Der beste Film (den ich an diesem Tag zwischen 20:00 und 22:45 Uhr gesehen habe)!
Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere ist eine herbe Entäuschung. Doch vorab die leider wenigen positiven Punkte:
Herausragend umgesetzt war natürlich Smaug. Die Mimik des von Benedict Cumberbatch gespielten und gesprochenen Drachen war wieder einmal ebenso umwerfend, wie die deutsche Synchronisation der einfach nur beeindruckenden Stimme des Briten.
Ebenfalls hervorragend gefiel mir Martin Freeman mit seiner sehr eigenen Umsetzung des Charakters Bilbo. Für mich war er in allen drei Teilen ein eigenständiger Bilbo, der sich zwar an der Buchvorlage orientierte, jedoch auch eigene Charakterzüge mit einbrachte, die diesem Charakter Leben einhauchten.
Von Beginn des Films bis zum Ende habe ich ihm die Verkörperung des kleinen Auenländers in Gänze abgenommen.
Genauso gut hat mir in diesem Teil jedoch auch Richard Armitage gefallen. Seine wechselnde Darstellung des dem Drachenfieber verfallenen König unter dem Berge und dem Anführer der kleinen Gemeinde, die auszog, um ihr Zwergenerbe zu beanspruchen war beeindruckend. Der Brite beherrschte es hervorragend, alleine mit seiner Mimik vom Wahsinn zur Fürsorge zu wechseln - ein Wechselbad der Gefühle, welches ich ihm voll und ganz abgenommen habe
.
Leider hört es damit auch schon so ziemlich auf.
Der erste Schlag ins Gesicht waren wieder einmal die 4K- und HFR-Umsetzung. Gut - hier muss ich mir selbst die Schuld geben, schließlich hätte ich auch in eine andere Version der Vorstellung gehen können. Mein im Nachgang masochistisch anmmutender Selbstversuch, ob ich es nicht doch inzwischen akzeptieren könnte, zeigte mir innerhalb der ersten Sekunden ähnlich einer Icebucket-Challenge: Nein, ich kann es nicht akzeptieren, dass ein Fantasyfilm in hyperrealistisch scharfer Manier daherkommt und mir dadurch eher das Gefühl gibt, einer teuren Version von "Gute Zeiten - Schlechte Zeiten" beizuwohnen, als auch nur annähernd ein Kinofeeling aufkommen zu lassen.
Doch nun zum Objektiven im Filmgeschehen:
Es gab dermaßen viel negativ schockierendes, dass ich gar nicht auf alles eingehen kann.
Doch die Umsetzung der Schlacht der Fünf Heere, die tricktechnisch noch akzeptabel und teils mit beeindruckenden Effekten aufwartete, war weder episch, noch in ihrer Gesamtheit wirklich nachhaltig beeindruckend. Viele Szenen innerhalb der Schlacht wirkten dermaßen übertrieben, dass die Situationskomik (oder sollte ich lieber sagen "Situationschocks") die wenigen positiv zu nennenden Bereiche komplett in den Schatten des Vergessens verbannten.
Scheinbar mit übernatürlichen Kräften ausgestattete Zwerge, die so dermaßen wenig Interesse an den angreifenden Heerscharen von Orks entwickeln, wie ein Elefant an einem im Weg herumstehenden, trockenen Strauch, konzentrieren sich da verständlicherweise lieber auf gepflegte Kommunkation mit Artgenossen, als auf die dunklen Geschöpfe.
Eine Erklärung für den Umstand, dass ein Zwerg plötzlich groß genug ist, um angreifenden Orks (die kurz zuvor noch einem Elb in die Augen hätten blicken können) einen Kopfstoß zu verpassen fehlt mir bis heute ebenso, wie Verständnis dafür, dass er ohne Schrammen davon kommt, obwohl er wiederholt die scharfkantigen Metallhelme der lästigen Bösewichter rammt. (Jaja, gut! Zwerge sind enorm hart im Nehmen und es ist ein Fantasy-Film...).
Unter diese Begründung kann man dann aber auch packen, dass sich vier tapfere Zwerge auf plötzlich bereitstehende, gepanzerte Steinböcke schwingen, um ihrem fernen Ziel schneller näher kommen zu können. Oder es ist die mittelerdische "Instant-Steinbock-Variante", die jeder gute Zwerg immer in seiner Tasche haben sollte: "Tütschen auf, Wasser drüber, fertisch"?
Ebenso phänomenal ist die hoffentlich viel besungene Kraft der Zwerge (wie oben erwähnt übernatürlich...). Gut, dass Zwerge kräftig sind, geht aus jeder Literatur hervor. Dass Zwerge überragende Baumeister sind, ebenfalls. Aber dass ein einzelner Zwerg Steinbrocken heben kann, die geschätzt locker das Gewicht eines Kleinlasters haben dürften, ist selbst für mein Fantasygewohntes Gemüt ein klein wenig übertrieben.
Selbst Gimli, der zwei tote Orks und einen Warg stemmen kann, hätte sich hier noch ein paar Scheiben abschneiden können.
Schön zu sehen war die Tatsache, dass das weitere Schicksal sämtlicher 13 Zwerge ausnahmsweise mal gemäß der Buchvorlage umgesetzt wurde (DANKE! Mr. Jackson). Daran änderte auch die frei hinzugedichtete Liebesgeschichte zwischen Kili und der Elbin Tauriel nichts, die bis zum zweiten Teil von "Der Hobbit" so "überraschend anders" war, als die Liebesgeschichte zwischen Aragorn und Arwen. Wenigstens im dritten Teil hat Peter Jackson hier seine Fantasie im Rahmen der Buchvorlage bemüht und etwas passendes, eigenes kreiert, was nicht ganz so an den Herrn der Ringe erinnerte.
Ebenso lächerlich wie unbeholfen wirkten auch die Versuche, den für die Geschichte des Hobbits frei hinzugedichteten Legolas, erneut als unglaublich, phänomenal und atemberaubend artistisch veranlagten Elbenprinzen zu zeigen. Sowohl Schwerkraft als auch Logik werden kurzerhand außer Kraft gesetzt, die CGI bemüht und schon hat man einen Auftritt hingezaubert - der jedem Betrachter eigentlich Entsetzensschauer über den Rücken laufen lassen sollte, weil er dermaßen unglaubwürdig erscheint, dass man sogar eher geneigt ist zu glauben, jeder Zwerg habe einen Mittelerde-Instant-Steinbock für Notfälle in der Tasche.
Der Versuch, so viel Parallelen zum "Herrn der Ringe" wie nur eben möglich in den Hobbit zu pressen und zugleich aus einem kleinen Buch einen (nebenbei auch ganz unbeabsichtigt profitablen) cineastischen Dreiteiler zu zaubern, führte dann wohl auch zu der ganz besonderen Darstellung des Necromancer, der sich im zweiten Teil "überraschend" als Sauron entpuppte. Eine der Masken, die beim Aufeinandertreffen im dritten Teil des Hobbit Verwendung fanden und mit denen wohl ebenfalls eine Brücke zum "Herrn der Ringe" geschlagen werden sollte, hätte man jedoch getrost in einen Zombiefilm stecken können, so übertrieben wirkte sie. Die stroboskopartigen Lichtspiele, die für diese Auseinandersetzung verwendet wurden, erinnerten mich dabei eher an einen 70er Jahre Trash-Disco-Horror als an einen Fantasyfilm des Jahres 2014. Was natürlich nicht fehlen darf: Übernatürliche Körperkräfte... warum sollten denn auch nur die Zwerge damit gesegnet sein?
Ansonsten sind die Darsteller dermaßen damit beschäftigt worden, Brücken zum Herrn der Ringe zu schlagen, dass ihnen kein Raum mehr gegeben wurde, ihre Charaktere in ausreichender Tiefe darzustellen. Nur so lässt sich für mich erklären, dass bestimmte Schlüsselszenen nur dadurch ihre Dramaturgie erhielten, weil die Protagonisten die zu fühlende Stimmung in Worte fassten. Ein ehrliches Gefühl der Freude, des Schreckens oder Bedauerns wollte sich bei mir beim besten Willen nicht einstellen.
Peter Jackson hat wohl gesagt, dass es jetzt nach dem dritten Teil des Hobbit mit seiner Karriere nur noch bergab gehen kann, weil ein so großes Projekt nicht mehr möglich sei.
Meiner Meinung nach, ist er mit "Die Schlacht der Fünf Heere" am Tiefpunkt seiner Karriere bereits angekommen.
Mir bleibt dennoch, meinen Dank für die filmische Umsetzung zwei der besten Fantasy-Bücher auszusprechen, die ich je gelesen habe. Für den dritten Teil des Hobbit möchte ich mein Lob hingegen nur in Richtung der Schauspieler aussprechen, die die teils kruden Vorstellungen Peter Jacksons in gewohnt brillianter Manier umgesetzt haben.