Die schwarzen Limousinen fahren los, ihr Tempo wird rasanter, bedrohlicher auch, ein Rachefeldzug in einem Bandenkrieg. Angekommen in einer abgelegenen Industriegegend macht der Fahrzeugkonvoi Halt, und der Beifahrer gesteht, dass er vorher nochmal gekifft habe, was die ganze Unternehmung fast zum Platzen bringt. Noch am Eingangstor einer Halle gibt es eine Schiesserei und als der Anführer sich gerade noch auf seinen Fahrersitz retten kann, trifft ihn eine Kugel durch die Autoscheibe.
Flashback zur Schulzeit in den 1980er Jahren. Clotaire (Malik Frikah) wartet mit seiner Gang vom Stadtrand jeden Morgen am Zaun auf den Schulbus, um den aussteigenden Gymnasiastinnen zotige Sprüche zuzurufen. Jackie (Mallory Wanecque) ist neu und will sich so etwas nicht gefallen lassen. Sie tritt auf Clotaire zu, um ihn zurechtzuweisen und da klickt es und sie ist von seiner plötzlichen Verlegenheit so eingenommen, dass sie selbst nun jeden Morgen Ausschau hält, ob die Gang dort wieder wartet.
In rasantem Tempo wie die Fahrt am Anfang entspinnt sich zwischen Jackie und Clotaire eine zarte Liebesgeschichte, die selbst ihre weit auseinanderliegenden Lebensverhältnisse überbrückt, bis die Umstände sie dann doch trennen. Clotaire wird in einen Mordfall verwickelt, unschuldig zum Opfer aufgebaut und muss für zehn Jahre ins Gefängnis. Jackie darf ihn nicht besuchen, besteht ihr Abitur nicht und hat keine rechte Freude mehr am Leben.
Sie endet (jetzt gespielt von Adèle Exarchopoulos) in einem Büro für Mietautos. Ein Job, auf den sie keine Lust hat, was sie auch jeden Tag zeigt, doch ihr Chef (Vincent Lacoste) ist von ihrer ablehnend-aufmüpfigen Art beeindruckt und bietet ihr ein neues Leben, gutbürgerlich und sorgenfrei in einem schönen Einfamilienhaus.
Wie es kommen musste, entdeckt der fürsorgliche Ehemann eines Tages, dass da noch jemand anderes war. Nach dem Verbüssen seiner Haft sucht Clotaire (jetzt: François Civil) Jackies Vater auf und erfährt von ihrer Heirat. Parallel trifft Jackie zufällig Clotaires Mutter, die ihr eine Mobilnummer ihres Sohnes gibt. Nach einem Streit mit ihrem Mann ruft Jackie in ihrer Verzweiflung dort an - und ihr Klingeln erreicht Clotaire, als er bereits auf ebenjenem Rachefeldzug ist, mit dem die Geschichte ihren Anfang nahm. Oder auch ihr Ende.
Das lässt der Film offen und fokussiert stattdessen auf die Liebe zwischen Jackie und Clotaire, die so schnell über die Bühne zu gehen scheint wie der Auftragsmord oder wie eine mögliche Liebesgeschichte, die, wenn die Welt eine andere wäre, glücklich enden könnte. Clotaire wäre, als sein Beifahrer sich für bekifft erklärte, aus der Limousine und aus dem ganzen Vorhaben ausgestiegen und hätte Jackie an jener Telefonzelle getroffen, von der aus sie ihn verzweifelt angerufen hatte. Auf dem regennassen Pflaster stünden sie sich gegenüber, hätten sich nach all den Jahren wiedererkannt und während ihre Wunden im Krankenhaus versorgt werden, liest er ihr seine Liste aus dem Gefängnis vor mit all den Worten aus einem Lexikon, bei welchen er an sie denken musste.
Nach einer Komödie über das Synchronschwimmen, "Becken voller Männer", legt Gilles Lellouche nun eine Liebesgeschichte vor. Sie basiert auf dem Roman „Jackie Loves Johnser OK?" von Neville Thompson und folgt in schnellen Kamerafahrten (Laurent Tangy) und kurzen Schnittfolgen (Simon Jacquet), unterlegt mit einem Soundtrack von The Cure, Prince und The Alan Parsons Project, dem unmittelbaren Bildablauf eines flashbacks, als ziehe das Leben noch einmal vorbei, atemlos, berührend und sehr sehenswert.