Als ich zum ersten Mal einen Trailer zu The Creator sah, dachte ich: Wenn dieser Film nur ansatzweise so gut wird, wie der Trailer andeutet, muss es eines der Highlights des Jahres sein.
Erste Rezensionen fielen dann nicht alle so überschwänglich aus, sodass ich meine Erwartungen ein wenig gesenkt habe.
Aber als ich aus dem Kino kam, war ich definitiv nicht enttäuscht.
Es waren mehrere Gründe, die mich dazu bewogen haben, den Film zu sehen. Erstens, das Thema KI ist interessant und aktuell, zweitens, Hans Zimmer ist an der Musik beteiligt, und drittens bin ich dafür, dass es mehr unabhängige und originelle Sci-Fi Filme geben sollte.
In einem Punkt zumindest scheinen Kritiker sich einig zu sein: Visuell ist The Creator ein Meisterwerk. Dem kann ich nur zustimmen.
Besonders die Szenen am Strand und das riesige Raumschiff haben mich optisch beeindruckt. Dafür lohnt es sich, den Film auf der großen Leinwand zu sehen. Die eher minimalistische Optik erinnert ein wenig an Blade Runner oder Dune (an dem wie bei diesem Film auch Greg Fraiser beteiligt war).
Besonders bemerkenswert finde ich, dass Gareth Edwards hauptsächlich an realen Schauplätzen und mit einem vergleichsweise niedrigen Budget gedreht hat. Und dennoch sieht es optisch viel besser und realistischer aus als die meisten "gewöhnlichen" Blockbuster. The Creator erinnert eindeutig mehr an Christopher Nolan Filme als an das, was Marvel heutzutage produziert.
Was die Handlung angeht, da scheiden sich die Geister.
Ich muss sagen, dass es kaum Wendungen gab, die mich überrascht haben. Die Handlung ist mehr simpel als komplex und relativ leicht zu folgen. Trotzdem ist es eine gute Story, die auch ohne schockierende Twists auskommt.
Mit einem interessanten Einstieg, der auch vergangene und aktuelle Entwicklungen einbezieht, wird die Welt vorgestellt. Der Mittelteil ist meiner Ansicht nach der schwächste, dort geht es nur von Ort zu Ort und von Kampf zu Kampf, ohne dass sich etwas Wichtiges verändert.
So richtig mitreißend wird der Film dann erst im dritten Akt. Vor allem die Musik schwillt dort richtig an und mündet in einem epischen Finale. Ohne zu viel verraten zu wollen: Große Raumschiffe und Raketen spielen eine Rolle, und es wird ganz schön emotional.
Insgesamt gefällt mir der Soundtrack sehr gut, auch das Stück von Debussy, das an einer Stelle eingebaut wurde.
Die Schauspieler können ebenfalls überzeugen, besonders Madeleine Yuna Voyles hat Alphie trotz ihrem jungen Alter von 9 (!) Jahren beeindruckend dargestellt. Ich konnte mit den Figuren mitfühlen, dennoch hätte ich mir noch ein wenig mehr Charaktertiefe erhofft.
Der Film ist an sich nicht sonderlich tiefgründig, obgleich philosophische Ansätze aufgeworfen werden. Klare Statements dazu gibt es jedoch nicht, die Interpretation liegt beim Zuschauer.
Die Dialoge sind, bis auf ein paar Ausnahmen, eher durchschnittlich.
Eines muss ich dem Film aber definitiv lassen: Er hat meine Begeisterung für Science-Fiction wieder aufflammen lassen. Selbst, wenn man keine perfekte Story hat - Roboter, Flugjets und riesige Raumschiffe sind einfach verdammt cool.
Deshalb fällt es mir schwer, einige Aspekte des Films zu kritisieren, denn sie ändern nichts daran, dass mich The Creator mit einem Gefühl der Faszination und Aufregung zurückgelassen hat. Ich war danach absolut zufrieden.
Der Film hat meine Erwartungen erfüllt: Es ist kein bahnbrechendes Meisterwerk, aber eine toll anzusehende Zukunftsvision mit einer soliden Story, ein wenig Emotion und viel cooler Action.
Wenn man damit etwas anfangen kann, ist The Creator eindeutig zu empfehlen. Es ist ein tolles Kinoerlebnis, das mir persönlich sehr im Gedächtnis geblieben ist.
Abschließend noch ein paar Gedanken zum grundlegenden Thema des Films - dabei muss ich aber vor Spoilern warnen.
Ich hatte vorher angenommen, der Film würde eine Art Warnung vor KI sein, so ist es aber nicht. Es ist eine Warnung vor unserem Umgang mit KI.
Die Menschheit wird hier nicht von der KI bedroht, sondern eher von sich selbst - sie läuft Gefahr, ihre Menschlichkeit zu verlieren.
Wenn es hier einen "Bösewicht" gibt, dann sind es die Amerikaner, die KI vollständig vernichten wollen. Roboter sind im Film allerdings - sofern man ihnen Glauben schenken darf - überhaupt nicht auf Krieg aus, sondern streben Freiheit und ein friedliches Zusammenleben mit den Menschen an.