Eine Gruppe von Verlieren gewinnt die Herzen der Fans!
2014 stand es um die Avengers nicht so rosig: Ja, der erste „Avengers“-Film war ein Mega-Hit und der zweite „Captain America“ deutlich besser als Teil 1, aber gerade die ersten beiden „Thor“-Filme und auch die beiden Fortsetzungen von „Iron Man“ konnten nicht so wirklich überzeugen. So langsam hatte das Superheldenformat von Marvel die ersten Abnutzungsspuren. Doch dann kam James Gunn mit seinem Beitrag: „Guardians of the Galaxy“. Gunn war vor Marvel für sehr brutale und zynisch, witzige Independent-Filme bekannt geworden („Slither“ und „Super“). Deswegen war er auch genau der richtige, um dem Superhelden-Verein frischen Wind unter den Rock zu blasen. Die Guardians wurden schnell zu den neuen Lieblingen der Marvel-Fans, was allein diesem Film zu verdanken ist. Er war bis dato einer der erfolgreichsten Filme des MCUs und der dritterfolgreichste Film des Jahres.
Damals liebte ich den ersten „Guardians of the Galaxy“-Teil, nicht zuletzt aufgrund des großartigen Soundtracks, den ich in mein Herz geschlossen habe. Doch aus heutiger Sicht, muss ich schon sagen, dass der Film alles andere als perfekt ist. Extrem unterhaltsam und charmant wird der verrückte Weltraum-Trip rund um Starlord aber auf lange Zeit bleiben. Und es ist nicht zu verleugnen: „Guardians of the Galaxy“ hat die Filmlandschaft mitgeprägt. Denn viele Konkurrenten, wie etwa DC, versuchten den Erfolg dieses Films zu kopieren, mit Ensemble-Streifen wie „Suicide Squad“. Doch den Guardians kann niemand das Wasser reichen.
Die Geschichte beginnt im Jahr 1988 mit dem kleinen Peter Quill, der nach dem Tod seiner Mutter von Außerirdischen entführt wird. Seit dem ist er als berüchtigter Dieb „Star Lord“ unterwegs. Eines Tages gerät ihm etwas in die Hand, das nicht nur von unschätzbarem Wert ist, sondern auch extrem gefährlich. Doch dieser tödliche Schatz lockt auch andere Interessenten an, wie etwa einen sprechenden Waschbär, einen riesigen, knuddeligen Baum, eine tödliche Assassine und einen großen Muskelprotz, der keine Metaphern versteht. Für manche ist dieser Haufen von kuriosen Charakteren nur eine Ansammlung von Idioten. Für andere sind sie die „Guardians of the Galaxy“…
Gunns Film ist mit Abstand der bis dato wildeste und ungezügelste Marvel-Film. Allein die bunte und eindrucksvolle Optik macht den ersten „Guardians“ sehr abwechslungsreich und unterhaltsam. Die CGI-Effekte sind größtenteils ebenfalls wirklich top und sehen auch heute noch, nach über zehn Jahren toll aus. Doch es ist auch der mittlerweile ikonische Humor des Films, der den intergalaktischen Fiebertraum so spaßig macht. Die Figuren sind nicht nur allesamt sehr charmant, sondern hauen extrem witzige Sprüche raus und alles ist deutlich derber als in den anderen MCU-Filmen. Und jeder hat seine eigenen kleinen Macken, die ihn oder sie so liebevoll wirken lassen. Peter hält sich selbst für den Obercoolsten, Rocket hat ganz klare Aggressionsprobleme, während Groot einfach nur dabei ist und nicht viel nachzudenken scheint. Drax ist dafür sehr emotional, versteht aber keine Mehrdeutigkeit. Und Gamora ist eine verstoßene Tochter des blutrünstigen Thanos. Und gerade diese Dynamik der fünf macht den Film so lustig und auch rührend an manchen Stellen.
Des Weiteren geht es hier in der großen Infinity-Saga endlich mal vorwärts. Nachdem „Thor 2“ und „Iron Man 2“ gefühlt nur Zeitverschwendung waren und wie langatmige Filler-Episoden wirkten, etabliert der erste „Guardians“ den Oberbösewicht Thanos und die Infinity-Steine. Und nebenbei gibt es eine solide Story, die als Start für zwei weitere Weltraumabenteuer der Reihe dient.
Während die Protagonist*innen sehr charmant und liebevoll daherkommen, ist der Antagonist Ronan leider einer der langweiligsten Bösewichte der Reihe. Nahezu alle Szene mit ihm sind sehr zäh und wirken wie aus einem anderen Film. Ronan ist der austauschbare Fiesling, der auch von Thor hätte besiegt werden können. Ebenso die fiese Schwester von Gamora, Nebula: Sie ist ein wandelndes Lexikon der Bösewicht-Klischees und nervt nur.
Kommen wir zum Cast, denn der ist wirklich ein Fest: Chris Pratt wurde über Nacht zum Megastar durch seine wundervolle Mischung aus Selbstverliebtheit und Gutherzigkeit. Auch Dave Bautista, der aus dem Wrestling-Business kommt, hatte hier seinen Durchbruch und überzeugt mit einem wundervollen Drax, der schnell zum Publikumsliebling wurde. Und Bradley Cooper als Rocket ist der knuffige, aber auch verrückte Rocket, der von allen Guardians sicherlich der Wahnsinnigste ist. Daneben gibt es viele kleine, große Gastauftritte von Glenn Close, John C. Reilly, Benicio Del Toro und Josh Brolin als Thanos.
Zum Schluss sei noch der wundervolle Soundtrack erwähnt: Die grandiose Song-Compilation aus den Hits der 70er trägt den Film nicht nur wunderbar, sondern hat auch eine Story-bezogene Relevanz, da Peters Mixtape („Awesome Mix“) die Erinnerung an seine Mutter darstellt. Und kaum eine Song-Zusammenstellung hat mich so mitgerissen, wie diese hier. Vol. 1 der Awesome Mix-Soundtracks bedeutet mir auch heute noch viel und ich habe durch diese Auswahl so wundervolle Songs kennen gelernt. Allein der Opener mit „Come and Get Our Love“ ist legendär!
Aber auch der Score von Tyler Bates macht Spaß, besonders das heroische Guardians-Theme liebe ich!
Fazit: Der erste „Guradians of the Galaxy“-Film ist nicht immer perfekt und rund, besonders die schwachen Bösewichte nehmen dem Film viel Potential. Dafür aber unterhalten die Helden der Geschichte. Und es ist nicht verwunderlich, warum so viele Fans die Guardians bis heute in ihr Herz geschlossen haben. Denn diese Truppe von Verlieren haben all unsere Herzen gewonnen!