Die Marvel Studios überschwemmen uns seit Jahren mit einer Super Helden Verfilmung nach der anderen. Da sind dann mitunter ganz gelungene Werke wie "The Avengers" oder richtig gute wie "Iron Man3" dabei, jedoch auch einige schwache Filme wie "Thor" oder dem ziemlich missratenen "Captain America". Mit der Comic Verfilmung "Guardians of the Galaxy" geht Marvel nun ein kalkuliertes Risiko, den mal ehrlich, so bekannt sind die Hüter nun auch nicht. Und auch die Vorstellung, das ein Waschbär, ein Baum, eine grüne Frau, ein Draufgänger und ein Muskelprotz eine intergalaktische Super Helden Truppe stellen sollen, klingt erst einmal ziemlich absurd. Doch ausgerechnet diese "Außenseiter", der Abschaum der Galaxys, machen den Streifen zur bisher besten Adaption eines Marvel Comics (Trotz des meisterhaften "Spiderman2", und mit der brillanten Regie von James Gunn ("Slither") schrammt die Space Oper sogar knapp am Meisterwerk vorbei....
Bereits die ersten 10 Minuten zeige in welche Richtung es gehe soll. Ist die Eröffnungszequenz noch recht emotional (die Mutter von Star Lord stirbt und er wird von einem Raumschiff ins Weltall entführt), kommt gleich danach eine absurd geniale Szene, in der ein nun Erwachsener Star Lord in ein Höhlenlabyrinth eindringt und dabei zur 70er Jahre Musik seines Walkmans tanzt. Dieser Wechsel aus Emotion und Humor zieht sich durch die ganzen 120 Min und erzeugt viel Tiefgang und Mitgefühl für die Charaktere, teilweise kommt man aber auch aus dem Lachen nicht mehr heraus, ein guter Gag jagt den nächsten.Den treffen die fünf Guardians, die unterschiedlicher kaum sein könnten erst einmal aufeinander, ist das Vergnügen kaum noch zu bändigen. Das liegt hauptsächlich an der guten Figuren Zeichnung. Ein Waschbär (Rocket) der redet und wild um sich schießt, und ein Baum der nicht mehr wie einen Satz sagen kann ("Ich bin Groot"), ohne emotionale Tiefe wären diese Figuren beim Publikum schnell langweilig oder gar kitschig geworden. Die grüne "Hure" Gamora wird von Zoey Zaldana ("Avatar") als kämpferische Amazone gespielt, die schnell weis auf welche Seite sie sich stellen muss, auch sie hat zwar eine große Klappe ("Ich werde sterben umgeben von den Deppen der Galaxys"), beweist jedoch oft das ihr die anderen eben nicht egal sind. Dave Pautista ("Riddick") haucht seinem "Zerstörer" trotz der Muskelkraft einen weichen Kern ein, der nur seine Familie rächen will. Den Löwenanteil hat allerdings Chris Pratt ("Her") zu stemmen, er spielt seinen Star Lord als Großmäuligen Überflieger, der gezeichnet von der eigenen Vergangenheit erkennt, das es noch was wichtigeres gibt als sein eigenes Ego und er sogar bereit ist sein Lebe für das seiner Freunde zu opfern ( Was eine sehr schöne, emotionale Szene zeigt als er Gamora vor dem sicheren Tod rettet). Ohne diese starken Figuren wäre es schwierig geworden, auch die böse Seite ist durchweg grandios besetzt. Lee Pace ("Smaugs Einöde") spielt den Haupt Antagonisten Ronan, kaum unter seiner Maske zu erkennen sehr bedrohlich, ein besserer Bösewicht könnte selbst ein Sith Lord nicht sein. Djimon Hounsou ("Blood Diamond") als Korat und Michael Rooker ("Jumper") als Yondo machen ihre Sache auch mehr als ordentlich. Hinzu kommen einige kleinere Rollen wie die der großartigen Glenn Close ("Air force one") und eines klasse John C. Reilly ("Der Diktator"). In der deutschen Synchro ist leider die Original Stimme von Vin Diesel ("Triple X") als Groot und Bradley Cooper ("Silver Linnings") als Rocket nicht zu hören, jedoch ordentlich gelöst und damit verschmerzbar.
Die Optik und die Schauwerte sind große klasse. Selten habe ich bisher ein so gutes 3D mit soviel Tiefe gesehen. Die Weltraum Szenen sind bunt und brachial und auch die anderen Sets könnten besser kaum inszeniert sein. James Gunn zimmert uns aber nicht nur geniale Bilder auf die Leinwand, er schafft etwas viel schwierigeres. Er erzählt eine interessante Story, die nicht zu langgezogen ist sondern immer auf ein Ziel hinarbeitet. Hierbei lässt er seine Charaktere Entwicklungen nehmen die für das Publikum nachvollziehbar sind und haucht ihnen damit Leben ein. Auch die Einfälle, wie dem beste Gefängnisausbruch in der Filmgeschichte oder permanent 70er Jahre Musik laufen zu lassen heben den Film von vielen anderen deutlich ab.Zweifelsohne gibt es auch hier hin und wieder ein paar kleinere Schwächen, doch fällt es mir gerade richtig schwer, viele aufzuzählen. Vielleicht ist der Film doch ein klein wenig zu kurz geraten, um allen Figuren ausreichend Leinwand Zeit zu geben. Gerade der von Benicio del Tor ("Sin City") genial gespielte Collector kommt doch recht kurz daher, nach dem Marvel üblichen Abspann deutet sich jedoch bereits eine größere Rolle für ihn an.
Zeitweise hat man hier das Gefühl, "Star Wars" trifft ein wenig auf "Star Trek", nur irgendwie besser.Tolle Weltraum Schlachten, interessante und gut gezeichnete Figuren, mega geile Kulissen und ein Fun Faktor, der trotz der einen oder andere traurigen oder etwas kitschigen Szene die ganze Zeit auf einem hohen Level gehalten wird schrauben die Erwartungen an kommende Marvel Filme deutlich nach oben, gerade aber an ähnliche Genre Verfilmungen wie dem neuen Star Wars Film.
Die Hüter der Galaxy sind ein verschrobener Haufen an Verlierer, und genau das macht sie so besonders und einzigartig.In kaum einem anderen Movie habe ich so mit dem Figuren gelacht, mit gelitten und mitgefiebert. Das macht das Warten auf Teil 2 zur Qual.
Fazit: Der Newcomer James Gunn versteht was das Publikum will. Er nutzt die 170 Mio Budget und zimmert brachiale Weltraum Kulissen auf die Leinwand, hält gekonnt die Wage zwischen Action und Storytelling, mischt das ganze mit viel Emotionen und Gefühl und strapaziert das eine oder anderen mal gehörig unsere Lachmuskeln. Die bisher beste Comicverfilmung von Marvel!