John Wick: Kapitel 4
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FILMGENUSS
FILMGENUSS

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3,5
Veröffentlicht am 25. März 2023
GOODBYE TO YOU MY TRUSTED FRIEND
von Michael Grünwald / filmgenuss.com

Alles beginnt eigentlich damit, dass sein Hundewelpen Daisy unter brutaler Einwirkung von außen das Zeitliche segnen musste. Und damit, dass sich jene Übeltäter, die das Haustier auf dem Gewissen haben, auch noch seinen Ford Mustang klauen. Einer wie John Wick könnte diese Unbill, unter Berücksichtigung dessen, was er alles schon erlebt hat, auf die leichte Schulter nehmen. Er muss es aber nicht. Wäre seine Frau nicht vor Kurzem erst an einer Krankheit verstorben, wären die weiteren Entbehrungen vielleicht zwar tragisch, aber zu bewältigen gewesen. So kommt alles zusammen – und der Killer im Ruhestand muss leider wieder seinen Instinkt aktivieren, um all jene zur Rechenschaft zu ziehen, die ihm Übles wollten.

Unter der Regie von David Leitch und Chad Stahelski erblickte 2014 eine dunkel umwölkte Figur des Actionkinos das Licht der Leinwand, die mittlerweile zur Ikone wurde. Schwarzer Anzug, schwarzes Hemd, strähnige Haare bis zur Schulter, die ein bärtiges Gesicht umrahmen, aus dessen Mund nur selten viele Wörter kommen. Der lakonische Rächer der Neuzeit war geboren. Eine Mischung aus Clint Eastwood, The Crow und dem Mann aus Stahl, der physische Belastung neu definiert, Schmerzen erduldet und Gegnern gerne aus nächster Nähe ins Gesicht schießt. Wick verfolgt weder ein hehres Ziel noch tritt er für andere ein wie John McLane. Sein Krieg ist reiner Selbstzweck, die Opferbereitschaft gleich null. Erlösung nur für sich selbst ist das Credo eines Egomanen. Und Keanu Reeves, schwerfällig und wortkarg, scheint diesen Finsterling zu lieben. Nach Weltenbefreier Neo aus Matrix ist dies die nächste Instanz – in einer Welt, die genauso projiziert scheint wie das grünstichige Elysium, in welchem die Menschheit in ferner Zukunft dahindämmert. In dieser Welt, unserer recht ähnlich, herrscht die Hohe Kammer – eine Killer-Gilde, die bis in die höchsten Kreise der Welt- und Konzernregierung ihre Bonzen sitzen hat. Niemand kann der Hohen Kammer das Handwerk legen, sie ist so unangreifbar wie Hydra oder Spectre. Bricht einer, der dem Verein angehört, auch nur irgendwie die Regeln, bläst das Syndikat zum Halali. Und die weltbesten Killermaschinen können sich, wenn sie geschickt sind, satte Prämien einstreichen, wenn sie dem Falschspieler das Licht ausblasen.

Niemand hat mit ihm gerechnet, mit John Wick, der immer noch die Wut ob seines getöteten Hundes im Bauch hat und sich durch Kapitel 2 und Kapitel 3 hindurch gegen den Rest der Welt erwehren hat müssen. In Kapitel 4 scheint nun alles auf eine Götterdämmerung hinzudeuten. Der schmierige und diabolische Franzose Marquis de Gramont (Bill „Pennywise“ Skarsgård), einer der Oberen der Hohen Kammer, hat grünes Licht dafür bekommen, mit Wick zu verfahren, wie er gerne will. Dafür engagiert er den in Killer-Rente gegangenen Chinesen Caine (Donnie Yen, genauso blind und im Stockkampf so versiert wie sein Alter Ego Chirrut Imwe aus Rogue One – A Star Wars Story ). Der will natürlich nicht gegen einen guten alten Freund antreten, muss aber, wenn ihm das Leben seiner Tochter lieb ist. Die erste Begegnung der beiden erfolgt dann im Continental Hotel in Japan, Zuflucht für Jäger und Gejagte. Von da an rast der Body Count wie der Blutdruck eines Cholerikers nach oben, es wird gekämpft, geschossen, gefallen und wieder aufgestanden. Glas splittert, Blut spritzt – aber nur dezent. Wem diese Art der Konfrontation liegt, der wird auch die nächsten zwei Stunden sein Vergnügen finden. Da alles auf ein Finale hinausläuft und die Geschichte am Ende des Films auserzählt sein wird, glänzt das dritte Sequel auch wirklich mit einem viel straffer gezogenen Narrativ, das genug Dramatik besitzt, um auch immer mal wieder Weisheiten vom Stapel zu lassen, die für das Heroic Bloodshed-Kino Asiens so unentbehrlich sind.

Einen guten Tod gibt es nur für ein gutes Leben. Sagt Hiroyuki Sanada als Hotelchef Koji in den wenigen Dialogsequenzen, die mit John Wick geführt werden. Oder: Wer sich an den Tod klammert, wird leben. Wer sich ans Leben klammert, wird sterben. Und schon ist sie da: die Apotheose der Action-Virtuosen, die jede Kampfkunst beherrschen und für die Frakturen nur antiquierte Schriftzeichen sind. Die vom dritten Stock auf den Asphalt fallen oder überfahren werden. Das passiert, wenn das Actionkino Amerikas so sein will wie die irren Poeten fernöstlicher Bleigewitter eines John Woo, Gareth Evans oder Ringo Lam: Gewalt wird zur Bühnenshow, zur üppig ausgestatteten Oper zwischen Kirschblüten und Eiffelturm. Chad Stahelski hat viel von seinen Vorbildern gelernt, entsprechend zielsicher hat er all sein Können auch in den letzten und womöglich besten Teil der Reihe hineingebuttert: John Wick: Kapitel 4 ist ein Fass ohne Boden, wenn es um stylishe Locations, entfesselte wie fancy Farbenspiele und wummernde Rhythmen geht. Die Kamera liefert ein Comic-Panel nach dem anderen, mixt diese mit Sequenzen wie aus einem Videospiel, wenn minutenlang nur die Sicht von oben John Wicks Eskapaden zeigt. Es ist, als hätte der lakonische Killer mit der Lust am Töten, die man ihm aber seltsamerweise nicht übelnehmen kann, seine ersten Handlungen als Graphic Novel-Antiheld absolviert. So mutet der Streifen als verfilmter Comicstrip an, der gar keiner ist.

Da sich Stahelski auch von der obszönen Brutalität so mancher asiatischen Alleskönner fernhält, bleibt auch die Gewalt entrückt und irreal. Mitunter kommt es vor, dass Opfer auf wundersame Weise verschwinden, wenn sie eliminiert wurden. Realität spielt also keine Rolle mehr, was zählt ist das schillernde Pathos eines Krieges „Einer gegen Alle“. Zynisch, melancholisch und mitunter auch witzig – Action als theatralische Kunstform.
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squashplayer
squashplayer

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4,5
Veröffentlicht am 2. April 2023
Dieser Film ist ein opulent inszenierter Action-Kracher, bei dem das Szenenbild von vorne bis hinten durchgestylt ist im typischen John Wick-Stil mit stimmungsvoller Beleuchtung. Fast schon künstlerische Bilder. Die Kampfszenen sind absolut brutal und eindrucksvoll. Dazu eine Prise Humor. Die hohe Qualität der ersten drei Filme wird nahtlos beibehalten. Eine klare Empfehlung, ich habe mich köstlich amüsiert!
vodkamartini
vodkamartini

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4,0
Veröffentlicht am 8. April 2023
Epik und Kinetik - John Wick als Freiheitskämpfer in eigener Sache

Wer das Wesen des Kinos analysieren oder dekodieren will, kommt an dem Begriff „Action“ nicht vorbei. Er steht für Bewegung, Handlung, ganz allgemein das Tätigsein. Nicht umsonst beginnt nach wie vor jede Ankündigung einer neu zu drehenden Szene mit diesem Schlagwort. Gleichzeitig, und vielleicht sogar noch mehr, ist er inzwischen aber auch als Genrekennzeichnung fest etabliert. Der Actionfilm definiert sich zuvorderst durch Bewegung, welche wiederum die Erzählhandlung vorantreibt, oder wenigstens rechtfertigt. Die Protagonisten sind permanent in Aktion und lösen so auch die zentralen Konflikte. Dazu wird häufig gerast, gerannt, geschossen und/oder gekämpft, was dem Genre in der allgemeinen Wahrnehmung den zusätzlichen Gewalt-Stempel verpasst hat.

Dass diese Stigmatisierung zu pauschal ist bzw. zu kurz greift, zeigt nicht zuletzt das Beispiel des Mission: Impossible-Franchises, das den Actionbegriff vor allem durch irrwitzige Stunts auf ein neues Level gehoben hat. Zu beobachten oder zu erkennen ist diese vielschichtigere Identität sogar beim aktuellen Genre-Primus John Wick. Sogar, weil die Filmreihe um den stoischen Auftragskiller vornehmlich als Gewaltorgie (bei Action-Kostverächtern) oder Ballerballett (bei Action-Gourmets) wahrgenommen und beschrieben wird. Zweifellos spielen Gewaltlevels und Härtegrad auch im Vergleich mit ruppigeren Genre-Kollegen in einer eigenen Liga. Bereits im Originalfilm pflügt sich John Wick regelrecht durch eine hohe zweistellige Zahl an Gegnern, die er zudem final fast ausschließlich per Kopfschuss ausschaltet. In den beiden Sequels werden die Angriffswaffen und Tötungsarten dann kreativer und unterschiedlicher. Das ist sicherlich dem stetig wachsenden Bodycount geschuldet, schließlich soll sich der Zuschauer nicht langweilen. Was aber in den Sequels auch immer mehr zu Tage tritt, sind die zwei weiteren Kennzeichen der Reihe, die dann in Summe den aktuellen Ausnahmestatus der Reihe zementieren. Vor diesem Hintergrund ist der neueste Ableger, John Wick: Kapitel 4, das Opus Magnum des Franchises.

Die Wick-Filme mögen vordergründig reinrassige Actionfilme im Sinne von „Ein Mann schießt sich durch“ sein. Was sie aber vom schnöden Genre-Standart abgrenzt, ja, weit darüber hinaus hievt, sind Bildkomposition und Stuntchoreographie. Irgendwo stand zu lesen, dass man sich praktisch jede Einstellung aus John Wick 4 als Poster ausdrucken und an die Wand hängen könnte. Das mag ein wenig nach nerdigem Faktum klingen, trifft aber die Essenz des neuesten Films sehr genau. Exemplarisch steht dafür eine Szene in der Filmmitte, als der New Yorker Concierge Winston im Auftrag John Wicks den Vertreter der Verbrecherorganisation konsultiert die ihn ein für alle Mal ausschalten will. Diese Zusammenkunft findet nicht etwa in irgendeinem schicken Hightech-Büro statt, sondern im Pariser Louvre. Und dieses Gespräch beginnt auch nicht sofort, sondern zuerst schreitet Winston an einem halben Dutzend weltberühmter Gemälde vorbei, bis er vor Eugene Delacroix „Die Freiheit führt das Volk“ stehen bleibt. Dort wie im Film geht es um Freiheit gegenüber einer als autoritär und verkrustet empfunden Institution, die ihre Ziele seit Generationen brutal und im genussvollem Bewusstsein der eigenen Macht durchsetzt. Dieser zugleich episch-elegische wie auch historisierende Ton zieht sich durch den ganzen Film und macht ihn vor allem zu einem optischen Fest. Besonders eindrucksvoll ist diesbezüglich der Auftakt in Japan, bei dem der dort gelebte Spagat zwischen Tradition und Moderne durch kunstvolle arrangierte Bildkompositionen von Kirschblütengärten und Neon/Chrom-Interieurs visualisiert wird.

Diese Mischung aus barocker Schwere und moderner Leichtigkeit prägt auch die Actionszenen. Dabei bilden Optik und Kampfchoreographie eine symbiotische Einheit, die in dieser Perfektion bisher nicht zu sehen war. Auf den uralten Stufen zur Pariser Score Coeur-Kirche geht es ruppig mit Faust und Pistole Mann gegen Mann, im stylischen Continental von Tokyo geben blitzende Schwerter und akrobatische Kampfkunst den Ton an und in einem Berliner Techno-Club folgen Schüsse und Tritte dem Beat des DJs.
Der ehemalige Stuntman Chad Stahles erweist sich dabei als visionärer Kopf. Schon zum dritten Mal in Folge variiert er die simple Grundformel des Ein-Mann-Feldzuges mit todschicken Bildern und fantastischen Action-Choreographien sowie -ideen. Einen Fall über mehrere hundert Stufen, ein von oben gefilmter Kampf durch dutzende Innenräume oder eine Massenkeilerei inmitten des dicht befahrenen Kreisverkehrs rund um den Pariser Arc de Triomphe sind noch nie dagewesene Schauwerte.

Kein Wunder, dass sich inzwischen zahlreiche Actiongrößen darum reißen ein Teil der Serie zu werden. Die wiederum profitiert ihrerseits von deren Expertise. Im Teil 4 ist es vor allem der chinesische Super-Star Donnie Yen, der für einen erneuten Qualitätsschub im Vergleich zum Vorgänger sorgt. Als blinder Killer Caine zelebriert der Besitzer einer eigenen Stuntmannschaft Kampfkunst auf allerhöchstem Niveau und ist schon allein das Kinoticket wert. Scott Adkins dagegen ist zwar kein Superstar, aber immerhin der aktuelle einzige westliche reinrassige Actiondarsteller mit einer immerhin stetig wachsenden Fangemeinde. Und auch sein Auftritt ist eines der Action-Highlights in John Wick 4. Um dabei zu sein, scheute er sich übrigens nicht einen ihn fast zur Unkenntlichkeit verdammenden Fatsuit zu tragen, in dem er auch noch schweißtreibende Martial-Arts-Kämpfe zu bestehen hatte.
Hauptdarsteller Keanu Reeves wirkt da im Vergleich etwas hölzern und ungelenk, ist aber dennoch Fix- Und Angelpunkt des Films. Er ist sicherlich kein großer Mime, aber wird auch häufig zu Unrecht belächelt. Trotz kaum Dialog stattet er den wortkargen Titelhelden mit einer charismatischen Aura aus melancholischen Stoiker und enorm präzisen Experten aus. Emotionen wie Wut, Trauer, Müdigkeit, Zuneigung oder Humor transportiert er beinahe mühelos über Blicke und Körperhaltung. Dazu nimmt man ihm trotz seiner 57 Jahre auch die körperlichen Szenen nach wie vor ab. Zwar sind seine Bewegungen langsamer und weniger fließend als die seiner Kampfkunst-Kollegen, aber in Sachen Wucht, Präzision und Effizienz ist er sehr überzeugend. Das monatelange Training und die von allen Beteiligten attestierte Hingabe beim Einstudieren der diversen Choreographien haben sich sichtbar ausgezahlt.

In Punkto, Action, Ideenreichtum, Atmosphäre und Optik ist John Wick: Kapitel 4 ein meisterhafter Film, den ,man unbedingt auf der großen Leinwand genießen sollte. Mindestens im Actionkino hat die Reihe einen Status erreicht, an dem sich alle anderen messen lassen müssen und an den nur sehr wenige heranreichen werden. Regisseur Chad Stahelski hat es ein weiteres Mal geschafft vornehmlich außeramerikanische Einflüsse von Sergio Leone, Akira Kurosawa, Park Chan-Wook zu einer marke zu formen, die weltweit für allerhöchste Actionkunst steht. Die schon in den Vorgängern vorhandenen Defizite einer sehr reduzierten Grundhandlung sowie das teilweise auftretende Problem etwas zu mechanisch und repetitiv ablaufender Kämpfe sind auch im vierten Film vorhanden, werden aber von der wieder grandios arrangierten Bilderflut weitestgehend weggepustet.

Bleibt die Frage nach dem Fortgang der Serie. Reeves und Stahelski halten sich bedeckt, aber angesichts der Qualität des Films und dem absehbaren Zuschauerzuspruch - John Wick 4 scheint der Regel treu zu bleiben, dass jeder Film den Vorgänger am Box Office übertrifft - dürfte zumindest ein fünfter Teil immer wahrscheinlicher werden. Das in dieser Hinsicht sehr geschickt konstruierte Ende lässt jedenfalls alle Möglichkeiten offen. Für das Kino an sich und die Actionfans im Speziellen wäre eine weitere Rückkehr John Wicks definitiv eine freudige Botschaft. Die Fusion von Epik und Kinetik ist nirgends so erlebbar und erfahrbar wie im dunklen Kinosaal. Auch in dieser Hinsicht steht der Perfektionist John Wick für Perfektion. Und Experten sieht man immer gern bei der Arbeit zu.

(Zuerst veröffentlicht am 7.4.23)
Kino:
Anonymer User
0,5
Veröffentlicht am 23. April 2023
Einer der schlechtesten und sinnentleertesten Filme aller Zeiten. Dramaturgie übel, Szenen kaugummiartig, Schauspiel marionettenhaft...
... wir wollen unser Geld zurück 
Kino:
Anonymer User
1,0
Veröffentlicht am 1. Mai 2023
Ich war absoluter Fan! Teil 1 und 2 Daumen hoch. Der Hauptdarsteller hat mich da echt mitgenommen. Ein kurzweiliges Actionspektakel.

Der Teil 4 ist ein 169 Minuten lang andauernder Kopfschuss und genau das hätten sie John Wick am Ende von Teil 3 verpassen sollen. Die Dialoge empfand ich als schlecht, der Text von Keanu Reeves hat gefühlt auf ein Post-it gepasst. Die Action-Szenen haben so schlimm gestellt gewirkt.

Leider hat der Regisseur mit diesem Teil der kompletten Reihe einen Bärendienst erwiesen. Absolut Schade.
Breite Masse im Hintergrund
Breite Masse im Hintergrund

12 Follower 89 Kritiken User folgen

3,5
Veröffentlicht am 13. März 2023
Als die John Wick Filmreihe damals im Jahr 2014 begann, ahnte man noch nicht, welche Ausmaße das Ganze annehmen würde. Keanu Reeves Comeback stand erst am Anfang; die Story um einen Ex-Profikiller, dessen Hund man getötet und das Auto gestohlen hatte, war noch halbwegs greifbar; und gerade einmal 400.000 Besucher in Deutschland waren auch nicht unbedingt ein Hauptgrund, die Geschichte noch weiter auszubauen. Das sah sogar der deutsche Filmverleih so und hat die Reihe abgegeben. So kann man sich täuschen.

Jetzt, knapp 10 Jahre später, ist John Wick zum aktuell größten Action-Einzelkämpfer-Franchise herangewachsen, was es auf der Leinwand zu sehen gibt. Schlagwörter wie die hohe Kammer oder das Continental sind jedem Action Fan ein Begriff. Und der Erfolg ist völlig zurecht da. Die Action ist stylisch, kompromisslos und einhundertprozentig unterhaltsam - Popcornkino vom Allerfeinsten.

Nun gehörte ich zu den glücklichen Menschen, die sich die Premiere in Berlin zusammen mit Keanu angucken durften. Teil 4 ist mit 169 Minuten schon eine Ansage, aber Keanu versprach auf der Bühne, die Länge sei absolut nicht spürbar und die Geschichte kurzweilig. Naja...

Zur Handlung: Nachdem Continental-Manager Winston John vom Dach abgeknallt und ihm somit das Leben gerettet hat, ist John Wick nun endgültig von der Leine gelassen worden. Er kennt nur noch ein Ziel: Die Auslöschung der hohen Kammer. Blöd nur, dass die auch die Schnauze voll hat und John ein für alle mal Tod sehen will. Dafür statten sie den Marquis de Gramont, einen jungen extravaganten Unterweltboss, mit der Carte Blanche aus, sämtliche Ressourcen der Unterwelt zu nutzen, um den legendären "Baba Yaga" zur Strecke zu bringen. Für John gibt es nur einen Ausweg: Ein nach den alten Regeln ausgetragenes, direktes Duell mit dem Marquis.

Wie gesagt, 169 Minuten! Wir hatten uns dieses Mal fest vorgenommen, den Body Count für diesen Teil zu ermitteln, haben es dann aber nach 10 Minuten aufgegeben. John Wick 4 bietet Action Nonstop von Sekunde 1 an bis zur Abspannszene. Dabei erkennt man deutliche Referenzen zum klassischen Samurai-Film, dem Hong Kong Kino oder dem guten, alten Spaghetti-Western. Das man auf die Story nicht viel geben muss, sollte nach den bisherigen 3 Teilen klar sein, wobei man sich trotzdem immer noch darum bemüht, dem roten Faden halbwegs zu folgen.

Für mich das absolute Highlight (und ich gebe zu, keinen seiner bisherigen Filme gesehen zu haben) des Films...ist nicht Keanu...sondern Donnie Yen. Was für ein Typ. Während man bei Keanus Szenen schon ein wenig die genauen Abläufe der Choreografie sieht, sind Donnie Yens Kämpfe einfach nur spektakulär, flüssig und atemberaubend schnell. Dazu hat seine Figur Caine ein Charisma und dazu noch eine glaubwürdige Motivation, so das jede einzelne Szene mit ihm ein Genuss war. Wer Donnie Yen bis dahin noch nicht kannte, wird ihn allerspätestens jetzt auf dem Schirm haben.

Was mir persönlich nicht gefallen hat, war die Länge der Ballerorgien und Kämpfe. Das mag aber nur Geschmackssache sein. Insbesondere die Treppenszene spaltete zumindest bei uns gestern die Gemüter. Während ich zu der Fraktion "Ehrlich jetzt?" gehörte, haben andere die Szene gerade deswegen so abgefeiert.

Insgesamt kann man sagen, dass John Wick 4 das abliefert, was er soll: Ein pures Actionfeuerwerk ohne Anspruch auf eine logische Story oder realistische, körperliche Verletzungen, denn dieser John Wick müsste wahrscheinlich schon vom höchsten Punkt des Eifelturms fallen, um eventuell darüber nachzudenken, morgen vielleicht ein bisschen kürzer zu treten. Wer das möchte, bekommt viel geboten für sein Geld! Alle anderen sollten den Film auch schauen und einfach dabei schmunzeln :-)
Riecks-Filmkritiken
Riecks-Filmkritiken

34 Follower 212 Kritiken User folgen

4,5
Veröffentlicht am 13. März 2023
Mit einem womöglich noch höheren Bodycount als je zuvor, ist JOHN WICK: KAPITEL 4 die Fortsetzung, die sich das Publikum wünscht. Hochgradig professionelle Stunts, einfallsreiche Kampfgeschehen, abwechslungsreiche Settings, mühevolle Kamerafahrten und -flüge, ein einnehmender und mitreißender Cast, eine mit den vorherigen Teilen homogene Handlung und Gags, die nicht dem albernen US-Klischeejoke entsprechen, sondern wirklich die Lachmuskeln beanspruchen, sind Teil dieses Leinwandphänomens. Selbst die Augen bleiben nicht ganz trocken, während ein Mindestmaß an Emotionen ausgespielt wird. Dadurch entsteht mindestens einer der besten Filme der Reihe, wenn nicht sogar der beste Film. Angesichts der ohnehin schon umjubelten Stellung dieser Actionfilme, mutiert Keanu Reeves neben Tom Cruise zum wohl letzten großen Actionhelden in einer Welt, in der wir künftig noch viel mehr kennen lernen wollen. Final bleibt nur noch zu erwähnen, dass Fans definitiv sitzen bleiben sollten, denn erst die Abspannsequenz rundet diesen brillanten Streifen komplett ab.

Die gesamte Kritik gibt es auf riecks-filmkritiken.de/john-wick-kapitel-4
Kino:
Anonymer User
3,5
Veröffentlicht am 16. April 2023
Im vierten Teil entfernen sich die Macher mehr und mehr von den Ursprüngen von John Wick. Der Action-Blockbuster versucht, eine tiefere Story zu erzählen und Emotionen zu wecken. Dies gelingt ihm jedoch nicht, stattdessen entstehen lange, zähe Dialoge. In diesen spricht Wick sogar noch relativ wenig. Trotzdem schafft es der Film, die Spannung über die ordentliche Länge zu halten. John Wick ist kein unbesiegbarer Gegner und ob es zum Happy End kommt ist bis zuletzt unklar.

Sobald es jedoch zur Action kommt, kommt es auch zu einem Fest auf der Leinwand. Zwar sind viele Kampfstile gleich, dies macht jedoch den Hauptcharakter auch auf seine Art authentisch. Es ist sein Kampfstil den er durch alle Teile zeigt. In den Kämpfen spürt man die Details. Freude hatte ich gerade in einer Szene, die ich so noch nie auf der Leinwand gesehen habe. Hier merkte man deutlich, wieviel Mühe und Herzblut in diesem Film steckt.
Crownfel
Crownfel

4 Follower 4 Kritiken User folgen

4,5
Veröffentlicht am 25. Mai 2023
John Wick 4 stellt seine beiden Vorgänger deutlich in den Schatten. Über die etwas in die Länge gezogenen und teils redundanten, nichtsdestotrotz beachtlichen Stunteinlagen des mittlerweile 58 jährigen Keanu Reeves kann man hinwegsehen, denn visuell und soundtechnisch glänzt der Film in all seiner Pracht. Von farb - und soundgefüllten Clubsequenzen in Berlin über Autoszenen am Berufsverkehr befahrenen Arc de Triomphe bis hin zu einem Häuserkampf, der so genial aus der Vogelperspektive gefilmt wurde wie ich es noch nie zuvor gesehen habe. Sozusagen ein Festmahl für sämtliche Sinneszellen, vor allem vor der großen Kinoleinwand. Einziges Manko: Man hätte den Film 30 Minuten kürzen können, durch das Cutten besagter sich wiederholenden Kampfelemente. Nichtsdestoweniger ein starkes Comeback der etwas abflachenden John Wick Reihe.
Kino:
Anonymer User
4,0
Veröffentlicht am 28. März 2023
Hallo Zusammen,
ich habe den Film gestern gesehen. Ich muß ehrlicherwise sagen, nach dem gefühlt 20sten Mal überfahren werden und nach dem 50sten Treppensturz des Hauptdarstellers könnte man sich schon etwas mehr einfallen lassen! Auch, dass die Gegner immer brav zumeist paarweise warten bis John Wick mit den anderen fertig ist ist mehr als unglaubwürdig! Richtig spooky war, dass Keanu Reeves im 3. Teil optisch um einiges älter wirkt als im 4. Teil, aber das hat wohl die Maske verbockt. Es gibt zum Teil sehr schöne Bilder z.B. in der Kirche. Sehr erfrischend war die Darstellung von Donnie Yen als Caine, der wie immer mit überragenden Kampfszenen punkten konnte! Nicht nur das, ich würde sagen, der Nebendarsteller hat den Hauptdsteller auch schauspielerisch völlig an die Wand gespielt! Donnie Yen sorgte für die teilweise sehr witzige Auflockerung des Geballers! Hund und Herrchen taten ihr übriges, insgesamt kann man den Film daher empfehlen!
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