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BrodiesFilmkritiken
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2,5
Veröffentlicht am 26. August 2017
Ich will niemandem sein „Recht“ auf Leid aberkennen, auch einer fiktiven Filmfigur nicht, aber trotzdem würde ich diesen Film glatt als „Mir geht’s Scheiße – der Film“ titulieren. Auch ok wäre „Akzeptiert mich doch endlich! - J.A.“ … im Ernst: wir haben hier den klassischen Fall einer Darstellerin die bemüht ist ihr typisches Image hinter sich zu lassen und einen Independent Film dreht, möglichst mit ungeschminktem Image und auf Teufel komm raus dramatisch. Ihre Rolle ist eine kaputte, erschöpfte Frau auf die die ganze Welt mit Fäusten einzudreschen scheint, wenngleich das was mit ihr los nur ihre eigene ungesunde Reaktion auf eine furchtbare Tragödie ist. Und der Film erfüllt alle Vorgaben die solche Titel nun mal an sich haben. Außer Aniston die sich die Seele aus dem Leib spielt hat der Film keine Dramaturgie die man nicht direkt voraussehen kann und auch sonst eigentlich keine nennenswerten weiteren Pluspunkte. Dramakino für eben Aniston Fans oder diejenigen die auf filmisches Leid stehen – genau dies und kein Stück mehr oder weniger.
Fazit: Dramatisch und depressiv mit der Brechstange, inhaltlich nicht wirklich erwähnenswert …
“Ich habe Probleme mit diesem Religionskram” sagt Claire an einer Stelle zu einem Apotheker, daraufhin und mit Blick auf die Tüte voller Medikamente antwortet dieser lakonisch: “Sie haben größere Probleme.” Dieser kurze Dialog bringt Claires Problematik wunderbar auf den Punkt. Nach dem schrecklichen Unfall kanalisiert sie ihre Trauer und den sprichwörtlichen Schmerz in eine chronische Schmerzstörung, die fortan ihren Lebensmittelpunkt bildet und die sie keinesfalls aufgeben will. Ihre Physiotherapeutin fragt sie einmal: “Wollen Sie wirklich, wirklich, dass es besser wird?” und Claire muss überlegen, bevor sie antwortet.
Zugegeben, “Cake” ist ein Film, der es einem nicht besonders leicht macht, die von Jennifer Aniston sehr überzeugend gespielte Claire nimmt uns mit in eine sehr düstere, hoffnungslose und deprimierende Welt. Etwas konterkariert wird dies von ihrer zynischen und sehr direkten Art, was mehr als einmal zu einigen wirklich witzigen Szenen führt. Mir hat der Film insgesamt gut unterhalten, ich mag Jennifer Aniston in den ernsten Rollen eigentlich viel lieber und ihre Interpretation der von chronischen Schmerzen, Medikamentenabhängigkeit und Hoffnungslosigkeit geplagten Claire fand ich überzeugend und auch berührend.
Sam Worthington hat eine etwas seltsame Rolle vom Drehbuch bekommen, spielt aber souverän und Anna Kendrick ist ein wunderbarer Gegenpart zu Jennifer Aniston. Wenn auch die Thematik insgesamt sehr schwer ist und der Film für einen lockeren Filmabend eher nicht geeignet scheint, hat er für mich doch ganz gut funktioniert. Von mir gibt’s eine Empfehlung an dieser Stelle.