Diesen Film darf man keineswegs mit Filmen von Quentin Tarrantino oder Guy Ritchie oder Robert Rodriguez vergleichen. Ganz im Gegenteil, "Violet & Daisy" ist so etwas wie der antipodische Gegenentwurf zu den zitierten Filmen. Regisseur Geoffrey Fletcher ist weit davon entfernt, die bekannten Genreklassiker kopieren oder imitieren zu wollen. Er entwirft seine beiden Figuren hier als total überdrehte Fusion aus kindlicher Naivität, berechnendem Sex Appeal und hipper Profikiller-Toughness, die mit Alexis Bledel und der wunderbaren Saoirse Ronan perfekt besetzt sind.
Wenn Daisy auf die Frage ihrer Zielperson, wer denn Nummer 1 sei, berichtet, den kenne niemand und dann mit voller Überzeugung erklärt, er habe drei Ninjas getötet - mit einer Nagelfeile (!!!), dann möchte man am liebsten mit ihr zusammen wieder an den Weihnachtsmann glauben. Es sind diese kleinen wunderbaren Szenen, die diesen Film hier zu einer witzig-absurden Genreperle, weit abseits von Tarantino & Co. werden lassen. Gleichzeitig sind die beiden aber so heftig abgefuckt, dass sie den vier Profikillern, denen sie so ganz nebenbei begegnen so spielend die Hosen runterziehen, dass es eine wahre Freude ist.
Freilich darf man hier nicht mit Logik oder Plausibilität oder gar Glaubwürdigkeit (minderjährige Profikillerinnen, ja klar!) daherkommen, da wird man unweigerlich im Wald landen. Statt dessen kann man sich einfach entspannt zurücklehnen und diesen beiden wilden Hühnern dabei zuschauen, wie sie voller Genuss sowohl altbackene Männlichkeitsideale, bigotte Wertevorstellungen und sämtliche Profikillerklischees der letzten vier Dekaden mit geradezu wunderbarer Leichtigkeit dekonstruieren. Und wer dabei keinen Spaß hat, dem ist auch nicht mehr zu helfen.
Außerdem müssen wir nochmal über den wahrlich großartigen Cast sprechen. Vor allem Saoirse Ronan legt hier eine fantastische Performance hin, indem sie hier so wunderbar leicht zwischen der herzerwärmenden Naivität einer Neunjährigen und der Abgebrühtheit einer Dreißigjährigen quasi im Sekundentakt wechseln kann. Das ist schon ganz große Schauspielkunst von der damals erst 18-jährigen!! Ihre Partnerin Alexis Bledel ist von den beiden dann die deutlich Erwachsenere, die immer wieder Daisy von ihren kindlichen Höhenflügen einfängt und erdet. Schauspielerisch wirkt sie neben Saoirse Ronan naturgemäß relativ blass, füllt ihre Rolle aber dennoch sehr gut aus. Abgerundet wird der Cast dann schließlich durch den ebenfalls bekannt stoisch und unerschütterlich agierenden James Gandolfini, der dann am Ende doch das Herz am rechten Fleck hat.
Und wer dann denkt, die ganze Action läuft auf einen der großen blutigen Shootouts hinaus, wie es bei den ganzen (schlechten) Genre-Kollegen der Fall ist, der wird hier ein weiteres Mal eines bessere belehrt. Denn selbst am Ende hat Geoffrey Fletcher noch eine Überraschung im Ärmel und lenkt den Film dann nochmal in eine gänzlich andere Richtung. Das aber genauso stilsicher und ja, auch etwas melancholisch. Ein passender Abschluss, der uns dann doch noch irgendwie nachdenklich zurücklässt.
Tja, und wer jetzt immer noch nicht überzeugt ist, dem wird es auch egal sein, dass die beiden hier ihre Aufträge von niemand geringerem als B-Movie-Legende Danny Trejo himself bekommen!
FAZIT: Herrlich überdrehte Gangsterkomödie, die sich weitab vom Genre-Einerlei und ebenso weitab von den immer wieder fälschlicherweise zitierten Tarantino & Co-Filmen einreiht und dabei etwas völlig Neues und Eigenständiges etabliert. Saoirse Ronan hat uns schon vor einiger Zeit als fantastische Schauspielerin überzeugt, liefert aber hier nochmal ein absolut überzeugendes Argument dafür. Absoluter Geheimtipp!