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    Ein verborgenes Leben
    Durchschnitts-Wertung
    3,5
    21 Wertungen - 6 Kritiken
    Verteilung von 6 Kritiken per note
    3 Kritiken
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    6 User-Kritiken

    Kinobengel
    Kinobengel

    User folgen 193 Follower Lies die 440 Kritiken

    5,0
    Veröffentlicht am 8. Februar 2020
    Terrence Malick hat die Biografie eines Kriegsdienstverweigerers nach eigenem Drehbuch verfilmt.

    Österreich 1943: Franz Jägerstetter (August Diehl) ist Bauer in dem Bergdorf St. Radegund. Er wird vom Militär einberufen, verweigert jedoch den Eid auf den Führer. Das hat nicht nur für ihn Folgen, auch Ehefrau Fani (Valerie Pachner) muss Anfeindungen der Gemeinde über sich ergehen lassen.

    Die Werke von Malick trumpfen stets mit poetisch hohem Anspruch und entsprechend kreativer Kameraarbeit auf. Das geht nicht immer gut. Die drei Filme nach „The Tree of Life“ (Goldene Palme 2011) sind bei Publikum und Kritikern nicht gut angekommen. Aber der US-Amerikaner hat das Filmemachen nicht verlernt und wieder ein Meisterwerk abgeliefert.

    Die Stimmung in St. Radegund ist schlecht und wird nicht besser. „Ein verborgenes Leben“ vermittelt dies akustisch äußerst effektvoll mit schwer tragenden Stücken klassischer Musik, z.B. der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach. Andere deutsche wie ausländische Komponisten kommen hinzu. Wer sich mit diesen Stücken beschäftigt, wird den Bezug zur Handlung feststellen.

    Während die Landschaften, die durch häufig wolkenverhangenen Himmel zum negativen Gefühlsgemenge beitragen, mit unbewegter Kamera fotografiert sind, rückt die Linse den Akteuren mit fließend wechselnden Perspektiven und collagenhaftem Schnitt beeindruckend nah. Nicht immer ist die Mimik wichtig, sondern die Tätigkeiten mit Händen oder Beinen. Den Bildern im Breitformat ist anzusehen, dass DOP Jörg Widmer viel mit dem preisüberhäuften Emmanuel Lubezki zusammengearbeitet hat.

    August Diehl gibt den innerlich zerrissenen Jägerstetter mit unglaublicher Hingabe. Sein Gewissen spricht gegen die Teilnahme an Hitlers Vernichtungswerk. Er weiß, dass er die Verantwortung für Frau und Kinder dadurch vernachlässigt. Die Dorfbewohner begehren aus Überzeugung oder Angst vor dem Regime gegen die zuvor beliebte Familie auf. Malick, der gerne ohne viel Drehbuch arbeitet, erreicht in meisterlicher Weise, dass die Schauspieler in ihren Rollen zu 100 % aufgehen; das ist einer seiner Schwerpunkte bei jeder Produktion.

    Der Regisseur baut in 174 Minuten mit breiter Erzählweise eine spirituelle Atmosphäre auf, die seinesgleichen sucht. Mit großer Kunst kehrt er die Charaktere nach außen. Die in vielen Einstellungen eingefangene Harmonie der Familie Jägerstetter, herrlich untermalt mit dem Score von James Newton Howard, ist genauso schön mitzuerleben wie erschütternd, je näher es dem Ende zugeht, welches wie der Kreuzgang des Messias zelebriert wird. So wird „Ein verborgenes Leben“ zudem ein wirksamer Antikriegsfilm. Die Inszenierung ist von der ersten Minute an mitreißend für den Zuschauer, der sich auf das Terrence-Malick-Universum einlässt, das alles andere als bloß dokumentarisch ist. Gut Ding braucht Weile: Von den Dreharbeiten im Jahr 2016 bis zur Premiere im Mai 2019 in Cannes hat sich der Kult-Regisseur Zeit für die Fertigstellung genommen. Es hat sich gelohnt.
    Rüdiger Wolff
    Rüdiger Wolff

    User folgen 7 Follower Lies die 62 Kritiken

    3,5
    Veröffentlicht am 18. Februar 2020
    Ein falsch interpretiertes Christentum
    In einem fast dreistündigen Epos wird die – weitgehend auf historischen Fakten beruhende – tragische Geschichte des Bergbauern Frank Jägerstätter erzählt, der sich im Frühjahr 1943 nach seiner Einberufung zur Wehrmacht weigert, den Treueid auf A. Hitler zu leisten, sofort verhaftet wird und im August 1943 auf dem Schafott hingerichtet wird. Er beruft sich bis zum Ende seines lebens in allem auf sein Gewissen, das ihm verbiete, den Treueid zu leisten und in einem Krieg mit der Waffe zu kämpfen. Die Möglichkeit, als Sanitäter ohne Waffe zu arbeiten, lehnt er ab. Durch die Verweigerung des Treueeides, was als Wehrkraftzersetzung gewertet wird, bringt es seine Familie: seine Frau, seine drei kleinen Kinder, seine Schwägerin und seine alte Mutter in unaussprechliche Schwierigkeiten. Selbst nach Gesprächen mit seinem kath. Priester, seinem Bischof, seinem Anwalt und seinem Richter, die ihm alle raten, den Treueeid zu leisten, womit dann die Anklage zurückgenommen würde, weigert er sich, diesen Schritt zu gehen. Alles in allem wird ein Mann dargestellt, der in seiner Verblendung meint, den Willen Gottes zu tun, wenn er das „Vater-unser“ und Teile des 23. Psalms betet. Weder der Hinweis des Bischofs auf die Bibel (Römer 13:1 ff. „Jedermann unterwerfe sich den übergeordneten staatlichen Mächten, denn es gibt keine Obrigkeit außer von Gott, und die bestehenden sind von Gott verordnet...“) noch die gut gemeinten Ratschläge der offiziellen Personen, die zu Wort kommen, können ihn von seiner starrköpfigen Idee, im Sinne Gottes zu handeln, abbringen. Er hat nicht verstanden, dass aus Gottes Sicht in der Gegenüberstellung zwischen Handeln und Reden, das Handeln wichtiger ist als das Aussprechen eines Satzes, den er im Grunde gar nicht so meint. Der einfach gesprochene Eid, zu dem ihm alle raten, ist in Gottes Augen insofern unwesentlich, zumindest zweitrangig, als dass Gott ihm sein Leben geschenkt hat und er es erhalten will, damit er weiterhin für seine Familie sorgt, auch über das Kriegsende hinaus. Das erlittene persönliche Martyrium ist – verglichen mit dem Schaden in Bezug auf seine Familie - demnach per Saldo die Durchsetzung des eigenen, unbelehrbaren Willens in Verkennung des Willens Gottes – also ein falsch interpretiertes Christentum. Fazit: Sehenswert
    Stefan H.
    Stefan H.

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    5,0
    Veröffentlicht am 19. Februar 2020
    Der Film ist ein Kunstwerk! Eine Schande, dass er bei den wichtigsten Filmpreisen komplett übergangen wurde (schon bei den Nominierungen). Wenn ich sehe, was sonst alles ausgezeichnet wurde!
    FILMGENUSS
    FILMGENUSS

    User folgen 17 Follower Lies die 340 Kritiken

    4,0
    Veröffentlicht am 26. August 2020
    HIER STEHE ICH, ICH KANN NICHT ANDERS
    von Michael Grünwald, filmgenuss.com

    Ich kann mich noch gut erinnern, als Terrence Malick nach 20jähriger Schaffenspause 1998 mit Der schmale Grat für Aufsehen gesorgt hat. Gefühlt alle namhaften Stars sind damals Schlange gestanden, um bei Malicks Film eine Rolle zu ergattern. Die Lobeshymnen für sein Kriegsdrama waren aber nicht nur seinem Comeback zu verdanken. Für Malick-Nichtkenner hielt Der schmale Grat einiges an neuen und nicht totgelaufenen Sichtweisen fürs Kino parat und konnte – zumindest mich jedenfalls – mit seinem philosophischen Diskurs überzeugen. Der schmale Grat zähle ich zu den besten Kriegsfilmen, weil so deutlich wird, wie der Mensch in einem für ihn geschaffenen Paradies ein Miteinander mit Füßen tritt.

    So manche Filme später dann, nach einigen seifigen Ausrutschern ins Kino und die Goldene Palme für The Tree of Life: die Rückkehr zu einer Qualität, für die Malick zu Recht seinen Platz in der Filmgeschichte hat: Mit Ein verborgenes Leben hat sich der Künstler der Lebens- und Leidensgeschichte des Hitlerschwur-Verweigerers Franz Jägerstätter angenommen – und eine so visuell wie erzählerisch überwältigende Studie über die Essenz des Widerstands gegen eine ungerechte Gewalt kreiert. Das anders Interessante dabei: Malick besetzt für seinen Film bis auf wenige Ausnahmen durchwegs deutschsprachige, lokale Schauspielgrößen, die vielleicht jenseits des Sprachraums wenig Bekanntheit haben. Als Hauptprotagonist steht ihm August Diehl zur Verfügung, ihm zur Seite Valerie Pachner. In den Nebenrollen zumindest hierzulande illustre Namen wie Johannes Krisch, Karl Markovics oder Tobias Moretti. Bei Terrence Malick mitzuspielen dürfte für sie wohl ein wahrgewordener Traum gewesen sein. Dementsprechend legen sie sich auch ins Zeug – und bilden ein Ensemble, das Malicks Gedankengänge und sein Vorhaben, einen etwas anderen Heimatfilm zu erzählen, tatkräftig unterstützen.

    Kinematographisch gesehen ist Ein verborgenes Leben ein Meisterwerk. Mit der weitläufigen Kulisse des zentraleuropäischen Alpenlandes, mit all seinen Almen, Bauernhöfen und dergleichen schafft der Regisseur ein exklusives, nicht oft gesehenes Ambiente einer zwar gemäldehaft stilisierten, aber intensiv naturverbundenen Lebensweise zwischen mühseliger Landwirtschaft und entrücktem Kindertraum von einer Insel der Seligen am Land. Wie er das einfängt, mit seinen typischen Weitwinkelaufnahmen, die er nahe ans Geschehen rückt und seinem scheinbar intuitiven Schnitt der Szenen, die das Wesentliche geradezu herausschälen, ist von akkurater Raffinesse. In dieser so fremden wie vertrauten Welt sind Bürgermeister, Müller, Dorfpfarrer oder die Töchter Jägerstätters wie Reflexionen eines zerbrochenen Spiegels, erhaschte Fragmente einer Erinnerung eines bereits Hingerichteten und der Endlichkeit erhaben. Das ist fast schon messianisch. Für diese Interpretation spricht auch die Szene mit NS-Richter Bruno Ganz, der wie Pontius Pilatus den Andersdenkenden fragend auf die Probe stellt.

    Wobei ich zugeben muss, dass mir die Entscheidung des selig gesprochenen Landwirts, offenen Auges in den Tod zu gehen, und zwar für ein Lippenbekenntnis, das in keinster Weise das Herz berührt, schwer fällt nachzuempfinden. Die eigene Familie im Stich lassen? Für mich ein Ding der Unmöglichkeit. Jägerstätter ist kein Prediger, vielmehr ein stiller, unbeirrbarer Leider, der sich für die Klarsicht auf Recht und Unrecht opfert. Auf lange Sicht und der Zeit geschuldet ein denkwürdiges Manifest des Schweigens. Zu Lebzeiten womöglich verbohrter Egoismus. Gerade diese Ambivalenz macht das Ganze noch interessanter.

    Terrence Malick hat eine langsame (aber nie langweilige), hypnotische Meditation entworfen. Eine Bilderflut, auf die man sich einlassen wird. Die viel Sitzfleisch erfordert, und die gar nicht darauf aus ist, Jägerstätters radikalen Entschluss zu verstehen. Die aber fesselt, berührt und nachdenklich stimmt.
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    Filmdoktor
    Filmdoktor

    User folgen 2 Follower Lies die 39 Kritiken

    4,5
    Veröffentlicht am 8. November 2020
    Dem Gewissen folgen - bis zur letzten Konsequenz -

    Franz Jägerstätter lebt mit seiner Frau Fani und seinen Kindern im österreichischen Ort Radegund, mitten in den Bergen. Sein kleiner Hof liegt abgeschieden und die Schrecken des Zweiten Weltkriegs sind weit. Doch nach einer militärischen Ausbildung und kurzzeitiger Zurückstellung vom Wehrdienst wird auch Jägerstätter 1943 eingezogen, um seinen Dienst an der Waffe zu leisten. Jägerstätter sieht keinen Sinn in diesem Krieg und will als gläubiger Christ keinen Eid auf Adolf Hitler leisten.
    Im Dorf wendet sich recht bald die Stimmung gegen Franz und seine Familie. Der Bürgermeister versucht ihn von seiner "Pflicht für sein Volk" zu überzeugen und hält Reden über die "neue Zeit", die mit Hitler angebrochen sei. Der Pfarrer des Ortes erinnert Franz an die Konsequenzen seines Handelns, insbesondere für seine Familie. So treffen die Ausgrenzung auch Fani Jägerstätter und ihre drei kleinen Töchter, die von anderen Kindern mit Steinen beworfen werden. Vom Bischof erhält Franz in seiner Glaubens- und Gewissensnot ebenfalls keine Hilfe, auch dieser scheint durch die allgemein verbreitete Angst vor dem Regime gelähmt.
    Als Franz Jägerstätter nach seiner Einberufung den Eid verweigert, wird er inhaftiert, verhört und gequält. Doch statt nachzugeben und dafür von Strafe verschont zu bleiben, hält er an seinem Glauben an die Menschlichkeit fest.

    Regisseur Terrence Malicks Film „Ein Verborgenes Leben“ basiert auf der Biografie „Er folgte seinem Gewissen. Das einsame Zeugnis des Franz Jägerstätter“ von Gordon Zahn. Im Vergleich zu Malicks anderen Filmen (z.B. "Der schmale Grad" oder "Tree of Life") ist "Ein verborgenes Leben" geradlinig und klar erzählt. Jedoch steht auch in diesem Film der typische Stil von Terrence Malick im Vordergrund: lange Einstellungen wie Stilleben, ein meditativer Bilderfluss, relativ wenige Dialoge, dafür aber Reflexionen aus dem Off (dieses Mal in Form von Briefen der Eheleute Jägerstätter), beeindruckende Kameraführung und ebenso beeindruckende Schauspieler.
    Obwohl linear erzählt (das Idyll des Bergbauern, erste Anfeindungen wegen der Ablehnung des Nationalsozialismus, schließlich Verhaftung und offener Hass bis zur Hinrichtung), geht der fast dreistündige Film nicht in den äußeren, recht spärlichen Fakten auf, sondern will einen durch den christlichen Glauben motivierten Gewissenskampf eines Menschen darstellen, der das Richtige tun will, obwohl er andere dadurch unweigerlich verletzt.

    Bei aller historischen Darstellung (unterstützt durch exakte Ausstattung und die Einbindung von Wochenschaubildern, z.B. vom Reichsparteitag in Nürnberg oder vom Obersalzberg) wird der Film durch das sich immer weiter zuspitzende Ringen der beiden Eheleute zu einer nahezu zeitlosen Meditation über Glaube und Gewissen, Liebe und Gewalt. Die Kunst der Inszenierung besteht u.a. auch darin, Fani Jägerstätter ebenso viel Platz einzuräumen wie dem im Zentrum handelnden (bzw. zuletzt völlig passiv bleibenden) Franz. Es ist eben nicht die Passion eines Einzelnen sondern mindestens die Passion des Paares. Mag die Darstellung der Familienidylle gelegentlich nah an den Kitsch heranreichen, so ist doch die Haltung Franz Jägerstätters zuletzt aus dem Kraftfeld dieser Beziehung heraus verständlich und wirkt niemals fanatisch. Franz Jägerstätter wird weder als engstirnig noch als Opfer gezeichnet, sondern das Ringen mit seiner Entscheidung bleibt (oft wortlos) präsent.

    Länge und Machart (wie bei fast allen Filmen Mallicks) bedeuten eine Herausforderung und verlangen nach Konzentration, aber wer sich auf diese bildgewaltige Reflexion der konsequenten Gewaltlosigkeit einlässt, wird nachhaltig beeindruckt. Der Film wirkt lange nach und erreicht spirituelle Qualitäten. Sehr sehenswert!

    Bei den Filmfestspielen in Cannes 2019 wurde "Ein verborgenes Leben" für die goldene Palme" nominiert und erhielt dann den Preis der Ökumenischen Jury.
    Andi
    Andi

    User folgen 1 Follower Lies die Kritik

    5,0
    Veröffentlicht am 8. Februar 2020
    Grandioser Kinofilm mit überzeugenden Darstellern, atemberaubend schönen Naturaufnahmen und ergreifenden Szenen über Liebe, Ehrlichkeit, Authentizität, Integrität und Gewissen. Über drei Stunden ein wunderschöner Film aber zugleich auch eine schwere und bedrückende Kost. Alle Darsteller sind hervorragend gut besetzt, Drehbuch, Regie und Kamera einfach perfekt. Besonders gefallen haben mir - neben den Hauptdarstellern - der kurze Auftritt von Bruno Ganz als Richter und Tobias Moretti als Vikar, der nach seiner Rolle als Bösewicht im TV-Film: "Das finstre Tal" nunmehr als Kirchenmann überzeugte. Der Film zeigt sehr anschaulich, wie Anfeindung und Ausgrenzung in einem Dorf langsam aber unerbittlich ihren Lauf nehmen.......und wie schleichend und subtil geistige Brandstiftung vonstatten geht.....besonders gut in der Rolle des Dorf- Bürgermeisters sichtbar......Ein sehr empfehlenswerter und durchaus lehrreicher Film, dem man viele Zuschauer wünscht!
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