Die Ouvertüre setzt ein. Ein Schiff fährt in den Hafen ein. Eine einzige Kameraeinstellung. Alles wirkt unruhig. Die Kamera dreht sich wild umher. Ein epochaler Soundtrack setzt ein. Die Freiheitsstatur steht zunächst auf dem Kopf. Der Titel blendet ein. The Brutalist! Seit langem mal wieder Gänsehaut im Kino.
Es ist wahrlich beeindruckend was Bradley Corbet mit seinen gerade einmal 10 Millionen Dollar auf die Leinwand gezaubert hat, denn „The Brutalist“ wirkt wie ein aus der Zeit gefallenes Meisterwerk, das sich den Titel Epos nicht nur wegen seinen 3,5 Stunden Laufzeit verdient hat, die sich nie so angefühlt haben.
László Toth ist ein Architekt, ungarischen Ursprungs und jüdischen Glaubens, dem während der NS-Zeit die Flucht ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten gelingt und dort zunächst bei seinem Cousin unterkommt. Nach einem Auftrag im Haus eines reichen Unternehmers wird dieser bald auf seine Arbeit aufmerksam und möchte dass Toth ein einzigartiges Gebäude für ihn entwirft und bauen lässt.
Alleine durch seine Struktur wirkt Corbets Epos wie aus der Zeit gefallen. Die Textur der Bilder erzeugt einen glaubhaften Realismus, der durch die Einstellung im Format den Eindruck einer echten Biografie erzeugt, obwohl die Geschichte frei erfunden ist. Der tragende Soundtrack untermalt dazu die riesigen Bilder, die Corbets auch mit geringem Budget besser zaubert, als Millionen schwere Hollywoodblockbuster.
Dank der Unzähligen Themen und dem starken Drehbuch schafft er es auch über die gesamte Laufzeit nie langweilig oder langatmig zu werden. „The Brutalist“ zelebriert den amerikanischen Traum, der aber schnell in die harte Realität schlägt. Auch wenn der Film in der Vergangenheit spielt, so hat er doch stets eine erschreckend aktuelle Note, die auch leider nie ihre Wirkung verlieren wird. Lászlós Talent wird zu jeder Zeit von jenen ausgebeutet, die es selbst nicht haben. Diese geben sich zunächst kultiviert und höflich, nur um dann doch recht schnell die Fratze des Rassismus zu werden, der jeden Menschen verabscheut, der nicht in ihr ebenfalls sehr arisches Rollenbild passt. Das Kapital bestimmt alles und so bleibt die Macht immer bei den selben und auch großes Talent hat keine Chance sich hervorzutun. Was sich, nicht nur in den USA, wieder stark beobachten lässt. „The Brutalist“ greift sämtliche großen Themen auf und balanciert diese ausgewogen über die 215 Minuten Spielzeit. Man könnte ihm zwar vorwerfen dass er etwas zu dick aufträgt, jedoch finde ich alle Thematiken richtig und wichtig, auch im aktuellen politischen Diskurs.
Hervorheben muss man an dieser Stelle auch die darstellerische Leistung der drei Hauptfiguren. Adrien Brody ist ein echtes Brett und übertrifft seine Leistung aus „Der Pianist“ nochmal deutlich. Mit ihm steht und fällt alles. Aber sein Spiel ist wahrlich beeindruckend und eines der besten, welches ich je gesehen habe. Felicity Jones als dessen Frau, taucht zwar erst in der zweiten Hälfte auf, doch auch sie zeigt erneut, weshalb sie so eine ausdrucksstarke Darstellerin ist. Guy Pearce als Widersacher Harrison gibt zudem die beste Leistung seiner Karriere und beschert ihm endlich die Aufmerksamkeit, die er schon lange verdient.
Kurz: „The Brutalist“ verdient sich den Rang des Epos und wirkt dank seines Handwerks, positiv aus der Zeit gefallen. Das Schauspiel ist überragend und die Dialoge und Struktur so mitreißend, dass man nie den Eindruck hat 215 Minuten Film zu sehen. Auch Thematisch nimmt er den amerikanischen Traum auseinander und passt mit all seinen Themen wunderbar in die Zeit und ist noch immer ein mahnendes Mahl!