Wow! Was für ein starker Film! Dramen über das US-amerikanische Rassismus-Thema gibt es viele, aber noch nie wurde es so eindringlich und bewegend durch die Augen einer Teenagerin erzählt. Starr wächst schon unter relativ ungewöhnlichen Bedingungen auf, ihre Eltern schicken sie auf eine Privatschule (die natürlich überwiegend von weißen Rich Kids besucht wird). Gleichzeitig wohnt sie mit ihrer Familie in einem von Schwarzen bevölkerten, ärmlichen Stadtteil, diese Konstellation alleine ist ja schon hochexplosiv. Dennoch managt das Mädchen diese Situation außergewöhnlich gut, sie hat sogar einen weißen Freundeskreis, und auch ihr Boyfriend ist weiß. Das wackelige System gerät aber endgültig ins Wanken, als ihr alter Jugendfreund in ihrem Beisein bei einer Polizeikontrolle (grundlos) erschossen wird. Ab hier nimmt der Film eine dramatische Wendung und es tun sich endgültig die wahren Abgründe der US-amerikanischen Gesellschaft und ihrer Rassenthematik auf.
Das ist erschreckend und gruselig an sich, wird hier aber nochmal auf ein ganz anderes Level gehoben durch die unfassbar starke Performance von Amandla Stenberg! Es ist ihre Figur und ihr Spiel, die das ganze Drama erst emotional zugänglich und erfahrbar macht. Wir erleben alles durch ihre Augen und aus ihrer Lebenswelt heraus, was dem Ganzen noch einmal eine ganz andere Gewichtung gibt, als wenn die Geschichte durch einen Erwachsenen erzählt würde. Dabei wird immer wieder überall gesagt, der Film richte sich an ein jugendliches Publikum, das mag vielleicht sein, aber meiner Meinung nach funktioniert der auch für ein erwachsenes Publikum ganz hervorragend. Lediglich der Schluss gerät dann doch etwas zu sehr nach Hollywood und wirkt mit Blick auf den bisherigen Film wenig nachvollziehbar und organisch. Aber da kann man drüber hinwegsehen, zumal der Film bis dahin wirklich großartig ist!
Es ist ganz überwiegend der fantastischen Amandla Stenberg zu verdanken, dass der Film so gut funktioniert und den Zuschauer so heftig emotional involviert. Der übrige Cast wirkt demgegenüber geradezu blass. Russel Hornsby als Starrs Vater hat mir für meinen Geschmack etwas zu dick aufgetragen, wie er seine Familie so krass indoktriniert. Aber vielleicht muss die Figur so sein, um Starrs Ausgangssituation klarer zu machen. Ich kenne das Buch leider nicht, also kann ich das nicht beurteilen. Anthony Mackie, unser neuer Captain America, hat lediglich eine kleine, aber sehr fiese Rolle, die insgesamt besser zu ihm passt, als seine Marvel-Figur.
FAZIT: Bewegendes und intensiv inszeniertes Drama, in dessen Zentrum eine 16-jährige Schwarze steht, die ein heftiges Ereignis mitten rein in die Rassenthematik der USA wirft. Durch eine schlichtweg überragende Protagonistin sowie eine dramatische und sehr atmosphärische Inszenierung ist Regisseur George Tillman jr. Hier nichts Geringeres als ein Meisterwerk gelungen! Absolut sehenswert!