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Cesper
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5,0
Veröffentlicht am 25. Oktober 2018
Sehr spannend, realistisch aber ohne Zeigefinger, super Schauspieler, tolles Drehbuch, toller Schnitt und richtig tolle Filmmusik. Ich bin nicht gerade eine Bully Herbig-Fan, aber dieser Film ist ganz großes Kino. Unbedingt ansehen!
Ich finde es schon ziemlich bedenklich, dass die letzten deutschen Kinofilme durchweg Remakes sind. Es drängt sich der Eindruck auf, dass es den Filmemachern hierzulande an eigenen Ideen mangelt. Oder man meint, lieber auf Nummer-Sicher gehen zu müssen, weil ein selbst ausgedachtes Werk ja auch immer mit Risiko verbunden ist. Da bedient man sich dann einfach an bereits vorhandenen Filmen, die einigermaßen gut gelungen sind. Das gilt auch für "Klassentreffen 1.0" und "Der Vorname", nicht nur für "Ballon" von Bully Herbig, der es sich damit ziemlich bequem gemacht hat. Ausserdem finde ich es allgemein nicht ganz richtig, einen Film dem Regisseur zuzuschreiben. Dazu haben die Autoren einen viel zu großen Anteil an einem Film. Aber deren Leistung wird ja generell unterbewertet, was ich persönlich skandalös finde. Dass der Film sehr solide geworden ist und besonders am Anfang starke Momente hat ist angesichts der vorgekauten Vorlage also keine besondere Leistung.
Ich denke, das ist der beste Film, den ich je gesehen habe. Von Beginn an spannend und voller Tempo und Beklemmung, die den Zuschauer in ihren Bann ziehen und zwei volle Stunden fesseln. Dazu klar gewählte Schauspieler, die hervorragende Arbeit leisten und nicht nur in den Hauptrollen glänzen. Absolute Empfehlung!
Michael 'Bully' Herbig, dessen Humor ich bisher eher gewöhnungsbedürftig fand, überrascht hier mit einem packenden Drama, das noch dazu politische Aktualität besitzt. Hier wird einmal die DDR-Diktatur so gezeigt, wie sie wirklich war - nämlich als Gefängnis für die eigenen Bürger. Ich fand 'Ballon' einen der spannendsten Filme der letzten Zeit, und die Mischung aus treffender Darstellung der DDR-Alltagsrealität und effektvoller Hollywood-Inszenierung ist wirklich herausragend. Eine klare Empfehlung sowohl für Schulklassen als auch für Thriller-Fans!
"Ballon" von Michael Bully Herbig ist insgesamt gut gelungen und beeindruckt mit einem stimmigen Zeitkolorit, detailtreuen mise en scène und einer passenden Atmosphäre. Man fühlt sich tatsächlich ins Deutschland der ausgehenden 70er Jahre zurückversetzt. Die ständige Bedrohung durch die Stasi ist allerdings etwas dick aufgetragen dargestellt und etwas zu stereotyp geraten - dadurch weiß man sofort, von wem eine Gefahr ausgeht, was ein wenig die Spannung mindert.
Leider lässt der Film im Erzähltempo nach, nachdem er fulminant und mit Hochspannung eingestiegen ist. Dadurch zieht sich die zweite Hälfte sehr und gerät zu langatmig. Da hätte man ca. 30 Minuten rauskürzen und die zweite Hälfte mehr straffen können - dann wäre der ganze Film so fesselnd geworden wie die erste Hälfte.
Aber, um auch etwas Positives zu sagen, die Schauspieler sind alle richtig gut. Auch die Kinder und Jugendlichen sind absolut überzeugend. Vor allem Tilman Döbler als Andreas Strelzyk spielt toll.
Fazit: Sehenswert, trotz der Längen in der zweiten Hälfte.
Um diese Geschichte zu erzählen, muss ich ein bisschen ausholen. Und zwar in die Zeit, in der ich ein Kino in Sindelfingen geführt habe. Zu der Zeit 1982, war es für mich sehr schwer Filme zum Start in mein Kino zu bekommen. Dann gab es plötzlich ein Angebot von Disney für den Film „Mit dem Wind nach Westen“ diesen Streifen zum Deutschlandstart einzusetzen. Gesagt, getan. Der Haken daran. Die Geschichte wie sie erzählt wurde, interessierten das Publikum kaum. Ergebnis – 8 Besucher in 4 Vorstellungen. Deshalb war es für mich jetzt die Neugierde, wie gestaltet Bully Herbig dieses Thema. Eines vorweg. Er kann nicht nur Komödie, nein auch dieser Film als Thriller ist überzeugend. Die Geschichte ist ja hinreichend bekannt, deshalb hier nur noch ein kleiner Abriss. Sommer 1979 in Pößneck in Thüringen. Peter Strelzyk (Friedrich Mücke), seine Frau Doris (Karoline Schuch) und seine Freunde Günter Wetzel (David Kroos) mit Frau Petra (Alicia von Rittberg) haben zwei Jahre an ihrem waghalsigen Plan geschmiedet. Sie wollen mit einem selbstgebauten Heißluftballon aus der DDR fliehen. Doch der erste Versuch misslingt. Der Ballon stürzt knapp vor der westdeutschen Grenze ab. Die Stasi findet die Spuren des Fluchtversuchs und nimmt sofort die Ermittlungen auf. Doch die Familien planen schon den zweiten Versuch. Unter großem Zeitdruck nähen sie einen zweiten Ballon. Doch die Stasi ist ihnen dicht auf den Fersen. Ein spannender Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Soweit die Inhaltswiedergabe des Verleihs. In Wahrheit tappten die Behörden des Stasistaates völlig im Dunkeln bis zum zweiten geglückten Fluchtversuch. Bully gelingt es den Alltag der damaligen DDR gut einzufangen und wiederzugeben. Und hat auch die passenden Darsteller gefunden. Aber man weiß ja, es geht gut aus, deshalb hält sich die Spannung in Grenzen. 120 Minuten – ein Stück deutsche Geschichte.
Bully kann auch anders. Und er kann es verdammt gut! In Ballon erzählt Herbig die Geschichte 2er Familien, die mit einem selbstgebauten Ballon über die Mauer aus der DDR in den Westen fliehen wollen. Die Geschichte ist bekannt - man weiß, wie es aus geht. Trotzdem hat der Film mich in Atem gehalten. Kurz vor Schluss war ich selber nicht mehr sicher, ob das Happy End, was mir in der Schule begeiebracht wurde, wirklich wahr ist. Ich bin recht skeptisch in diesen Film gegangen. Ich war mir nicht sicher, ob Bully dem gewachsen ist. Vor allem wollte ich keine klischeebehaftete DDR Geschichte sehen. Ich wollte Spannung, Nervenkitzel und trotzdem realitätsnähe. Und das habe ich bekommen. Ich kann diesen Film guten Gewissens empfehlen. Bully hat sich selbst übertroffen und bewiesen, dass auch Deutsche noch gute Filme machen können. Gerne mehr davon.
Das Szenario ist interessant und das Spiel glaubwürdig. Leider endet aber das Lob hier: Der Film ist um mindestens ein Drittel zu lang geraten, der arg gemächliche Fortgang der Ereignisse enervierend, was wegen des historisch bekannten Endes besonders negativ ins Gewicht fällt. Und das Personal von Stasi, Volkspolizei und NVA erfüllt die üblichen Klischees, stets grimmige Gesichtsausdrücke inklusive. Einzig der Hauptantagonist sticht heraus.
Endlich: Michael Bully Herbig macht mal einen ernsthaften Film. Darauf habe ich mich sehr gefreut, einfach weil ich seine bisherigen Werke auch immer unter dem handwerklichen Aspekt gesehen habe und ihn für einen der fähigsten deutschen Regisseure halte. Einer der hier auch großartiges Material zur Verfügung hat: Die Story ist eigentlich recht schlicht, zwei Familien unternehmen zwei Fluchtversuche, aber daraus resultieren Unmengen an Spannungsmomenten: die Paranoia, die Belastung, die Bedrohung und die Angst der Familien davor entdeckt zu werden reicht alleine schon um trotz des bekannten Ausgangs die Spannung hochzujubeln. Negativ fallen ein paar schlechte Effekte auf (das Berlin der damaligen Zeit sieht mitunter etwas klobig aus) und eine sehr plump eingesetzte Traumsequenz, aber das ist jammern auf hohem Niveau. Anonsten hat man eine bewegende Geschichte, sympathische und engageirte Darsteller und eben das Ausloten von Spannung überall wo es geht – und definitiv ganz großes deutsches Kino,
Fazit: Spannungskino vom Feinsten, dazu eine Würdigung des unglaublcihen Muts zweier Familien!