Die hilfreichsten KritikenNeueste KritikenUser mit den meisten KritikenUser mit den meisten Followern
Filtern nach:
Alle
Frriday
10 Follower
76 Kritiken
User folgen
2,0
Veröffentlicht am 15. September 2026
In dem mittlerweile schwächer werdenden Filmangebot auf der ARTE-Plattform, in dem sich sogar Klamauk à la "Türkisch für Anfänger" und andere abgedroschene deutsche Produktionen finden lassen, ragen vor allem französische Filme heraus, von denen ich nicht wenige als gut bezeichnen würde. Dennoch habe ich eine negative Überraschung entdeckt, von der ich mir, als ich den Namen François Ozon las, eigentlich mehr versprach.
Ozons Werke erhielten schon mehrfach Einladungen zu den großen europäischen Filmfestspielen. So auch sein Spielfilm "Der andere Liebhaber" aus dem Jahr 2017, den ich mir heute angesehen habe. Ungewöhnlich war für mich, dass der Film nicht auf 35-mm-Film, sondern digital gedreht wurde. Dadurch wirkte die kühle Atmosphäre, die ich an französischen Filmen mag, weniger kunstvoll, sondern eher uninspiriert und fast wie eine Fernsehproduktion. Doch ein gutes Drehbuch könnte, überspitzt formuliert, sogar mit einer Smartphonekamera gedreht werden, denn eine gute Geschichte ist die halbe Miete – den Rest erledigen Kamera, Schnitt, Soundtrack und natürlich die Darsteller. Und hier fangen die Probleme an. Der Film greift auf Spezialeffekte zurück, was digital normalerweise besser umsetzbar ist. Hier sind sie jedoch auf dem Niveau von B-Movies. Hinzu kommen die überforderten Hauptdarsteller Marine Vacth und Jérémie Renier sowie Jacqueline Bisset in einer kleinen Nebenrolle. Sie, ein bekanntes Model im echten Leben, blickt fast den ganzen Film über bedeutungsschwanger in die Leere oder durchdringend ihren Geliebten an. Hier und da huscht ein verlegenes Lächeln, das sie als Model erlernt hat, über ihr hübsches Gesicht. Er, ein smarter, maskuliner Belgier, der auch irre, durchdringende "kinskische" Blicke draufhat, wirkt in seiner Doppelrolle etwas verloren. Sein Potenzial ist zwar sichtbar, aber seine Rollenauswahl war hier nicht gut getroffen. Die Idee der Geschichte ist nicht neu, dennoch etwas spannend, aber mit einer anderen Technik, besserem Casting und dem Verzicht auf die billigen digitalen Effekte hätte Ozon vielleicht seine erste Trophäe geholt. So war er nur einmal mehr dabei, aber aufgrund seiner Eitelkeit völlig chancenlos.
Zu Beginn originell strukturierter Film, der aller zehn Minuten das Genre zu wechseln scheint. Leider verkommt der auf die psychische Labilität der Protagonistin fokussierte Film immer mehr zum plumpen Erotik-Thriller, der in billiger TV-Manier auf eine Auflösung hinarbeitet, anstatt sich weiterhin dem Innenleben der Beteiligten zu widmen; ein Fehler, der rückwirkend auch den Anfgangszenen die TIefe zu nehmen scheint.