Ist "Superman" der beste Film aller Zeiten? Wohl nicht. Trotzdem hatte ich das Bedürfnis ihm volle fünf Sterne zu geben, weil er mich mit einem glücklichen Lächeln das Kino verlassen ließ und ich den ganzen restlichen Abend über den ikonischen Soundtrack gesummt habe. Nun sind fünf Sterne auf Filmstarts mit dem Prädikat "Meisterwerk" verknüpft und ich habe mich gefragt: ist "Superman" ein Meisterwerk? James Gunn ist auf jeden Fall ein Meister seines Faches, denn obwohl der Film manchen als chaotisch erscheinen mag, so hatte ich zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass irgendetwas aus Beliebigkeit oder Verlegenhei geschehe. Alles hat genau seinen Platz und sein eigenwilliges, doch präzises Timing. Und wie es einem Meister zusteht, so hat Gunn seine ganz eigene Handschrift. Snyder ist immer dann am besten, wenn er eine starke Vorlage in gravitätischen, martialischen Bildern nachfilmen kann, wie "300" oder "Watchmen"; eigene Storys aber stolpern (meiner Ansicht nach) seinen Bilder hinterher, wirken uninspiriert und auch etwas denkfaul; inhaltliche Fragen müssen hinter der getragene Ästhetik zurückstehen und die Schauspieler vor allem gut aussehen.
Bei Gunn steht die Story im Vordergrund, und in diese lässt er sich nicht dreinreden. Und wenn sie anders dem breiten Publikumsgeschmack eher entsprechen würde? F... off, er macht den Film, den er selbst gern sehen will! Und ganz ehrlich - solche Filme finde ich dann auch interessanter (und am Ende eben auch das Publikum, weil der "Publikumsgeschmack" letztlich immer eine Behauptung von denen bleibt, die gerne was zu sagen hätten). Das ist nicht der vorhersehbare Superheldenfilm von der Stange, es ist James Gunns "Superman" wie nur er ihn machen konnte. Und für mich zu keinem Zeitpunkt chaotisch oder unübersichtlich - eigenwillig, ja! Mit einem cleveren Augenzwinkern, ja! Aber in keinem Moment albern. Eine weitere Meisterschaft Gunns: wo andere sich manchmal bis zur Fremdscham-Grenze ernst nehmen, ersetzt er diesen etwas stumpfen Ernst durch die Liebe zu all seinen Figuren. Auch die kleinste Rolle wirkt lebendig und durchdacht, und dadurch nehmen wir am Schicksal eines Jeden Anteil. Auch an dem eines unglücklichen Street-food-Verkäufers. Und wenn seinem Unglück ein böser Witz folgt, dann lässt uns spätestens eine Träne des mächtigsten Wesens der Welt, das begonnen Lachen im Hals ersticken. Auch solche Momente hat "Superman" und diese sind meisterhaft gesetzt. Vor allem sieht man, dass die gesamte Crew und ihnen voran Gunn, wirklich Spaß an ihrer Arbeit hatten, und diese Freude überträgt sich auf mich. Ich war bei der Vorpremiere und denke heute immer wieder gern über einzelne Sequenz nach, schmunzel noch immer über manche Jokes - besonders wenn er mit Affen und Kommentaren im Internet zutun hat. Und ich freu mich darauf, ihn mir bald nocheinmal anzuschauen.