Fazit vorweg: Neben "der Hobbit" einer der für mich am meisten überbewerteten Filme der letzten zwei Jahre. Der Film gleicht ironischerweise gewissermaßen selbst einer Bruchlandung. Nach einem grandiosen Start, hierbei meine ich nicht nur die wohl beste Flugabsturzszene aller Zeiten, sondern auch den kurzen Auftritt von John Goodman als exzentrischen Drogendealer lässt der Film in den darauffolgenden 1,5-2 Stunden so stark nach, dass man ihn getrost nach 30 Minuten ausschalten könnte. Der gute Start stellt dem Film dabei auch selbst ein Bein, denn dadurch wirkt der Rest einfach noch ein ganzes Stück schlechter, dabei hilft es auch nicht, das überaus knappe Drehbuch auf eine Spielzeit von 2,5 Stunden zu strecken, dafür gibt es schlichtweg nicht genug her, der Film wäre mit einer Spieldauer von 90 Minuten absolut ausgefüllt gewesen. Denn wer nach der Flugzeugszene einen spannenden politischen Thriller erwartet, in dem die Mühlen der Justiz anfangen, am Heldenimage des Piloten zu kratzen, oder ein interessantes Charakterdrama, wird qua völlig ausbleibender Charakterentwicklung enttäuscht, denn Denzel Washington muss über 90% der Spielzeit ein jämmerliches Würmchen spielen. Wer hier von "grandioser Spannung" spricht, findet es vermutlich auch spannend, beim Friseur die auf dem Boden liegenden Haare zu zählen.
Washington kann hier beileibe nur das Beste aus seiner Rolle machen, und muss absolut dümmliche Dialoge führen. Besonderer Facepalm-Moment hier ein Ausschnitt des Dialoges mit seinem Ko-Piloten im Krankenhaus:
Ken: "Der Absturz war vorherbestimmt. Ich habe gebetet, Captain. Vicky und ich haben beide gebetet. Es gibt nur einen Richter Sir!"
Seine Freundin: "GELOBT SEI JESUS!"
Ken: "Dieses Ereignis, trotz des tragischen Verlustes einiger Menschenleben, ist auch eine Feier des Lebens! Nichts geschieht im Reich des Herren zufällig Sir.
Seine Freundin: "GELOBT SEI JESUS!!!!11"
Einfach nur wow. Mir geht es gar nicht mal so sehr um diesen Jesus-Hype, sondern von der Enttäuschung, denn vom Ko-Piloten, der ja immerhin live beim Absturz dabei war, hatte ich mir irgendwie ein etwas klügeres Statement erhofft. Stattdessen dann das.
Auch John Goodman bleibt für gute zwei Stunden spurlos verschwunden, bis er kurz vor Schluss noch mal einen kurzen Auftritt hat. Klar, jeder mag John Goodman, es kann nie schaden, ihm eine Nebenrolle zu geben, aber seine Rolle bleibt leider komplett überflüssig (zumal sich der letzte Auftritt vom ersten in absolut NICHTS unterscheidet). Ich kann einfach nicht fassen, wie angesichts eines derart grauenhaften Drehbuches, einer derart stümperhaften Charakterzeichnung, derart dümmlicher Dialoge und einer derartigen Überlänge, der der Film in absolut keiner Weise gerecht werden kann, solche Lobeshymnen der Presse veröffentlicht werden können, ja, so ein Drehbuch überhaupt von irgendeinem Studio akzeptiert werden kann. Vermutlich waren da selbst Drogen im Spiel ;). 2,5 Sterne, aber nur wegen dem starken Anfang, sonst wären es 1,5.