Ist die katholische Kirche eine allmächtige Institution von "Gottes Gnaden", die scheinbar unbefleckt durch ihre irdischen Vertreter nur gutes auf der Welt tut? Oder ist sie eher eine mit Mafia Ähnlichen Strukturen ausgestattete Verbrecher Organisation? Nun, jeder darf glauben woran er will. Doch treffender wie in einer Szene im Oscar Film "Spotlight" könnte dieser Frage gar nicht nachgegangen werden. "Selbst wenn die Anschuldigungen wahr sind, wer würde die Kirche schon verklagen? Sie wird gebraucht, weil sie den Menschen ein Gefühl von Sicherheit und Konstanz gib in einer unsicheren Welt". Solche Ansichten sind es, die dramatisch in dem Thriller dargestellt werden, und dem handeln der Gotteshäuser damit indirekt eine Absolution erteilen.
Spotlight ist der neue Film von Tom McCarthy, der bisher als Regisseur nur mit dem erbärmlich schwachen Adam Sandler Nonsens (Cubbler, der Schuhmagier) von sich Reden machte. Nun ein ernstes Thema, und wie ernst. Es geht um die Missbrauchs Fälle von Priestern der katholischen Kirche in Boston. Nach einem wahren Fall deckt ein Journalisten Team, das sich auf brisante und Medienwirksame Schlagzeilen fokussiert hat, und den Namen "Spotlight" trägt, nach und nach einen flächendeckenden Skandal auf. Dabei stoßen sie auf viel Widerstand, da die Menschen schier nicht glauben wollen, das ihre Glaubensgemeinschaft und die höchsten Würdenträger der Stadt davon wussten oder gar involviert waren. So viel zur Plot Ausgangslage. Wer jetzt einen Action Thriller mit wilden Verfolgungsjagden erwartet wird ebenso enttäuscht sein wie diejenigen die einen innovativen und abwechslungsreichen Mainstream Film sehen wollen. Beides ist Spotlight definitiv nicht. Er kratzt zwar am Image und an der Wichtigkeit der Kirche, ohne diese jedoch in Frage zu stellen oder gar komplett zu überwerfen. Auch sind plakative und Aufsehen Erregende Szenen in denen Gewalt oder Missbrauch zu sehen ist nicht Ziel dieses Thrillers. Es geht eher um die Journalistische Arbeit und um die Motive der Personen.
Daher spielt der Film meist in Redaktions-Räumen oder in den spärlichen Apartments der Spotlight Crew. Dessen Privat Leben wird zwar angerissen und jeder von ihnen bekommt dafür eine gewisse Screen Time, der Fokus liegt aber klar in Notizen von Gesprächen mit den Opfern, und der sich langsam ausbreitenden Tragweite der Ereignisse. Ohne schnelle Schnitte oder große Kamerafahrten sind diese fast schon im dokumentarischen Stil. Die Spannung ergibt sich aus dem stetigen Fluß an neuen schrecklichen Informationen und dem wie damit umgegangen wird. Schauspielerisch muss den Figuren natürlich eine glaubhafte und reale Verhaltensweise entgegen gebracht werden, und hier liegt auch der größte Plus Punkt. Alle spielen beeindruckend zurückhaltend und dennoch mit so einer Hingabe für ihren Beruf und ihrer wichtigen Detektiv Arbeit. Michael Keaton ist der Kopf von Spotlight, der Chef Redakteur der hier wieder einmal mit feinen Nuancen charakterlich glaubhaft versucht der großen Verantwortung her zu werden und dabei selbst zugeben muss, ein ums andere mal nicht wirklich genau hingeschaut zu haben. Rachel McAdams unterstützt mit ihrem fokussierten Spiel die Wichtigkeit der Ereignisse, indem sie teilweise schreibt während sie sich unterhält und ihre Augen dabei nur skizzenhaft den Block fokussieren. So nimmt man ihr zu jeder Sekunde die findige und schlagfertige Reporterin ab. Liev Schreiber als neuer Verleger bringt die ganze Handlung erst ins Rollen, mit Brille, Bart und Haaren bis über die Ohren nuschelt er die meiste Zeit seine Dialoge vor sich hin, und scheint kein Privatleben zu haben und nur für die Zeitung zu leben. Stanley Tucci ist wie immer ein solider Bestandteil einer an sich schon großartigen Besetzung, die von Charakter Darstellern wie James Woods oder John Slattery noch abgerundet wird. Der eigentliche Star ist für mich aber ganz klar Mark Ruffalo, der die Nominierung für den Academy Award nicht nur verdient hat, sondern ihn auch endlich mal gewinnen müsste.(Was ihm leider nicht gelang). Er ist nie schlecht in keinem seiner Filme, doch hier zeigt er als impulsiver Kopf des Teams sein ganzes Repartiere.
Spotlight gewann den Drehbuch Oscar und wurde auch bester Film. Für mich persönlich eine Entscheidung die in Ordnung geht, da hier ein ernstes Thema in eine seriöse und spannende Story verpackt wurde mit tollen Charakteren. Ein Meisterwerk ist Spotlight für mich jedoch nicht. Viele Hintergründe werden nur angerissen, der Spannungsbogen geht erst zum Ende hin richtig nach oben, und oftmals ist es ermüdend wieder nur in einem Redaktions-Raum zu sitzen und die gleichen Leute bei der "Arbeit" zu sehen. Klar kann ein Film auch ohne großen Hocus Pocus auskommen, aber ein bisschen mehr Tempo und eindringlichere Szenen wären für den Gesamt Eindruck besser gewesen. So bleibt eine rein journalistische und geschichtliche Abhandlung von einem großen Skandal. Auch die Frage was sich die Kirche erlauben darf und wie selbst mächtige Politiker nicht nur wussten was geschah, sondern es auch noch honorierten, wird aus oben genannten Gründen nur am Rande angerissen, und für wirklich tiefgehende Kritik an dem ganzen System bleibt wenig Zeit. Die Opfer werden ebenso mit in die Aufklärungsarbeit einbezogen,ihre persönlichen Schicksale werden aber etwas unterkühlt dem eigentlichen Plot untergeordnet.
Fazit: Spotlight ist ein starker Journalistischer Krimi mit leichten Thriller Elementen und großartigen Schauspielern. Vielem wird jedoch zu wenig Beachtung geschenkt, und ebenso protzt der Film nicht gerade mit abwechslungsreichen Schauwerten.