten haben.

Wenn es nur einen Grund gäbe diesen Gang durch die Hölle mitzuerleben, dann ist jener, dass weder Besuche auf Ehrfriedhöfen, noch das Studium von Geschichtsbüchern diese Erfahrung so immersiv transportieren können, wie dieses filmische Mahnmal für den unbekannten Gefallenen.

In der näheren Betrachtung der Neuverfilmung ist den Drehbuchautoren mit der fortwährenden Antithetik und der dazugehörigen eindringlichen Inszenierung ein stilistischer Kunstgriff gelungen, denn die Erzählung beginnt mit dem Morden und Sterben auf dem Schlachtfeld und verfolgt diesen roten Faden bis zum Ende, wenn sich der Kreis schließt.
Ein schwerer Verlust scheint hingegen die Auslassung der Figur des Postboten/Unteroffiziers Himmelstoß. Mit Unteroffizier Himmelstoß fehlt nicht nur die militärische Ausbildung der jungen Rekruten, sondern auch eine wichtige Figur, die sicherlich einer der moralisch wichtigsten Einsichten aus Remarques Werk transportiert. So ist die Figur Himmelstoß anfangs der von Paul und seinen Kameraden respektlos behandelte Postbote, welcher in der zivilen Gesellschaft ein eher unbeachtetes Dasein führt, so die Charakterisierung durch Remarque.

Mit dem Beginn der Mobilmachung schwingt Himmelstoß große patriotische und heroische Reden und zeigt sich damit als kleiner Mann, der durch das Kollektiv der großen Nation über sich hinauswächst. Nicht ohne literarischen Kontext zu anderen Werken seiner Zeit, ist diese Figur von Remarque erschaffen worden, lässt sie deutlich einen Bezug zu Heinrich Manns „Der Untertan“ erkennen. Viel besser kann man Heinrich Manns Charakterisierung eines wilhelminischen Untertanen nicht auf eine Figur übertragen, denn als der Postbote Himmelstoß zum Unteroffizier aufsteigt, kann man beobachten, was passiert, wenn vorher abgehängte Menschen Macht über andere erlangen. So heißt es im Roman Remarques kommentierend „Seine Macht ist ihm zu Kopf gestiegen.“ Als stereotyper linientreuer Soldat zeigt Himmelstoß sich unterwürfig und gehorsam gegenüber den höheren Rängen und auf der anderen Seite tritt er als tyrannisch-sadistischer Schleifer auf, der Paul und seinen Kameraden das Leben zur Hölle macht. Damit ist auch der Untertan nach Heinrich Mann charakterisiert.

„Nach oben buckeln, nach unten treten – das ist die Lebensdevise des Untertans“ – Heinrich Mann

Mit seinem Roman „Der Untertan“ setzt Heinrich Mann einen Meilenstein der Literaturgeschichte. Vom Elternhaus über die Schule bis hin zum Militär stellt er das autoritäre Erziehungssystem im Kaiserreich bloß. Das ist insofern wichtig, weil die Charakterisierung der Figur des Himmelstoß‘ diese Idee fortführt und noch weitere Einsichten ermöglicht, denn gleichzeitig ist er auch ein Exemplar des sog. „autoritären Charakters“, dessen Konzept wesentlich auf den Psychoanalytiker Erich Fromm und den Sozialphilosophen Max Horkheimer zurückgeht. Das Thema des autoritären Charakters hat bis heute nicht an Aktualität verloren und wird innerhalb der Psychologie als autoritäre Persönlichkeit im Rahmen der Autoritarismusforschung untersucht. Die autoritäre Persönlichkeit, als Sammlung von Eigenschaften und Verhalten einer Person, spielt eine bedeutende Rolle für die Entstehung von rechtsextremistischen Strömungen. Die Ursachen für die Prägung eines Menschen zu einer autoritären Persönlichkeit sind in einer autoritären bzw. antiautoritären Erziehung zu finden, eine Erkenntnis, welche durch die Führungs- und Erziehungsstilforschung von Kurt Lewin möglich wurde. Zurück aber zur Figur des Unteroffizier Himmelstoß.

Nach der Grundausbildung begegnen Paul und seine Kameraden – oder das was davon übrig ist – Unteroffizier Himmelstoß im Kampfeinsatz wieder, aber hier ist der einst stolze Unteroffizier Himmelstoß nur noch ein wimmerndes Häufchen Elend, das sich im Matsch des Schützengrabens verkrochen hat, wie die meisten anderen, was im Kontrast zu seinem seinen vorhergehenden heroischen Reden, aber auch seiner harten und tyrannischen Art als Ausbilder steht.

Unteroffizier Himmelstoß, der stolze tyrannische Ausbilder, kauert am Boden. © Universal Pictures
Wenn man ein wenig Literaturkritik am Original von Remarque üben darf, dann wäre es in dem folgenden Punkt, dass es im Roman ein wenig zu kurz kommt, mit welcher Respektlosigkeit Himmelstoß von Paul und seinen Kameraden in der Vergangenheit behandelt wurde. Das ist zwar keine Legitimation für seine Rache an ihnen, aber es zeigt welche Konsequenzen es hat, wenn schwache Menschen von der Gesellschaft an den Rand gedrängt werden. Global kann man heutzutage beobachten was abgehängte Menschen am Rande der Gesellschaft imstande sind zu tun. Wenn sie sich nicht extremistischen Strömungen anschließen, verüben sie terroristische Attentate oder begehen Amokläufe. Inwieweit diese Menschen selbst eine Verantwortung dafür tragen, wenn sie vom Rest der Gesellschaft abgehängt werden, darf nicht dazu führen, dass man sich selbst aus der Verantwortung entlässt, für deren Heilung und Teilhabe zu sorgen bzw. dass Menschen erst gar nicht abgehängt werden.

Vielleicht ist die Auslassung der Figur des Unteroffiziers Himmelstoß in der Neuverfilmung sogar die einzige Möglichkeit gewesen dramaturgisch pointierter zu agieren, fällt sie ja nicht völlig weg. Offenbar leben Teile der Figur offenbar in der neuen Figur des General Friedrichs fort. Der General residiert in einem geheizten herrschaftlichen Anwesen wie ein Fürst, fernab der Front, genießt allerlei erlesene Speisen der französischen Küche und braucht um sein Leben nicht zu fürchten, eine weitere Antithetik zu den im Matsch und Blut verreckenden Frontsoldaten. Nun war Himmelstoß der Repräsentant des kleinen Mannes aus dem Volk, während Generäle in der Regel, in der historischen Tradition der Monarchie, aus höherstehenden adeligen Familien kamen. Friedrich trägt keinen adeligen Namen, weshalb man bei ihm von einem Emporkömmling aus der Bürgerschaft ausgehen kann. Damit erfüllt er wohl denselben Zweck des Aufsteigers, doch das ist eben nicht so deutlich sichtbar wie bei dem Postboten, der zum Unteroffizier wird. Bei General Friedrich gibt es also nur eine abgeleitete vermutete Biografie, aber als Ersatz hat er, neben einem ähnlichen wilhelminischen Aussehen, auch die gleiche Charakteristik wie Himmelstoß.

Nicht nur die Synopse der beiden Konterfeis ist verblüffend. Friedrich ist ebenso randständig und einsam wie Himmelstoß, denn er hat keine Freude, Vertrauten oder keine Familie, er ist mit der Armee verheiratet. Zugleich ist er, der heroische Reden schwingende Patriot mit preußisch-wilhelminischer Tugend, durch und durch genauso ein Tyrann wie Himmelstoß, bereit andere in den Tod zu schicken, vom unbedingten Siegeswillen getrieben, aber mit großer eigener Distanz zur Schlacht. So entspricht die Figur des Generals, auch wenn sie weder Teil des literarischen Werkes, noch der ursprünglichen Verfilmung ist, doch dem Gedanken Remarques, dass diejenigen am meisten für den Krieg seien, die die größte Entfernung zu ihm haben würden.

Doch General Friedrich leistet noch viel mehr als die Figur des Himmelstoß, steht er außerdem symbolisch für jene Teile der obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches, die fern der Schlachtfelder agiert und nicht realisieren wollten, dass der Krieg nicht mehr gewonnen werden kann. Scheinbar nur durch das Machtwort Hindenburgs kam es zur Annahme der Bedingungen für einen Waffenstillstand, die einem Diktat glichen. Trotz Aushandlung des Waffenstillstands zum 11. November 1918 um 11 Uhr, belebt der fiktive General Friedrich die Kämpfe an der Westfront wieder, um noch einmal Territorium zu gewinnen. Das ist historisch nicht belegbar, lassen sich dafür keine unmittelbaren Beweise finden. Diese unhistorische Hinzufügung mag eventuell einzig dramaturgischen Zwecken gedient haben oder es war die Absicht der Drehbuchautoren diese Verdichtung der Geschehnisse herbeizuführen um einen Bezug zur „Dolchstoß-Legende“ herzustellen. Von Seiten der Obersten Heeresleitung wähnte man sich „als im Felde unbesiegt“. Infolgedessen lehnte man eine Kapitulation ab, die durch die Politik vermittelt worden war, insbesondere von den Sozialdemokraten. Man bezeichnete den Vorgang als Dolchstoß, welcher hinterrücks an den deutschen Soldaten verübt worden war, einen Verrat am deutschen Volk und an der Armee. Dies begründete die Entstehung der berühmten „Dolchstoß-Legende“.

Im Gegensatz zum Roman und den beiden Vorgängerverfilmungen thematisiert die Neuverfilmung durch die Ergänzung dieser Figur des Generals also dankenswerter Weise auch die politischen Entscheidungen, mit dem Fokus auf die Haltung von Teilen der obersten Heeresleitung und fügt somit historische Einsichten mit ein, die Remarque damals noch nicht gehabt haben kann, weil die Konsequenzen des Versailler Vertrags erst nach dem Aufstieg Hitlers und des Dritten Reichs gesehen werden und einer historische Reflexion unterzogen werden können. Puristen beklagen, dass die politische Parallel-Erzählung, um die Verhandlungen des Waffenstillstands und die Dolchstoß-Legende, eine Beifügung darstellte, die in dem Roman nicht existiere. Man kann jedoch davon ausgehen, dass dies auch im Sinne Remarques ist, denn relativiert er Jahrzehnte später, nach dem Zweiten Weltkrieg, angesprochen auf das Fehlen des expliziten Pazifismus-Bekenntnis, seine früher Aussage, dass man doch annehmen müsse, dass jeder Mensch gegen den Krieg sei, folgendermaßen:

„Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg, bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind, besonders die, die nicht hingehen müssen.“

Der erste Teil der Aussage repräsentiert die jugendliche Naivität Remarques, denn es scheint für ihn klar, dass Krieg per se moralisch verwerflich ist und man Menschen darüber nicht aufklären müsse, aber der historische Revanchismus hat Deutschland bzw. Frankreich immer wieder Legitimationen geliefert. Aber immer war das Vom-Zaun-brechen der Kriege eine Entscheidung von Schreibtisch-Tätern, kühle Strategen am runden Tisch, angetrieben vom Ehrgeiz der Monarchen, welche um ihr Leben selten fürchten mussten. So ist der Erste Weltkrieg nicht etwa der erste Krieg in Europa mit bedauernswert vielen Todesopfern, sind durch den 30-jährigen Krieg, in der Relation zur Bevölkerungszahl, mehr Menschen gestorben, und der Erste Weltkrieg war auch nicht der letzte Krieg.

Der Erste Weltkrieg hat aus der Sicht der Kontrahenten Deutschland und Frankreich eine tausendjährige Tradition schaut man sich nicht nur die Konflikte zwischen den beiden territorialen Nationalstaaten an. Der letzte Krieg vor dem Ersten Weltkrieg war der Deutsch-Französische Krieg, bei welchem Deutschland Frankreich gedemütigt hatte, indem es das Deutsche Reich ausgerechnet im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles ausrief. Das war die Revanche für die Niederlage Preußens gegen Napoleon, welcher große Teile des heutigen Westdeutschlands Jahre lang besetzt hielt, Kultur, Recht und Gesetz nachhaltig beeinflusste. Sicher könnte man noch weiter zurück gehen, aber die lange Geschichte führt sicher zurück bis in das Frühmittelalter und zu verfeindeten germanischen Stämmen. Der Erste Weltkrieg trägt also einen Namen, welcher erst einmal aus historischer Sicht einen namentlichen Mythos kreiert, doch ist dieser Krieg tatsächlich auch eine Zäsur mit der Vergangenheit, die das Antlitz des Krieges für immer veränderte. Der Erste Weltkrieg ist der Krieg, bei welchem der Mann-gegen-Mann-Ethos, also das Verständnis eines ehrenhaften, fairen und heldenhaften Kampfes zwischen zwei Menschen endgültig obsolet wird, denn von nun an ist es ein Kampf von Mensch gegen Maschine. Dazu gehörte das Maschinengewehr, das in einer Minute 500 Projektile abfeuerte und moderne Artillerie, die ihre pfeifenden Geschosse alle 10 Sekunden abfeuern konnte, genauso wie Panzer, die sich um Schützengräben nicht sonderlich kümmerten. Auch kamen zum ersten Mal Flammenwerfer, sowie chemische Waffen wie Gas zum Einsatz, deren Verwendung man 1925 in den Genfer Konventionen schließlich ächtete und verboten hat. Dieser erste moderne Krieg forderte 17 Millionen Todesopfer und konnte nur durch die Kapitulation Deutschlands und der Unterzeichnung des Knebel-Waffenstillstandsvertrags, in einem Bahnwaggon bei Compiègne, beendet werden.

Der nach den Konditionen des Waffenstillstandes ausgehandelte Versailler Vertrag wurde von den meisten Deutschen als demütigendes Diktat empfunden, denn die Reparationen hätte man in 1000 Jahren nicht leisten können. Er wurde de facto mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in der Rückschau als Fehler angesehen, führte er zu einem Ungleichgewicht der Hegemonial-Mächte in Europa und fütterte den historisch gewachsenen Revanchismus, statt eine Balance zwischen den Mächten herzustellen. Die Nazis, in ihrem Rachegedanken und dem Willen zur Weltherrschaft, bedienten sich an der Dolchstoß-Legende, wie auch den unrühmlichen Versailler Vertrag, um das Deutsche Volk erneut aufzuhetzen. Die Nazis gelangten eben nicht durch die Dokumentation des sinnlosen Grauens zu dieser pazifistischen Erkenntnis, weshalb Friedrich Schillers Einsicht

„Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ - Friedrich Schiller, Wilhelm Tell

zur bitteren Gewissheit wird, denn macht sich die ganze Welt auf in den Krieg, um das Dritte Reich zu stoppen. Der Pazifismus weicht der Realität, weil ohne Widerstand Freiheit und Leben bedroht sind.

Die Zeitlosigkeit des Werkes spiegelt sich in seiner pazifistischen Hypothese auch wieder im aktuellen Zeitgeschehen, wobei man an der Schwelle zu einem Dritten Weltkrieg steht. Dieses Mal sind die Deutschen nicht die Aggressoren und stehen zusammen mit der Weltgemeinschaft vor der Entscheidung, vor welcher die Alliierten im Zweiten Weltkrieg standen, nämlich ob man dabei zusieht wie ein Land mitten in Europa ein anderes Land mit Panzer-, Artillerie- und Bombenterror überfällt und dabei zivile Opfer ins Visier nimmt. Im Gegensatz zu vielen Scharmützeln, Kriegen- und Stellvertreterkriegen nach dem Zweiten Weltkrieg ist heute wieder eindeutig wer der Aggressor ist.

Da stellt sich automatisch die Frage, ob ein Verteidigungskrieg ein gerechter Krieg ist oder Pazifismus generell bis zur Selbstaufgabe gehen muss?

Erich Maria Remarque hat diese Frage nie gestellt, denn in seinem Werk geht es um einen Krieg, bei welchem nicht klar ist, wer das moralische Recht auf seiner Seite hat bzw. wer der Aggressor ist. Alle an diesem Krieg beteiligten Nationen wollten diesen Krieg, so dass es wohl einen Initiator geben mag, er aber nur auch ein Glied in der multikausalen Verkettung von Umständen darstellt. So zielt die Einsicht eines Teilnehmers des Krieges, in vorderster Linie, wie die Perspektive von Erich Maria Remarque, darauf ab, die Traumata des Krieges und seine Folgen für die direkten Beteiligten offenzulegen, was gleich schon im Einband des Buches zu lesen ist:

„Dieses Buch soll weder eine Anklage noch ein Bekenntnis sein. Es soll nur den Versuch machen, über eine Generation zu berichten, die vom Kriege zerstört wurde – auch wenn sie seinen Granaten entkam.“ – Erich Maria Remarque

Zur „verlorenen Generation“, also den wenigen Überlebenden und Traumatisierten des Ersten Weltkriegs, zählt auch der Sohn des Osnabrücker Buchbinders Peter Franz Remarque, mit deutsch-französischen Eltern (Remarque/Bäumer), welcher mit Notabitur 1917 als Soldat an die Westfront eingezogen wurde: Erich Maria Remarque. Kaum ein paar Wochen an der Front, wurde er mit Granatsplitter in Beinen und Armen, sowie einem Halsschuss verwundet. Nach über einem Jahr Aufenthalt in Armee-Hospital in Duisburg wurde er, als wären die ersten Verwundungen nicht genug der Strapazen gewesen, im Oktober 1918 wieder an die Front geschickt, also einen Monat vor Kriegsende. Nicht nur diese verstörenden Ereignisse und Erlebnisse sind Teil seines semibiografischen Anti-Kriegsromans „Im Westen nichts neues“ geworden. In der Ich-Form erzählt, aber mit Kommentaren eines auktorialen Erzählers, tritt der fiktive Protagonist Paul Bäumer, aufgeputscht durch Lehrer, Eltern und die Massen freiwillig (im Gegensatz zu Remarque selbst) in den Kriegsdienst ein und erlebt die Hölle auf Erden. Die Schilderungen der Erlebnisse sind nicht nur grausam authentisch, sondern sie sind realistisch. Es ist zu vermuten, dass Remarque nicht der Literaturepoche der „Neuen Sachlichkeit“ und des wiederkehrenden „Realismus“ entsprechen wollte, sondern war er Kind seiner Zeit, die allgemein vom Trauma des Ersten Weltkriegs geprägt war. Er schrieb eher frei, unverhüllt und unverklärt einen Bericht des Grauens in Romanform, welcher gedruckt 1929 erschien und 1930 verfilmt wurde. Es mutet sonderbar an, wenn am Vorabend des Zweiten Weltkrieges sowohl ein Anti-Kriegsroman als auch ein Anti-Kriegsfilm erscheinen, welche in erschütternder Weise die Hölle auf Erde schildern. Müsste man doch nach Ansicht eine Anti-Kriegswerkes bzw. müsste ein Werk der Weltliteratur, das Millionen Menschen auf der ganzen Welt zugänglich geworden ist und welches den Krieg allgemein reflektiert, nicht bewirken, dass viele Menschen zu einer pazifistischen Erkenntnis gelangen. Nur 20 Jahre später, also etwa eine Generation nach der „verlorenen Generation“, war der sinnlose Tod der Soldaten des Ersten Weltkriegs bereits verdrängt worden und es kam erneut zum Schlachten.

Wie gerne hätte ich meinen 2006 verstorbenen Großvater heute gefragt, wie er den Ersten Weltkrieg als Jugendlicher im Dritten Reich betrachtet hat und ob er von „Im Westen nichts neues“ wusste und wie er dazu steht. Er hat mir viele Kriegsgeschichten erzählt, auch dass er darunter litt, dass er im Dritten Reich als Jugendlicher verblendet wurde und Kriegsheld werden wollte. Die Kameradschaft in Hitlerjugend und Armee hat ihm gefallen, diese hat er auch beibehalten als Werl, als er mit anderen zusammen einen Landesverband für katholische Pfadfinder gründete. Er wollte, dass die Pfadfinder im Gegensatz zu seiner Verblendung, weltoffen gebildet werden und Versöhnung und Toleranz lernen, damit sie sich nicht für einen Krieg gewinnen lassen.

Die historische Erkenntnis vom Revanchismus zwischen Deutschland und Frankreich, der zu so vielen Kriegen geführt hat, muss heute und für die Zukunft fortwährend alle Verantwortungsträger lehren, dass man Konflikte nicht mehr so befriedet, dass der Verlierer gedemütigt wird. So ist vorhersehbar, dass wenn es einmal zu einem Waffenstillstand zwischen Russland und der Ukraine kommt, keine der beiden Seiten über das Maß hinaus zurechtgestutzt werden darf, denn es würde den wahren Konflikt nur einfrieren und nach einiger Zeit steht der Geschlagene wieder auf und es kommt erneut zum Schlachten. Die Lösung für den ehernen Konflikt zwischen Deutschland und Frankreich war die schmerzvolle Teilung für alle und die Einsicht, dass es keine wirklichen Gewinner gibt, wenn man nicht gemeinsam auf Versöhnung und Kooperation setzt.
Kino:
Anonymer User
2,0
Veröffentlicht am 8. November 2022
Die Unsetzung ist ganz gut, die Emotionen und die erdrückende Stimmung reißen einen schon mit.
Aber ich mag es nicht wenn die Filme nicht akkurat gestaltet sind.

Es spielt im ersten Weltkrieg und es wurde ein Wehrmachtsverschnitt drausgezaubert.

Ich finde hier hätte der Regisseur mehr darauf achten können.

Die Rede ist von Preußen und es heißt nur Deutschland.
Auch die Uniformen sind eher am 2ten als an dem 1st. Weltkrieg angelehnt.

Das finde ich sehr schade, da es abgesehen von den Kritikpunkten ein toller Film ist.
Daniel12343
Daniel12343

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1,5
Veröffentlicht am 7. November 2022
Dieser Film hat mich sehr geärgert. Nicht so sehr weil er bis auf den Titel und Namen der Charaktere nichts mit der Buchverlage gemein hat, sondern vielmehr weil er außer gut gemachten Special Effects nichts zu bieten hat. Das wird einerseits dem Hype um den Film nicht gerecht und kostet mich andererseits als Zuschauer am Ende über 2 Stunden Zeit.

Auf mich wirkte der Film wie eine Mischung aus Kriegsfilm-Survival-Action ala 1917 oder Dunkirk und einer etwas besseren Phoenix Doku über WW1.
War man in den beiden genannten Filmen nah am Hauptprotagonisten und konnte bis zum Ende ihrer Tour de force durch die Kriegswirren mit ihnen mitfiebern, so geht IWnN hier einen anderen Weg und versucht über eine Nebenhandlung zu den Waffenstillstandsverhandlungen in Compiègne einen Spannungsbogen zu etablieren um eine drohende Gefahr über den Hauptprotagonisten Paul heraufziehen zu lassen. Können sich die Parteien noch rechtzeitig einigen oder stirbt Paul schon davor? Gut gedacht, schlecht gemacht. Das Problem an der Idee ist der viel zu große Kontrast zwischen dem einen und dem anderen Handlungsstrang. Man wird immer wieder herausgerissen, kann keine richtige Empathie zu den Protagonisten aufbauen. Für eine feine Charakterzeichnung nimmt sich der Film dann auch keine Zeit. Am Anfang durchläuft Paul den Prozess vom eben noch kriegsbegeisterten Abiturienten hin zum desillusionierten Frontsoldaten innerhalb weniger Minuten. Fortan begleitet man ihn überwiegend im aufwändig inszenierten Schlachtengetümmel an der immergleichen Frontlinie, sieht ihm zu wie er mal hier im Matsch liegt, mal dort eine Handgranate in Richtung Feind wirft. Und da das Ganze physisch wie psychisch anstrengend ist darf auch mal schwer geatmet und geweint werden. Dann cut und Szenenwechsel in den Zugwagon und wieder zurück. Das wird dann halt schnell langweilig weil sich Szenen wiederholen. Einen Zugang zu Paul oder seinen Kameraden/Freunden verschafft mir das nur leider nicht. Keine Ahnung wer da wann gestorben ist und in welcher Beziehung er zu Paul stand. Die Figuren waren mir wegen ihrer eindimensionalen Darstellung schlicht egal und austauschbar.
Selbst der Tod Pauls hat mich am Ende kalt gelassen. Zudem war mir das Ende auch viel zu pathetisch als Heldengeschichte inszeniert. Ich dachte in einem Antikriegsfilm ginge es darum die Sinnlosigkeit des Krieges darzustellen. spoiler: Stattdessen stiftet Pauls heldenhafter Tod sogar eine Sinnhaftigkeit da er einem anderen deutschen Kindersoldaten durch seinen heroischen Einsatz das Leben rettet kurz bevor der Waffenstillstand die Kampfhandlungen zum Erliegen bringt. Puh, dann ist ja noch mal alles gut gegangen.


Ein weiterer Punkt der mir unangenehm aufgestoßen ist - und vielleicht habe ich das ja auch nur einfach falsch verstanden - ist das Hervorheben, dass es nun endlich eine deutsche Verfilmung des Romans gebe. Nur, was heißt das? Ergibt sich daraus ein Mehrwert? Wird damit irgendetwas korrigiert was zuvor falsch dargestellt wurde? In vielen Hollywood-Streifen ist man es ja gewohnt die Germans als tumbe Nazis zu sehen. Aber gilt das auch für den Roman IWnN oder den älteren Verfilmungen? Nicht wirklich.
Hier findet m.E. vielmehr eine Umkehrung bekannter Klischees statt. Nun sind es die deutschen Frontsoldaten die heroisch kämpfen und fallen, widerwillig den Feind umbringen und vom vielen Kämpfen erschöpft sind. Dagegen sind die Franzosen erbarmungslos, verstecken sich in gemeinen Panzern aus denen sie anonym die deutschen abknallen und sorgen mit Flammenwerfer für menschenverachtende (und nebenbei eher schlecht animierte) Todesszenen.
Im Zugwaggon in Compiègne menschelt der deutsche Verhandlungsführer und sorgt sich um das Leben aller Soldaten während die Franzosen unnachgiebig dem absehbaren Verlierer ihren Willen aufzwingen wollen, koste es was es wolle. Die Karikatur des deutschen Generals der zu einen letzten sinnlosen Angriff bläst hilft nur bedingt diesen Eindruck abzumildern.
spoiler: Und was sollte die Szene bei der Kat von dem aus dem Nichts aufgetauchten Bauernsohn kaltblütig erschossen wird?

Vielleicht irre ich mich, aber gefühlt war das alles schon hart am Rand der Propaganda.

Weitere Punkte bei denen ich so meine Probleme hatte:

* die Heavy Metal Einlagen im Score fand ich befremdlich, kann aber auch mit meinen altmodischen Hör- und Sehgewohnheiten zusammenhängen
* aufgrund der Vertonung, des Dialekts und der etwas nuscheligen Aussprache hatte ich insbesondere bei Albrecht Schuch Probleme das Gesagte akustisch zu verstehen
* monieren könnte man auch historische Ungenauigkeiten. So kurz vor der Unterzeichnung des Waffenstillstands gab es m.W. keine Verzweiflungsangriffe mehr. Schließlich war es sogar die oberste Heeresführung die aufgrund der aussichtslosen militärischen Lage die Beendigung der Kämpfe beim Kaiser einforderte. Der Wunsch der Admiralität mit einem letzten Auslaufen der Flotte eine Entscheidungsschlacht herbeizuführen mündete sogar in den Matrosenaufstand und der Novemberrevolution. Im Film wird es dagegen so dargestellt als ob die Soldaten auch am Ende noch bedingungslos ihrer Führung gehorchten. Etwas strange wirkte auch die Szenerie kurz nach Verkündung des Waffenstillstands. Eben noch hat man sich bis aufs Blut bekämpft und im nächsten Moment spaziert man einander vorbei als ob nichts gewesen wäre.

Einen Oscar wird es für so wenig Film wohl kaum geben.
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