FS: "Mit einigen unvorhergesehenen Wendungen und seinem grandiosen Sounddesign entpuppt sich "Oblivion" aber nichtsdestotrotz als bahnbrechende Zukunftsstudie und faszinierendes Kinoerlebnis."
Da dieses positive Fazit eigentlich nur an der Oberfläche von "Oblivion" kratzt, wundere ich mich umso mehr über die vergleichsweise schlechte Bewertung gegenüber mainstreamtauglicheren Materialschlachten wie "Ironman 3" oder auch "Star Trek: Into Darkness"..in denen auschliesslich der in sensationell vorbeirauschenden Bilderkaskaden verpackten Form gehuldigt wird, hinter der jeglicher Inhalt/Tiefgang allerdings zurückzutreten hat.
Es ist auf jeden Fall ein Film den man sich zweimal anschauen sollte, selbst wenn die "unvorhergesehenen Wendungen" dann vorhersehbar geworden sind.
Wie der mit Bedacht ausgewählte Titel "Oblivion" nahelegt, geht es um Vergessen, Verdrängung, um (seelische) Verwüstung, die sich z.B. in den imposanten Panoramen eines von Naturkatastrophen& Kriegen verwüsteten Planeten Erde widerspiegelt.
Wie es auch um bewusstes Sein, um Freien Willen, im Gegensatz zu selbstvergessener, unbewusster, Programmierung bzw. Konditionierung folgender Existenz geht, die sich selbst bei unmittelbarer Konfrontation mit Wahrheit konsequent weiter in Selbstverleugnung flüchtet.
Aber eben auch darum, dass es in uns allen etwas gibt (die Seele ?), was sich selbst unter den widrigsten Umständen nicht einfach so entfernen oder wegkonditionieren lässt und untrennbar mit unserer ureigensten Befähigung, unserer Empfindungsfähigkeit, unserer Vorstellungskraft "Mensch" und damit menschlich zu sein, verknüpft ist.
Ebenso wird ein wacher Geist auch jede Menge symbolische Bezüge, allein in der Existenz, Vorgehensweise und Darstellung des Tet (Tetrahedon) erkennen.
Oblivion hebt sich auch deutlich von Alien-Invasionsfilmen ab, in denen superzivilisiert-hochtechnisierte, uns in jeder Hinsicht überlegene Ausserirdische selbst nach jahrhundertelanger Planung doch noch irgendwie zu blöd sind, von ihrem Vorteil Gebrauch zu machen und dann folgerichtig von patriotischen GI's (im Alleingang) ins All zurückgejagt werden.
Von klaren Bezügen zur aktuellen Realität und weltweit aufkommender Diskussion wie es nun auf unserem Planeten im leicht wahnsinnig gewordenen Zeitalter vermeintlicher "Globalisierung" weitergehen soll, mal ganz abgesehen.
Diese "Aliens" greifen nicht ohne Grund zuerst den Mond an, der symbolisch für das Unbewusste, das ins Unterbewusste Verdrängte, für Illusion, Manipuation, Wahnsinn und Täuschung steht.
Oder er (der wache Geist) wird mit der Frage konfrontiert wird ob Gott eine Maschine ist, oder eine seelenlose Maschinerie als Gottesbild" als hohes Ideal einer neuen aber trügerischen Hoffnung fungiert.
Die hochtechnologische Kühle ohne Emotion in der Inszenierung, umrahmt durch schwachsinnige Propaganda-Slogans wie "Ein neuer Tag im Paradies" und Quasi-Personal Mangagement-Neuprech ( "Sind sie ein effektives Team?") bezieht sich nämlich nur auf die eine Seite des Casts.
Irgendjemand schrieb, dass der Showdown schon stark an Independence Day erinnert (oder auch an "Stargate"- da hat Emmerich wohl bei sich selbst abgekupfert), aber eigentlich ist das nur das typische Klischee eines kassenträchtigen Showdowns in endloser Variation.
Mit ID hatten wir das gewünschte publikumsbegeisternde Ende eines spaßigen, aufgeblasenen B-Movies, wo den Invasoren von neuerwachten Weltpatrioten mit lustig-coolen Sprüchlein kräftig in den Allerwertesten getreten wird - und darüber sogar noch alle zu im Kampf globalisierten Unabhängigkeitstag-Amerikanern werden.
Dagegen ist das entschlossene "F*** you !" am Schluss von Oblivion doch noch mal von ganz anderer Qualität, denn hier siegt eindeutig die Menschlichkeit und der Freie Wille - ohne Plastik-identität bzw. Plastik-Ideologie..
Mag sein (da stimme ich schon zu) , das Kosinski nicht in allen Punkten cineastischer Betrachtung die Kurve gekriegt hat und so knapp an der Option vorbeigeschrammt ist einen echten Klassiker auf die Leinwand zu zaubern, wobei ich ihm die Anleihen und Zitate an Klassiker diese Genres, wie auch mögliche Ungereimtheiten im Aufbau nachsehe. "Oblivion" ist dabei für mich mehr so etwas wie eine verfilmte Legende, eine Parabel, ein mythisches Gleichnis und da sind Fiktion und Realität meist recht "unlogisch" miteinander verwoben - weil es um alles andere als um "Logik" geht...
Ein "Herausragend" (aus dem Overkill-Allerlei) hat seine Arbeit aber allemal verdient.
Ich dachte beim Betrachten oft an "Moon" mit seiner ähnlich kammerspielartigen Atmosphäre.
Aber auch an Ridley Scotts "Prometheus".