Dass der Film sich nur sehr grob am Buch orientiert, soll nicht der Grund für die schlechte Bewertung sein. Dies zu bemerken war dennoch bitter enttäuschend, da es ja nun mal als Verfilmung des gleichnamigen Romans dargestellt wird. Ausgangspunkt könnte eine Zusammenfassung des Romans in drei Sätzen gewesen sein. Der Rest wurde locker flockig frei dazu gedichtet bzw. weggelassen.
Wenn dann trotzdem ein toller Film zustande gekommen wäre, wär's ja fein. Ist es aber nicht.
Fangen wir mit dem Positiven an. Die meisten Darsteller, allen voran Tom Payne und Ben Kingsley, spielen ihre Rollen gewohnt solide bis stark,
die Stadt Isfahan ist beeindruckend
. Das war's dann aber schon.
Was stört: In den Film wurde unsinnigerweise eine Romanze gedichtet, die vollkommen fehl am Platze ist und vom Wesentlichen ablenkt. Man traut einem Film ohne ein umfassendes "Email für Dich"-Feeling wohl keinen Erfolg zu. Das Problem dabei ist, dass der Plot so mechanisch konstruiert ist, dass zu kaum einem Charakter eine emotionale Beziehung aufgebaut wird - da ist eine solche Liebesgeschichte natürlich doppelt störend. Das Ergebnis ist aber auch, dass einen jegliches (potenzielles) Ableben bzw. Glück und Unglück vollkommen kalt lässt. Dies führt direkt zum nächsten Problem.
Der Film ist langatmig. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Hätte ich das Problem doch eher darin gesehen, die 1000++ Seiten zu kondensieren. Aber man scheint dem Zuschauer wohl keinen Inhalt zuzutrauen. Sehr schade. Und ohne emotionale Bindung kommt halt auch keine Spannung auf, insbesondere da der Film sich auch nie die Zeit nimmt, einen solchen -bogen aufzubauen
(als Beispiel sei wie schon in anderer Kritik erwähnt, die Aufnahme in die Schule genannt: "Ich will rein – nein, du kommst nicht rein – zack, doch drin – super, weiter geht's, nächster Punkt"). Spätestens ab dem Zeitpunkt, wo Rob Cole mit jeder Person zu jedem Zeitpunkt problemlos kommunizieren, und in jeder Sprache problemlos lesen kann bzw. sein Lernvorgang überhaupt nicht thematisiert wird, fühlt man sich als Zuschauer komplett für dumm verkauft.
Den krönende Abschluss bildet aber Abbinder: Zurück in England, der Bader steht vor leerem Publikum, wundert sich. Ein Junge klärt auf: "Es sind alle im Krankenhaus, wo jeder ein weiches Bett hat und Ihnen der Medicus auf der ... jeden Abend vorspielt" (Fast-O-Ton). Was soll das?? Der Abbinder mit "die sind alle im Krankenhaus, mit Kernspin und allem papapo, eingeflogen von der neuen Helikopter-Staffel" wäre nicht weniger lächerlich.
Meine Empfehlung: Lest den Medicus ein zweites oder drittes Mal oder auch einen von Gordons Nachfolgebücher, aber spart Euch diesen Film.