Der in South Carolina (Vereinigte Staaten von Amerika) gefilmte und am 3. August 2000 veröffentlichte Film "Der Patriot", bei welchem Roland Emmerich Regie führte, verfolgt in 175 Minuten die Geschichte des friedfertigen Familienvaters Benjamin Martin in seinem Kampf gegen die Briten zur Zeit des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs 1776. Trotz seiner Ablehnung von Gewalt muss sich Benjamin eingestehen, dass er seine Familie nur beschützen kann, indem er die gewalttätigen Taten der Briten mit Gewalt bekämpft. Dabei verfolgt der Film die Gesamtaussage, dass Menschen, die für ihre Rechte und Freiheit kämpfen, unberechenbar und am stärksten sind.
Der Film kann trotz seiner starken Besetzung mit Mel Gibson als Benjamin Martin und Heath Ledger in der Rolle des ältesten Sohnes von Benjamin namens Gabriel Edward Martin, die beide mit ihren glaubhaften Schauspielkünsten überzeugen können, nicht als ein Meisterwerk betrachtet werden, da der Film viel zu vorhersehbar ist. Es ist durchgängig offensichtlich, was in der nächsten Szene passiert. Taten und darauf folgende Tode der einzelnen Charaktere kommen nicht überraschend und sorgen dafür, dass der Film langweilig wirkt und den Spaß beim Schauen des Films verdirbt. Auch die vielen Kampfszenen können daran nichts ändern. So gut wie jeder Kampf besteht aus Zeitlupen-Sequenzen, Gesichtsaufnahmen und epischer Musik, die die Dramatik der Szene untermalen soll. Doch diese Eintönigkeit der Kampfszenen sorgt nicht für Spannung, sondern vielmehr dafür, dass sich der Film zu stark in die Länge zieht. Nicht einmal der finale Kampf kann da noch überzeugen.
Außerdem spielt der eigentliche Unabhängigkeitskrieg in diesem Film eine nebensächliche Rolle. Vielmehr verfolgt der Zuschauer einen Racheakt der Hauptpersonen, wobei der Film eine klare Trennung von Gut und Böse vornimmt. Die Briten werden als kaltherzige Menschen dargestellt, die vor nichts zurückschrecken, bis sie ihr Ziel erreicht haben. Bis auf ein paar mitleidende Blicke einiger Soldaten repräsentiert die Darstellung der britischen Armee das Böse. Dem gegenüber stehen die Patrioten mit Benjamin Martin. Der Zuschauer soll sich auf ihre Seite stellen und sich mit ihnen identifizieren und zugleich die gegnerische Seite ablehnen. Erreicht wird dies durch Szenen, in denen Benjamin bei seiner Familie ist und deutlich wird, dass er lieber bei seiner Familie wäre. Er sei jedoch dazu gezwungen zu kämpfen, da die kaltherzigen Briten keine Ruhe geben würden, bis alle Aufständischen tot seien.
Abgesehen davon spielen in dem Film die Loyalisten, die Sklaven und die Indigenen eine minimale Rolle oder werden komplett ignoriert. Vermutlich liegt diese Reduzierung daran, dass es hauptsächlich um den Patriotismus, wie es der Titel verspricht, gehen soll, allerdings verkauft der Film ein falsches Bild vom Unabhängigkeitskrieg. Die Darstellung macht weis, dass nur die Kontinentalarmee gegen die britische Armee gekämpft habe. Zudem wirkt es so, als sei lediglich Benjamin Martin den Krieg ablehnen und alle anderen Amerikaner seien für den Krieg gewesen, weshalb die Briten ohne amerikanische Unterstützung gekämpft hätten. Gerade diese verzerrte Darstellung des Kriegs ist zwar verständlich, aber für einen Historienfilm, der wahre Personen zum Vorbild hat, keine gute Darstellung, um die Geschichte näherzubringen.
Insgesamt finde ich, dass auch wenn die Idee des Films, den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg aus Sicht einer bestimmten Person darzustellen, meiner Meinung nach sehr interessant ist, der Film bei seiner Umsetzung enttäuscht. Trotz der hervorragenden und überzeugenden schauspielerischen Darbietungen der Hauptcharaktere ist der Film viel zu lang gezogen und eintönig. Die Versuche, Spannung aufzubauen, scheitern an der Vorhersehbarkeit des Films und dem durchweg gleichen Aufbau der Kampfszenen. Schlichtweg fehlt es dem Film an überraschenden Handlungswenden wie beispielsweise eines Seitenwechsels von Figuren.