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    I Am Greta
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    FILMGENUSS
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    3,0
    Veröffentlicht am 3. Dezember 2020
    AM FREITAG IST ALLES GANZ ANDERS
    von Michael Grünwald / filmgenuss.com

    Was haben Forrest Gump und Aktivistin Greta Thunberg eigentlich gemeinsam? Sie haben ein Projekt, das sie durchziehen, frei nach dem Motto: Move your ass, your mind will follow. Forrest Gump hat irgendwann zu laufen begonnen, Greta hat sich irgendwann vor das schwedische Parlament gesetzt. Beide sind Einzelgänger, und beide hatten irgendwann die Medien auf ihrer Seite. Dank dieser meinungsmachenden Institution hatten gab’s bald unzählige Anhänger, die entweder mitgelaufen sind, weil sie den Run von Forrest Gump für ein höheres Ziel hielten – oder mitstreiken wollten, weil sie auch das für ein höheres Ziel hielten – was es ja im Gegensatz zu Forrest Gumps Dauerlauf auch war. Hatte Greta Thunberg das beabsichtigt? Oder ist ihr das Ganze passiert? War es vielleicht in erster Linie die Idee von Gretas Papa?

    Das dokumentarische Portrait einer Öko-Ikone von Dokufilmer Nathan Grossmann beginnt mit der Stunde Null, aus allen erdenklichen Perspektiven gefilmt. Rein zufällig wird Grossmann nicht vor dem Parlament auf und ab spaziert sein, um darauf zu warten, die Story schlechthin zu ergattern. Gretas Projekt „Friday for Future“ war also nichts spontanes, sondern etwas sorgfältig geplantes, durchbesprochenes – ein durchgetaktetes Medienereignis, natürlich für einen guten Zweck. Oder war alles ganz anders, war vielleicht Grossmann doch rein zufällig dort? Spannend, was sich in die Doku I am Greta alles hineininterpretieren lässt oder welche Gedanken man dabei verfolgt. Grossmann hat das Mädchen also ein Jahr lang überallhin begleitet. gefilmt, wo noch nicht gefilmt wurde und dazu gefilmt, wo längst die Kameras anderer Reporter glühten. Viel Persönliches zeigt er daher nicht. Was wir sehen, ist ein zusammenmontiertes Portrait aus öffentlichen und privaten Aufnahmen. Greta spricht, Greta schweigt, Greta sucht ihren Ausgleich im Tänzeln und Herumhüpfen. Ist mal in sich gekehrt, dann wieder vergnügt. Lässt negative Feedbacks aus den sozialen Medien aber unkommentiert.

    Nichtsdestotrotz ist I am Greta eine nicht wenig faszinierende und nicht zwingend zum Vorteil für Gretas Jünger konzipierte, erhellende Betrachtung auf ein menschliches Phänomen. Ironisch, wenn Greta Wasser predigt und die Gefolgschaft Wein trinkt. Wenn es nicht um Selfies geht, und alle anderen auf ein Selfie mit ihr wollen. Es scheint, als wäre Gretas manischer Wille, das Klimafehlkonstrukt umzureißen, ein Perlenwerfen vor die Säue. Ihre verbale, verkniffene Wut vor all den Politbonzen sind ihre besten Momente. Nur schade, dass diese bei vielen Mächtigen maximal eine gewisse belustigende Faszination vor dem Ungewöhnlichen hervorruft. Denn das ist sie auf jeden Fall, unsere Greta Thunberg: ungewöhnlich. Klug obendrein, keine Frage. Eine Musterschülerin, die sich Auszeiten vor der Schulbank leisten kann. Was mich aber am Ende des Portraits weiterhin und noch mehr faszinieren würde, wäre so manch eine Stimme aus dem Off. Zum Beispiel mehr Wortspenden vom Vater, von der Mutter. Vielleicht gar aus Gretas Schule? Welche Mechanismen wohl hinter all diesem Foght fürs Klima stecken mochten. So gesehen bleibt I am Greta zwar ein runder Abschluss ihres Aktivistenjahres, ein Resümee ihrer öffentlichen Person und ein werbewirksamer Abspann. Mehr aber nicht. Und gerade dieses „Mehr“ würde mir noch fehlen.
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