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Anonymer User
2,5
Veröffentlicht am 26. Dezember 2014
[…]Goldberg, Franco und Rogen verlassen sich ganz auf ihr gewohntes Humorterrain und so dürfen Sprüche über die Hotness von nordkoreanischen Uniformträgerinnen ebenso wenig fehlen, wie eine drogenverstärkte Partyrauschszene. Da ist „The Interview“ dann auch nicht anders, als die „Bad Neighbors“ oder „This Is the End“s, die für gewöhnlich das slackernde Rogen/Franco-Sujet abbilden. „Lord of the Rings“- und andere Popkulturreferenzen, mehr oder weniger gewitzte Wortspiele, reichlich gross out-Comedy mit gezwungener Anusverwahrung eines Raketenkopfs und lots and lots of Anspielungen auf Sexualpraktiken aus und in alle möglichen Richtungen… Genau der Boden, auf dem sich die Stonerclique heimisch fühlt und was aufzeigt, wie gering die Ambitionen waren, mit dem Setting wirklich komödiantisch herauszufordern, das Stilmittel der Humoristik zu nutzen, um mehr als die nächste Jointparty anzuheizen.[…]Mit dem Plan (also noch vor der Ausführung und der Begegnung) zum Interview mit Kim Jong-un und dem Eingriff der CIA wird „The Interview“ einer Idee von Satire gerechter, allerdings nicht auf Kosten des gelobten Führers: sein Spatzenfeuer auf Kanonen eröffnet der Film in Richtung der undurchdachten und folgenausblendenden Trotteligkeit im Präventivschlagversuch, der Geltungsbedürftigkeit eines weltpolizeilichen Fehlverständnisses in den Händen eines medienbewussten Gernegroß, USA all over his face. Die »Schneid den Kopf ab und der Körper wird umkippen«-Politik der US-Staatsdienste und zunehmend der Medienzirkus, für den Kim Jong-un mehr instrumentalisiert denn ausgestellt wird: ein verunsichertes, femininfühliges Kerlchen, das auf die Power Up-Ermutigungshymnen von Katy Perry, Margaritas und großer Junge-Statussymbole abfährt und in seinen Vorlieben für Partys, Pussys und Protz im Grunde selbst nur ein verkappter Kapitalist ist, der verfeindbildlichte Ami unter den Nordkoreanern, der sich von den Assoziationsbegriffen seines Papis zu emanzipieren versucht und dafür halt mal Nuklearsprengköpfe durch’s Land kutschen lässt. Und wo vieles davon bloß eine mediale Manipulationsmasche ist, um seinerseits den Trottel Skylark als Ideologiewerkzeug auszunutzen, zeigt „The Interview“, wie sehr Medien sich von Populärpropaganda und arrangierter Star Persona zu Fehlschlüssen und Trugbildern leiten und verleiten lassen und was für ein machtvolles Instrument dadurch nicht nur plattenverkaufsgeilen Skandalkünstlern, sondern halt auch Politikern und Gewaltsinhabern zur Verfügung steht. Dazu gibt es allerdings deutlich bessere und diskussionswürdigere Filme als „The Interview“, etwa Barry Levinsons pechschwarze Komödie „Wag the Dog“ und nordkoreaspizifisch ist man fraglos mit einer Doku oder selbst Stefan Göddes Galileo-Ausflug besser beraten, als mit Goldberg/Franco/Rogens rotziger Dreistigkeit, die sich selbst unzweifelhaft niederinstinktgesteuerten Bildnissen zur Bloßstellung von Feindbildern hingibt.[…]
"Populärkultur mit Tiefgang. Derb, phantastisch und selbstkritisch drückt sich The Interview dem Zuschauer auf und schenkt dem Hollywoodfilm beinahe vergessen Gegangenes. Der Film als Inbegriff des Mediums, das seine Macht zu lange hat schlafen lassen, erwacht und lässt Großes hoffen." ...