Was als Katastrophe begann, entwickelte sich zum besten DCEU-Film!
Kaum eine Filmreihe ist so hoffnungslos wie das DCEU (DC Extended Universe): Sowohl Superman als auch Batman wurden 2013 und 2016 auf armselige Art rebootet und ein paar Jahre später wieder fallen gelassen. Daneben gab es okaye Filme wie „Wonder Woman“ und „Shazam!“ und absolute Fieberträume wie „Aquaman“ oder „Justice League“. Doch kein Film der Reihe war dermaßen katastrophal wie David Ayers „Suicide Squad“ von 2016. Dazu muss fairerweise sagen, dass es besonders die Schuld von Warner Bros. war, dass dieser „Film“ so ein Reinfall wurde, denn das Studio schnitt den Film dermaßen um, dass man kaum noch von einer künstlerischen Vision sprechen kann. Für mich war dies einer der schlechtesten Filme, die ich in meinem Leben gesehen habe: Langweilig, anstrengend, peinlich und absolute Zeitverschwendung. Kein Wunder, dass ich kaum Interesse hatte das Sequel zu sehen. Doch dann kamen die positiven Kritiken und immerhin war der Regisseur James Gunn für die Fortsetzung verantwortlich. Der Gunn, der für Disney und Marvel die sehr unterhaltsamen „Guardians of the Galaxy“-Filme gedreht hatte. Ironischerweise wurde Gunn aber 2018 von Disney gefeuert, da seine alten und (zurecht) widerlichen Posts auf Twitter wieder hochkamen. Sein dritter Guardians“-Film wurde daher (fürs Erste) auf Eis gelegt und Gunn drehte 2021 stattdessen für DC die Fortsetzung zu „Suicide Squad“ mit dem Namen… „THE Suicide Squad“. Jepp, ein „The“ davor, mehr gab es nicht. Warum? Nun, ich schätze mal, dass sich alle bei Warner Bros. einig waren, dass kaum jemand den ersten Film ernst nahm und deswegen fungierte dieser neue Teil quasi als ein Reboot, trotz einiger wiederkehrender Figuren aus Teil 1. Und siehe da: „THE Suicide Squad“ ist nicht nur millionenfach besser als Teil 1 (was nüchtern betrachtet nicht wirklich eine Leistung ist), Gunns Film ist für mich der beste DC-Film seit… Nun seit Legos Adaption des dunklen Ritters in „The Lego Batman Movie“ in 2017.
Das Projekt „Suicide Squad“ wird von Amanda Waller und Col. Rick Flag immer noch effektiv genutzt. Doch eines Tages geht eine Mission fürchterlich schief und der Großteil einer Einheit geht drauf. Team B hingegen, angeführt vom grimmigen Bloodsport, überlebt und kommt schnell einem düsteren und außerirdischen Geheimnis auf die Spur…
Ich bin nach wie vor sprachlos, wie unterhaltsam „THE Suicide Squad“ geworden ist! Gunn, der auch das Drehbuch schrieb, inszenierte hier ein wirklich spaßiges und blutiges Abenteuer. Ja, dieser Film ist richtig blutig und ab und zu sogar sehr düster in seinen Ideen. Nicht selten musste ich dabei an „Invincible“ denken (eine wirklich tolle und brutale Superheldenserie!), aber Gunns Film ist in so vielen Bereichen sein eigenes Ding geworden. Klar, sein Stil und die Parallelen zu den „Guardians“-Filmen sind erkennbar, aber dennoch fühlt sich „THE Suicide Squad“ wie einer von Gunns älteren und deutlich blutigeren Projekten an (siehe „Super“ oder „Slither“). Und auch wenn die Gore-Momente äußerst unterhaltsam sind und auch viele Figuren drauf gehen, von denen ich das anfangs nicht gedacht hätte, so sind es vor allem die Story und die Charaktere, die mich überzeugt haben. Ja, das hier ist nicht unbedingt ein cineastisches Meisterwerk, aber es macht einfach Spaß. Die Figuren sind abwechslungsreich und sympathisch und der Aufbau der Geschichte, die Absurdität der einzelnen Actionszenen und wie alles am Ende zusammen kommt, das ist wirklich fein anzusehen. Selbst Harley Quinn, die bisher ihren besten Auftritt in „Birds of Prey“ (2020) hatte, passt gut in das Setting und hat mich nicht genervt.
Der Film erinnert von seiner Figurenaufstellung schon stark an die Avengers, mit dem Hai-Typen, der wie ein Aqua-Hulk und Groot-Verschnitt wirkt, aber am Ende dann doch einer der witzigsten Charaktere im Film ist. Selbst der Cast vom ersten „Suicide Squad“-Film ist teilweise wieder vertreten (darunter auch Cap. Booomerang mit einem kurzen Auftritt), während die neuen Figuren wie aufgebesserte Versionen der alten Protagonist*innen wirken (Idris Elba ist ein besserer Will Smith und King Shark ist quasi Killer Croc). Wie dem auch sei, der jetzige Cast ist erfrischend und passt zum selbstironischen Ton des Films. John Cena als Peacemaker ist sehr witzig, David Dastmalchian als Polka-Dot Man einer meiner Favoriten und Sylvester Stallone spricht den dümmlich, liebenswerten King Shark. Daneben gibt es wieder mal einige Cameos wie Taika Waititi, Michael Rooker und Gunns Bruder Sean Gunn.
Perfekt ist „THE Suicide Squad“ dennoch nicht perfekt: Der Film entkommt einigen Klischees am Ende nicht, will manchmal noch zu cool sein (was er nicht nötig hat) und der Score von John Murphy ist tatsächlich gar nicht gut, sondern sehr unpassend und kitschig. Dabei ist Murphy ein wirklich toller Komponist, der unter anderem „28 Days Later“ oder auch Kick-Ass“ mit komponiert hat.
Optisch bietet „THE Suicide Squad“ hingegen einige wirklich wundervolle Bilder und Kameraeinstellungen, die erfrischend kreativ und anschaulich sind. Kameramann Henry Braham, der mittlerweile Gunns erste Wahl ist, wenn es um eindrucksvolle Bilder geht, schuf einige tolle Shots und besonders die Farbenpracht in manchen Szenen, ist ein himmelweiter Unterschied zum optisch, dunklen Filmsumpf des ersten Teils. Viele der Actionszenen passieren nun am helllichten Tag und man kann endlich mal sehen, was passiert! Und das was passiert ist wie schon erwähnt äußerst unterhaltsam: Eindrucksvolle Kämpfe und Schlachten mit viel Blut und Explosionen. Das Highlight ist zweifelsohne das wilde Finale mit dem gigantischen Alien-Seestern-Kaiju!
Fazit: Wer hätte gedacht, dass die Fortsetzung zu einem der schlechtesten Superheldenfilme aller Zeiten einer der besten Superheldenfilme der letzten Jahre werden würde? Im Jahr 2021 war Marvel bereits auf dem absteigenden Ast und Comic-Adaptionen mit Superhelden verlieren zurecht an Popularität. Doch hin und wieder gibt es ein paar Lichtblicke und Gunns „Suicide Squad“-Sequel ist definitiv einer davon!