Der seidene Faden
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Sebastian Schlicht7
Sebastian Schlicht7

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4,5
Veröffentlicht am 12. Januar 2026
„The tea is going out. The interruption is staying right here with me.“

Paul Thomas Anderson hatte bereits 2007 ein Meisterwerk mit Schauspieler Daniel-Day Lewis rausgehauen mit „There Will Be Blood“. Zehn Jahre später arbeiteten beide erneut zusammen in „Der seidene Faden“. Das spannende Drama erhielt zwar sechs Oscarnominierungen und gewann einen fürs Kostümdesign, wurde aber von „The Shape of Water“ (ebenfalls toller Film) überschattet. Dabei ist „Der seidene Faden“ wieder ein absoluter Hit von PTA und das obwohl im selben Jahr Kracher wie „Blade Runner 2049“ und „Paddington 2“ erschienen.

London in den 50er Jahren: Reynolds Woodcock ist ein gefeierter und geschätzter Schneider und entwirft für viele große Leute aufwendige Kleider. Eines Tages trifft er auf die schüchterne Alma und ist sofort von ihr fasziniert, hauptsächlich, weil sie die perfekten Maße hat. Alma verliebt sich schnell in Reynolds, doch sie merkt schnell, dass ein Zusammenleben alles andere als leicht mit ihm ist…

Wie so oft war es für mich ein Segen nichts zu wissen und keinen Trailer zu sehen. Das empfehle ich auch jedem anderen. Was man wissen sollte, dass es hier um eine komplexe Liebesgeschichte geht, doch „Der seidene Faden“ ist in meinen Augen ein Film, den jeder sehen kann.
Dabei steht das Entwerfen von Kleidern zwar im Zentrum, aber es geht um so viel mehr. Der Film thematisiert sensibel einen zwanghaften Perfektionismus und wie sich dieser nicht nur auf die Mitmenschen ausübt. Einige würden die Figur von Reynolds sicherlich als „männliche Diva“ abstempeln, jemand, den man im Fernsehen sehr leicht verurteilen und belächeln kann. Anderson jedoch beleuchtet diese Figur und zeigt auf ganz schonungslose Art und Weise, wie sich solch ein Verhalten entwickelt bzw. was für Konsequenzen es mit sich ziehen kann. Gerade das Spiel zwischen ihm und Alma macht den Film so besonders. Jeder wird auf seine Art gefordert, herausgefordert und zu manchmal absurden Entscheidungen gezwungen. Aber auch dieser Aspekt gefiel mir äußerst gut!

Daniel Day-Lewis: Ein Name und man weiß, was man erwarten kann. Ein großartiger Schauspieler ohne Zweifel, aber auch einer der immer anders ist in seinen Rollen, immer! Das können nur wenige und auch hier verschmilzt er mit seiner überaus komplexen Rolle des Reynolds. Einerseits ein Genuss ihm zuzusehen, andererseits auch traurig, da dies seine vorerst letzte Rolle war (2025 kehrte er für ein Regieprojekt seines Sohnes zurück vor die Kamera).
Doch man darf auch nicht Vicky Krieps als Alma unterschätzen, die ebenfalls sehr facettenreich und faszinierend ihre Rolle verkörpert. Lesley Manville als Schwester von Reynolds ist auch stark und die Nebenrollen klasse besetzt.

Optisch scheint es, als ob über dem ganzen Geschehen ein weicher, durchsichtiger Schleier liegt. Sehr passend zur Thematik, aber „Der seidene Faden“ ist auch so ein bezaubernd schön gefilmtes Werk. Hierfür war Anderson sogar selbst verantwortlich. Mir gefällt auch die bildliche Metapher mit Reynolds´ Kleidern und seiner Person!

Musikalisch überzeugt Jonny Greenwood mit einem starken Score, der vor allem durchs Klavier geprägt ist.

Fazit: „Der seidene Faden“ ist ohne Zweifel einer der besten Filme 2017. Eine faszinierende und teils unkonventionelle Liebesgeschichte magisch verfilmt und Daniel Day-Lewis glänzt in seiner letzten Filmrolle. Sehr sehenswert!
Christian Alexander Z.
Christian Alexander Z.

201 Follower 996 Kritiken User folgen

5,0
Veröffentlicht am 24. Oktober 2021
Das ist ganz großes Kino! Ein Meisterwerk in jeder Hinsicht. Das erklärt auch die unendlich scheinenden Nominierungen in verschiedensten Disziplinen. Es hätten gern noch 30 Minuten mehr sein dürfen. Freuen Sie sich auf einen Genuss der lange nachhallt.
Cursha
Cursha

7.500 Follower 1.067 Kritiken User folgen

1,5
Veröffentlicht am 11. November 2018
Genau so wie die vielen Blockbuster ist auch "Der seidene Faden" kein wohltuender Film für die Kinowelt. Denn dieser Film acht das genaue Gegenteil. Natürlich ist er großartig gespielt, keine Frage, aber ein paar nette Bilder und tolle Darsteller machen noch keinen Interessanten Film. Dies ist hier der Fall. Warum so was bei den Oscars gewürdigt wird, ist rätselhaft, den an sich ist dieses Biopic wenig spannend und furchtbar uninteressant. Zwar das Gegenteil der Mainstreamblockbuster, aber dennoch so ähnlich.
Kino:
Anonymer User
3,0
Veröffentlicht am 6. April 2018
So faszinierend die Charaktere auch sein mögen, ''Phantom Thread'' wirkt zu keiner Zeit sonderlich filmisch, sondern eher wie eine Theateradaption. Vermutlich ambitioniert, ein möglichst ausdrucksstarkes Skript zu verfassen, sind die von Anderson geschriebenen Dialoge entweder banal oder konfrontativ. Im ersten Fall sind sie vermutlich darauf ausgerichtet, den Schauspielern allerhand Raum zur Interpretation zu geben, wobei die Schauspieler diesen Raum dann so sehr ausnutzen wollen, dass es theatralisch wird. Im zweiten Fall sind sie so konfrontativ, dass es eigentlich gar keiner Schauspieler, keiner Gesichtsausdrücke, keiner Gesten. etc. mehr bedürfte. Allein das in der Hand gehaltene Skript würde ausreichen, und es wäre genug dramatisches Material vorhanden. Glücklicherweise spielt Day-Lewis seinen Part überzeugend, aber gelegentlich forciert er die Zeilen derart, dass alles unerträglich bedeutungsschwanger wird. Wie auch immer man Daniel Day-Lewis' Leistung einschätzt: das zentrale Problem des Films ist, dass das Skript von Anderson alles diktiert. Zudem ist es vermutlich auch etwas zu vorhersehbar geschrieben und wirkt letzten Endes wie eine Aaron-Sorkinsche Übung darin, innerhalb eines festgesteckten, und daher auch vorhersehbaren und schnell langweiligen dramaturgischen Rahmens (Fall einer egozentrischen Hauptfigur) die Personen des Dramas so radikal und wortgewaltig wie nur möglich gegeneinander aufzuhetzen und durch eine unangenehme Situation nach der anderen zu jagen. Insbesondere da man diese Strategie aus vorangegangenen Anderson-Filmen kennt, wird man daher schnell frustriert: welche Gesprächspause, welcher plötzliche Gefühlsausbruch kommt als nächstes, mit welcher eigentümlichen Phrasierung kommt Daniel Day-Lewis als nächstes um die Ecke (sogar die Bestellung eines Frühstücks wird zum Flirt)? Auf diese Weise erstickt ''Phantom Thread'' schnell an seiner Sucht, alles aufzubauschen. Interesse an den Gefühlen der Figuren entwickelt man indes leider überhaupt nicht, weil alles künstlich wirkt. Weder Day-Lewis' noch Krieps' Charakter wirken auch nur annähernd menschlich, sondern wie zwei Platzhalter, die nur dazu da sind, Andersons Projekt zu vervollständigen und die völlig banale Tatsache, dass Beziehungen zerstörerisch sein können, zu illustrieren. Erfolgreich wäre - denke ich - ein Film, der die Figuren nachvollziehbar macht, der zumindest Hinweise gibt, wieso diese Menschen, die so offensichtlich nichts miteinander gemein haben, dennoch aufeinanderhocken wollen; ein Film, der dem Zuschauer verdeutlicht, warum die Figuren sowohl voneinander angezogen, als auch voneinander abgestoßen sind. Von der Ablehnung erfährt man als Zuschauer allerhand. Das ist inszenatorisch natürlich auch die einfachere Aufgabe. Eine halbe Stunde grelles Licht und dissonanter Soundtrack sorgen sofort für ein Gefühl der Entfremdung. Von der Zuneigung der Figuren spürt man jedoch nicht das Geringste. Vermutlich ist Anderson aber auch nicht darauf erpicht, dem Zuschauer die Figuren begreiflich zu machen. Eher will er in einer Art dramaturgischer Geisterbahn dem Zuschauer allerhand spontane Reaktionen entlocken. So wird man irgendwann müde, das Spiel mitzuspielen, indem Anderson einem die nächste Szene vorsetzt und die awkwardness auf das nächste Level hebt, da man den Regisseur regelrecht vor sich sieht, wie er einem ein 'Oh, wie anstrengend' oder 'Genauso kenn ich das auch!' oder was auch immer entlocken will. Auf diese Weise wirkt ''Phantom Thread'' sogar richtig altmodisch. Jedes Stilmittel, jede Kamerabewegung, jeder Lichteinsatz, jede Dialogzeile, jeder Gesichtsausdruck scheint eine bestimmte Emotion hervorrufen zu wollen. Alles wirkt abgekartet.
Kinobengel
Kinobengel

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4,0
Veröffentlicht am 2. Februar 2018
Paul Thomas Anderson ist mit „Der seidene Faden“ in den Kinos. Er führte Regie, schrieb das Drehbuch und war Director of Photography.

Bisher konnte keine Frau das Herz von Reynolds Woodcock (Daniel Day-Lewis) erobern, denn er ist als Schneider für die bessere Londoner Gesellschaft bis hin zu den Royals schwer beschäftigt. Als Alma (Vicky Krieps) in das Leben des exzentrischen Junggesellen tritt, beginnt eine komplizierte Beziehung.

Paul Thomas Andersons Markenzeichen sind die schwierigen Charaktere. Wie für sein Meisterwerk „There will be Blood“ (2007) ist wieder Daniel Day-Lewis in die Gunst des großen Regisseurs gekommen. Der dreifach mit dem Oscar ausgezeichnete, studierte Theaterschauspieler kann selbstverständlich nicht nur Öl-Baron, sondern auch Schneider. Darum gehört er mit seiner Rolle als Woodcock wiederum zu den Oscar-Nominierten. Erstmals für den US-amerikanischen Regisseur arbeitet die Luxemburgerin Vicky Krieps („Das Zimmermädchen Lynn“).

In einigen von Andersons Filmen reiben sich die Hauptfiguren aneinander, bis zur Katastrophe, bis einer unterliegt. Und Anderson weiß ganz genau, wie er inszenieren muss. So oft hat er seine Fans begeistert. Die Nahaufnahmen sind eindringlich, die Mienen der Akteure ausdrucksstark, eben Andersons Bildgewalt und hervorragend angeleitete Schauspieler. Aber das Liebespaar ist seltsam, weil es ein Liebespaar ist. Er will sie als Model, sie will ihn. Er hat Prinzipien und Gewohnheiten, sie braucht Abwechslung und hasst Getue. Das ist von Beginn an gleichmäßig konträr, sodass es unverständlich bleibt, warum die beiden ihr Miteinander länger aushalten. In „There will be Blood“ (2007) wachsen die Protagonisten mit ihren Aufgaben (verkörpert von Daniel Day-Lewis als Öl-Mann und Paul Dano als Priester), werden zueinander geführt und begehren zu großen Opponenten auf. In „The Master“ (2012) finden zwei Männer (Philip Seymour Hoffman und Joaquin Phoenix) zueinander und bilden allmählich unter Schwierigkeiten ein eigenartiges Team aus Guru und Versuchskaninchen.
Reynolds und Alma fehlt eben ein wenig die Entwicklung. Freilich ist das Nörgelei auf hohem Niveau, denn die Dauergegner sind in den vielen beeindruckenden Szenen noch so stark, dass der Zuschauer sich einfühlen kann und den Wunsch verspürt, beiden für ihr Verhalten abwechselnd den Hals umzudrehen. Das alles unter dem anstrengenden Score von Jonny Greenwood, der dem Werk etwas herrlich Quälendes beifügt.

Paul Thomas Anderson hat ein starkes Drama über eine rätselhafte Innigkeit zweier Menschen geschaffen.
Kino:
Anonymer User
3,5
Veröffentlicht am 13. Januar 2018
Ich glaube ich habe keinem Filmstart 2018 so sehr entgegengefiebert wie diesem. Immerhin zählt P.T. Anderson zu meinen absoluten Lieblingsregisseuren. Nachdem er mich mit There Will Be Blood, The Master und zuletzt Inherent Vice immer wieder restlos begeistern konnte, hätten meine Erwartungen an Phantom Thread (bzw. Der seidene Faden) kaum größer sein können. Und vielleicht (ganz vielleicht) waren meine riesigen Erwartungen an Andersons neuesten Streich auch ein wenig der Grund dafür, warum ich etwas ernüchtert den Kinosaal verließ.

Ja, Phantom Thread ist traumhaft schön gefilmt und Daniel Day-Lewis (wie sollte es anders sein) und Neuentdeckung Vicky Krieps spielen ganz wunderbar, aber die ganz und gar auf ihre doch eher unnahbaren Figuren fokussierte Handlung ließ mich überraschend kalt. Das ging mir trotz Andersons zuletzt immer zunehmend abstrakteren Ansatz und seinem ganz speziellen Zugang zu seinen Figuren bei seinen vorangegangenen drei Filmen nicht so, doch hier fand ich einfach keine Berührungspunkte zu den beiden Protagonisten. Zu oft für meinen Geschmack verliert sich Anderson in (zugegebenermaßen traumhaft schön anzusehenden) Szenen, in denen die Anfertigung von Kleidern oder das zur Schau stellen dieser im Fokus steht. Natürlich ist all das ein wichtiger Bestandteil in den Leben der beiden, aber die Weiterentwicklung ihrer faszinierenden und sehr ungewöhnlichen Beziehung blieb so zu sehr auf der Strecke. Das hatte dann auch leider erstmals den Effekt auf mich, den Andersons gewohnt längere Filme sonst nie hatten: Ich fand ihn durch aus langatmig.

Auch die sonst so genialen musikalischen Beiträge vom Radiohead-Mitglied Jonny Greenwood fand ich dieses Mal nicht so außergewöhnlich gut wie im Fall von Andersons letzten drei Werken. Seine (dieses Mal deutlich klavierlastigeren) Stücke empfand ich im Vergleich zu seinen früheren Kompositionen als überraschend gefällig und damit auch etwas gewöhnlich. In einem Film von jedem anderen Regisseur hätte ich Stücke dieser Art erwartet und sicherlich wären sie mir da sogar sehr positiv und als vergleichsweise experimentell aufgefallen. Aber ich hatte mich erneut auf Klänge eingestellt, die mit dem Genre brechen (s. die an Ligeti erinnernden atonalen Sounds in There Will Be Blood oder der gar nicht mal so flowerpowerige, melancholische Score zum komödiantisch angelegten Inherent Vice) und so einen ganz besonderen Vibe mit sich bringen. Zudem irritierte es mich irgendwann ein wenig, dass Anderson fast die gesamte Laufzeit des Films Musik unterbringen musste und so kaum mal einen stillen Moment zulässt. Auch hier leichte Ernüchterung.

Insgesamt ist Phantom Thread aber aus besagten, zu Beginn genannten Gründen immer noch sehenswert und nur auf hohem Niveau ein wenig enttäuschend für mich. Aber hier gilt noch mehr als je zuvor: Dieser seeehr entschleunigte Brocken von einem Film wird absolut nicht Jedermanns Sache sein. .-D Mehr zum seidenen Faden, Guillermo del Toros The Shape of Water, Ridley Scotts All the Money in the World und Takashi Miikes 100. Streifen Blade of the Immortal in der nächsten Folge meines Film-Podcasts Kinokost. Hört gerne mal auf Soundcloud oder iTunes rein. :-)
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