Monte Verità
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Riecks-Filmkritiken
Riecks-Filmkritiken

34 Follower 212 Kritiken User folgen

2,5
Veröffentlicht am 11. Dezember 2021
Heute dient der Hügel Monte Verità als Teepark und beherbergt einen Zen-Garten sowie ein Tee-Haus. Anfang des 20. Jahrhunderts jedoch waren die Interessen an dem in der Schweiz gelegenen Ort noch etwas anders gelagert und dieser erfreue sich über viele Jahre hinweg einem vergleichsweise hohen Besucheraufkommen. Dieser Film erzählt nun die Geschichte einer Frau, die kurz nach 1900 dorthin reist und ein beeindruckendes Zentrum künstlerischer Zusammenkunft kennen lernt. Das Werk selbst ist jedoch kein filmisches Highlight, da Regisseur Stefan Jäger offenbar nicht so richtig wusste, wo er eigentlich mit seiner Erzählung hinwill: eine dokumentarische Erzählung eines historischen Ortes oder eine Spielfilmgeschichte mit einer Dramaturgie, in welcher beiläufig der Kult um den Hügel vorgestellt wird. Letztlich bekommen wir von beidem ein Bisschen und damit nicht halbes und nichts Ganzes.

Das wohl spannendste an dem Werk, ist die Darlegung der Fotographiekunst in ihren frühsten Entwicklungen. Hier erwarten uns einige wundervolle Bilder und Gerätschaften. Alles weitere jedoch dümpelt ein wenig vor sich hin und zeigt uns eine eher einschläfernde Geschichte, der leider ein Höhepunkt fehlt. Da wir die gesamte Spieldauer nicht so richtig wissen, worauf der Film zusteuert, dümpeln wir ein wenig im Nichts herum und können uns einzig und allein von der dort gezeigten Lebensweise inspirieren lassen. Dafür mag es Liebhaber geben, doch ich bin keiner davon. Mir hat der Film leider nicht viel gegeben und ich finde es schwer ihn irgendwo einzuordnen, weshalb sich nachträglich eine gewisse Gleichgültigkeit bei mir eingestellt hat. Von daher: probiert den Film am besten einfach selbst aus.

Die gesamte Kritik gibt es auf riecks-filmkritiken.de/monte-verita
Petra Schönberger
Petra Schönberger

31 Follower 195 Kritiken User folgen

5,0
Veröffentlicht am 16. Dezember 2021
Der Film erzählt die Geschichte einer mutigen Frau, die gequält von innerer Zerrissenheit ihren eigenen Weg findet. Das historische Drama, das auf wahren Begebenheiten basiert, wirft damit die – leider immer noch sehr aktuelle – Frage auf, wieviel Selbstbestimmung eine Frau in ihrem Leben haben darf, ohne dabei von der Gesellschaft kritisiert zu werden…
Wunderschöne Aufnahmen in den Schweizer Bergen sind der perfekte Ort zur Therapie von, u. a. Angstzuständen, Asthma und anderen Atemwegserkrankungen.
Thematisch geht es um die Liebe, verbunden mit Intrigen und Macht.
Alles in allem eine wunderschöne, poetische Geschichte. Der Film sagt aus, das Frauen die gleichen Rechte haben wie Männer.
„Monte Verito“ ist eine einzigartige und anziehende Geschichte zwischen zwei Frauen und eine ganz besondere Liebesgeschichte.
Neben der traumhaft schönen Erzählung ist die Geschichte dramatisch und berührend. Der Film handelt vom Gefühl von Freiheit und lässt einen frei atmen.
Einzigartige Kameraführungen sorgen für durchaus grandiose und gelungene Nahaufnahmen. Der Film thematisiert aber auch den Beruf des Fotografen und sagt aus, dass es nicht nur ein Beruf ist, den Männer ausüben dürfen, was durch den Film auf beeindruckende Weise thematisiert wird.
Nicht zuletzt ist es eine wunderschöne, leichterzählte Geschichte übers Überwältigen von Ängsten. Es geht aber auch um Freiheit und Selbstfindung.
Kino:
Anonymer User
5,0
Veröffentlicht am 2. Februar 2022
Ein wirklich sehr anspruchsvoller Stoff, der da verarbeitet wurde. Diese zwanghafte ständische Wiener Gesellschaft ist eindrücklich dargestellt - wie auch in dem neuen Sisi-Film und auch in dem Lady Di-Film. Hanne erzählt rückblickend ihren beiden Kindern, was sie alles hinter sich hat. Sehr schön die Bergwelt mit dem Sehnsuchtsort - hier entdeckte ich einen christlichen Bezug (auch wenn Berge in vielen Religionen große Bedeutung haben. Julia Jentsch als Managerin allerdings schon etwas abgeklärt aber sie kommt wohl aus dem Milieu und verkörpert
die Hoffnung auf ein anderes Leben und das kommt gut zum Ausdruck. Der ganze Film ist von Anfang an sehr spirituell. Dann plötzlich eindeutige Stichworte:
Erich Mühsam
Hermann Hesse
Siddartha
Da ging mir ein Licht auf!
Ein Außenstehender wird sich das nur schwer vorstellen können - geschweige denn, sich darauf einlassen (das merkte man ja schon bei Hannes erstem Kontakt).
Die „Psychatrie“ kommt m. E. etwas schlecht weg (aus heutiger Sicht natürlich richtig!). Aber zu der Zeit war die Medizin auf Weltniveau und die med. Doktorarbeit schrieb man natürlich international auf deutsch und nicht wie heute auf english.
Aber im Film sollte wohl diese Bewegung dargestellt werden und das hat doch trotz allem Enthusiasmus doch etwas Elitäres an sich (siehe zB Odenwald-Schule). Ich würde hier von „Erweckung“ sprechen. Solche gesellschaftlichen Aufbrüche gab es zu allen Zeiten (zB die Siebenbürger Sachsen oder die Kommunisten bzw. die Pietisten im ausgehenden 19. Jhdt.
Von dieser Bewegung hier hatte ich allerdings vorher noch nichts gehört.
Die ersten Leute gingen am Schluss erst gegen Ende des Nachspanns und auch danach blieben noch einige sitzen und diskutierten.
Ein schönes Erlebnis im Bundesplatz-Kino
5 Punkte!
Ich werde mir nochmal diesen Film ansehen!
Beobachter
Beobachter

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0,5
Veröffentlicht am 13. April 2025
Kritik zu Monte Verità – Der Rausch der Freiheit
Was hätte Ida Hofmann wohl dazu gesagt?

Ich habe den Film gesehen –
und war erschüttert.
Nicht vom Inhalt, sondern von dem, was dahinter sichtbar wird:
Eine Geschichte über Freiheit, erzählt von Menschen, die selbst nicht frei sind.

Ich habe mich gefragt:
Was würde Ida Hofmann, Mitgründerin des Monte Verità, wohl schreiben,
wenn sie wüsste, wie dieser Film zustande kam? Was sich bei den Dreharbeiten offenbarte?

Und ich glaube, ich ahne es.
Hier ist der Brief, den sie vielleicht verfasst hätte.


An die Menschen, die sich berufen fühlten, unsere Geschichte zu erzählen

Meine Damen und Herren,
oder wie wir auf dem Monte sagten:
Mitmenschen.

Ich habe vernommen, dass Sie ein Bildnis geschaffen haben –
ein Filmwerk, wie es heute wohl genannt wird –
über jenen Ort, den wir einst Monte Verità nannten.
Sie erzählen darin die Geschichte einer jungen Frau,
die ihrer Zeit entflieht,
um auf dem „Berg der Wahrheit“ ein freieres Leben zu suchen.

Ich habe innegehalten.
Mich gefragt, ob man wirklich begreifen kann,
was es bedeutete, aus freien Stücken
jene Welt zu verlassen,
die sich im Korsett der Konventionen so gut eingerichtet hatte.

Wir gingen nicht, weil wir schönere Bäume suchten.
Wir gingen, weil wir nicht länger lügen wollten.
Weder mit unseren Kleidern,
noch mit unseren Worten,
noch mit unserem Gehorsam.

Wir legten die Schichten ab –
nicht um zu provozieren,
sondern um endlich wieder zu spüren, wer wir sind.

Und nun höre ich,
dass man uns erneut beschworen hat –
unsere Namen, unsere Ideen, unsere Suche.
Und während Sie über Freiheit erzählen wollten,
wussten Sie offenbar nicht einmal,
ob Sie diesen Ort betreten durften.

Ich höre,
dass jene, die an Ihrer Darstellung beteiligt waren,
mit Stoff vor dem Munde über das Gelände gingen,
aus Furcht vor einem unsichtbaren Feind,
dessen Existenz man nicht hinterfragen durfte,
weil es von oberster Stelle verkündet worden war.

Es war nicht die Geschichte, die Sie erzählten,
die mich befremdet –
es ist die Art, wie Sie sie erschufen.

Denn während Sie vom Aufbruch in die Wahrheit sprachen,
unterwarfen Sie sich freiwillig der größten aller Unwahrheiten –
der, dass der Mensch sich nur retten könne,
wenn er sich selbst aufgibt.

Sie gehorchten –
und drehten eine Geschichte über jene,
die genau das verweigert hatten.

Sie leben in einer Zeit,
in der sich der Korporatismus –
jene stille Allianz zwischen Staat, Wirtschaft, Medizin und Meinung –
so tief in das gesellschaftliche Gewebe eingeschrieben hat,
dass kaum jemand mehr wagt,
selbst zu denken, zu fühlen, zu urteilen.

Wir flohen genau davor.

Vor einer Ordnung,
in der man sein Innerstes an der Garderobe der Vernunft abzugeben hatte.
Vor Institutionen,
die sich das Wohl des Menschen auf die Fahne schrieben
und dabei vor allem ihre eigene Macht zu sichern wussten.

Was Sie heute „Sicherheit“ nennen,
hieß bei uns Fremdbestimmung.
Was Sie „Vorsicht“ nennen,
nannte ich geistige Unterwerfung.
Und was Sie „Fürsorge“ nennen,
wirkte auf uns wie ein gut gemeinter Käfig.

Sie mögen sagen: „Die Zeiten sind anders.“
Ich entgegne: Die Mechanismen sind gleich.
Nur die Mittel sind moderner.

Dass Sie ausgerechnet über uns,
die wir für Unabhängigkeit, Erkenntnis und Selbstverantwortung lebten,
eine Erzählung machten,
ohne diesen Kern zu spüren –
das schmerzt mehr als jede falsche Darstellung.

Sie haben unseren Namen verwendet.
Unsere Idee.
Unsere Gesichter.

Aber Sie haben uns nicht verstanden.

Vielleicht, weil Sie nicht hören wollten.
Vielleicht, weil der wahre Ton zu leise für Ihre Welt geworden ist.

Ich kann Ihnen nur wünschen,
dass eines Tages auch Sie
sich wieder an die Wahrheit erinnern,
die nicht auf Leinwänden, sondern im Innersten beginnt.

Ihre Ida Hofmann
Monte Verità,
nicht gedreht,
sondern gelebt.
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