„Fences“ ist eigentlich die Kinoadaption des gleichnamigen Theaterstücks, das zuvor sehr erfolgreich ebenfalls mit Denzel Washington und Viola Davis am Broadway gelaufen ist. Danei behält der Film das klassische Theater-Setting bei, wir haben nur sehr wenige Handlungsorte, im Wesentlichen spielt sich alles über Dialoge im Garten der Familie ab. Die Kamera ist dabei oft sehr statisch, die ganze Inszenierung ist etwas trocken. Das wird dem einen oder anderen vielleicht nicht gefallen, mich hat das Theaterfeeling aber sehr angesprochen, ich hatte auch mehr als einmal starke Reminiszenzen an Schlöndorffs „Tod eines Handlungsreisenden“.
Und da der Film sehr stark dialoggetrieben ist, kann man sich um so mehr auf das wirklich überragende Schauspiel der beiden Protagonisten konzentrieren. Denzel Washington spielt seinen Troy Maxson sehr differenziert und nuanciert, Troy ist kein Typ, den man sofort liebhaben kann, er hat ganz klare Vorstellungen vom Leben und von der Familie und er ist immer noch verbittert, dass er kein Profi-Baseball-Spieler geworden ist, was seiner Meinung nach allein daran gelegen hat, dass er schwarz ist. In seiner Welt gibt es keine anderen möglichen Sichtweisen und seine Verbitterung geht so weit, dass er um jeden Preis verhindern will, dass sein Sohn Profi-Footballspieler wird, selbst wenn ihm dadurch ein College-Studium ermöglicht werden würde. Es kommt immer wieder zu Konfrontationen zwischen ihm und seinem Sohn, die beiden steuern auf eine unvermeidliche Katastrophe zu.
Auch mit seiner Frau kommt es zum Zerwürfnis. Viola Davis ist hier die Idealbesetzung, ihre Rose ist das emotionale Herz der Familie, immer wieder versucht sie (erfolglos) zu vermitteln, sehr konträre Ansichten sorgen für immer größere Spannungen mit ihrem Ehemann, auch hier ist die Katastrophe unvermeidbar. Am Ende gibt es dann jedoch keine Katharsis, keine Erlösung, für keine der Figuren. Alle müssen sie mit den Konsequenzen ihres Handelns und mit den Erlebnissen fertig werden und zeigen dabei ganz unterschiedliche Verarbeitungsmechanismen.
FAZIT: Die literarische Vorlage ist von 1983, der Film fängt aber ganz fantastisch das Ambiente der USA in den 1950er Jahren ein. Denzel Washington inszeniert seinen Film streng arrangiert wie das Theaterstück, was bei Kinofans zu Irritationen führen kann, aber dennoch insgesamt hervorragend funktioniert. Die beiden Protagonisten liefern beide eine grandiose Schauspielleistung, es ist eine wahre Freude, Viola Davis und Denzel Washington zuzuschauen. Allein das ist schon das Anschauen des Films wert, zusätzlich bekommt man aber noch eine dramatische und am Ende auch sehr tragische Geschichte geboten. Sehenswert!