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4,5
Veröffentlicht am 4. September 2026
„Saint Maud“ ist nichts Geringeres als ein modernes Meisterwerk, eine intensive psychologische Studie, die den Verfall und den Wahnsinn der Protagonistin hervorragend und auch zugleich sehr beängstigend bebildert. Dabei benötigt der Film keine platten Jumpscare, das Grauen schleicht sich sehr subtil durch die extrem dichte Atmosphäre und den schockierend dargestellten Verfall ihrer Psyche im Mahlstrom aus Schuld und Einsamkeit.
Großen Anteil daran, dass das so gut funktioniert hat auf jeden Fall die fantastische Morfydd Clark, sie spielt ihre Figur so perfekt ausbalanciert zwischen einer berührenden Verletzlichkeit und einer absolut bedrohlichen, unberechenbaren Gefahr. Ich kannte sie zuvor nur aus „Die Ringe der Macht“, wo sie mir auch schon aufgefallen war. Aber ihr Schauspiel hier ist absolut über jeden Zweifel erhaben – grandios! Aber auch die Inszenierung muss man positiv erwähnen. Man mag es kaum glauben, aber „Saint Maud“ ist eine Regiedebüt! Aber Rose Glass zeigt hier eine derartig nuancierte Perfektion, ich glaube, nicht umsonst wird sie auf den einschlägigen Foren mit den großen Meistern der Suspense (Roman Polanski, Martin Scorsese) verglichen.
Aber wenn bis dahin der Film schon beeindruckend und extrem beängstigend war, so knallt der Schluss und vor allem die sprichwörtlichen letzten Sekunden nochmal richtig rein und zieht dir den Boden unter den Füßen weg! Selten hat mich ein Film so mit offenem Mund zurückgelassen – unfassbar! Und auf dem Weg dahin werden quasi nebenbei so existenzielle Themen wie Schuld, das Leben mit einer Schuld, Flucht, Vergebung und psychischer Verfall behandelt.
Für „Saint Maud“ ist keine deutsche Synchronisation verfügbar und wie so oft zeigt sich, dass eine richtige Entscheidung ist. Morfydd Clark hat im Film eine sehr ruhige, flüsternde, man möchte fast sagen hypnostische Art zu sprechen, die großartig zu ihrem wachsenden Wahnsinn passt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man das in einer Synchronisation zu rüberbringen könnte. Und auch das ganze Sounddesign ist erstaunlich fein abgestimmt, der Film arbeitet ja sehr viel Mit Stille und sehr ruhigen Geräuschen. Das könnte bei einer Synchronisationsabmischung auch verloren gehen.
Insofern ist „Saint Maud“ ein fantastischer, aber auch sehr beängstigender Film für die Augen und für die Ohren. Unbedingt anschauen! Ganz klare Empfehlung von mir!