NA DANN MAHLZEIT
Rosa flüchtet aus Berlin zu ihren Schwiegereltern nach Ostpreußen, doch Ruhe findet sie dort keine Sekunde. Stattdessen landet sie zusammen mit sechs weiteren Frauen in der Wolfsschanze und wird zu Hitlers Vorkosterin ernannt. 200 Reichsmark für die Chance, dass die Kohl Überraschung die letzte Mahlzeit deines Lebens wird.
Die Vorkosterinnen geht ca. 120 Minuten und ist ab 12 Jahren freigegeben. Wir haben hier ein Historiendrama, das eigentlich alles hätte, um richtig unter die Haut zu gehen, Hunger, Krieg, Angst, Paranoia und jede Menge fragwürdiger Entscheidungen. Aber der Funke sprang bei mir nie so ganz über. Die Idee ist stark, weil kaum jemand wusste, dass Hitler tatsächlich Vorkosterinnen hatte. Ausgerechnet er, der größte Vegetarier mit dem fragwürdigsten Kochbuch der Welt. Der Film schafft es jedoch nicht, das Potenzial vollständig auszuschöpfen.
Die Frauen sind solide gespielt und überwiegend verbittert. Rosa als „Stadtfrau“ wird natürlich sofort als Fremdkörper behandelt, weil Dorfmentalität damals wie heute funktioniert. So richtig entwickelt sich niemand, jeder hängt in seiner eigenen Tragik fest. Und Rosa … ja, ihre Entscheidungen sind teilweise so fragwürdig, dass man sich fragt, ob der Kohl vielleicht schon vorher schlecht war.
Die Laufzeit ist das größte Problem. Für eine Geschichte, die überwiegend aus Essen, Rauchen und Bumsen besteht, sind 120 Minuten einfach zu gestreckt.
Das Finale im November 1944 bringt dann ordentlich Wind rein, Verzweiflung, plötzliche Wendungen und die Erkenntnis, dass man in Gegenwart von Fanatikern jeden Satz zweimal abwägen sollte.
Unterm Strich bleibt ein Film, der gute Schauspieler hat und eine starke historische Idee, der aber nie richtig in die Pötte kommt. Eine Story, die zu dünn ist, Figuren, die zu blass bleiben und eine Laufzeit, die sich länger zieht als Hitlers Gemüseliste.
6/10 Punkten. Krieg fragt nicht, ob du bereit bist, er serviert einfach und du musst schauen, ob du’s schlucken kannst.