In einem Jahr, in der einige der bedeutendsten Regisseure unserer Gegenwart, tolle Filme auf die Leinwand bringen, Spielbergs Fabelmanns, Nolans Oppenheimer, Scorseses Killer of the flower moon und noch hoffentlich bringen werden Scotts Napoleon, Villeneuves Dune Part two, ist im Vergleich Finchers The Killer eine einzige Enttäuschung. Ist noch die Anfangszene unterhaltsam und spannend erzählt, schleicht sich bereits nach ca. 15 bis 20 Minuten Langeweile ein. Das liegt vor allem daran, das man ständig nur dem Killer folgen muss und eine Bedrohung von außerhalb so gut wie nicht vorhanden scheint. Sämtliche Nebenwirkungen Figuren wirken zudem aufgesetzt, zum Teil sogar lächerlich (Auftraggeber). Auch die Logik scheint nicht immer ganz zu greifen. Finchers Steckenpferd, eine bedrohliche, kühle Atmosphäre, mit Hilfe von stark ausgeprägten Nebengeräuschen zu erzeugen, wie es sie zum Beispiel in Sieben oder the game zu sehen bzw. vielmehr zu hören gab, wird hier schmerzlichst vermisst. Zwar versucht man größtenteils den kühlen grünen Farbstich a la Mindhunter, panic room darzustellen, das wars dann aber auch schon. Zudem wird dieser sogar noch durch gelegentliche farbenfrohe Kulissen, welch am green screen sogar noch schlecht verstärkt wurden, des öfteren unterbrochen. Der Erzählton aus dem Off erinnert stark an Edward Nortens Charakter in fight Club, jedoch ohne auch nur einmal dessen Qualität zu erreichen. Und auch die Rohheit in der Gewaltdarstellung seiner früheren Werke vermisst man hier gänzlich. Vergleicht man beispielsweise den Kampf in der Mitte des Films mit den Kampfszenen aus fight Club oder dem Finale in panic room, wirkt sie eher wie eine Marvel Actionszene. Auch das bei jeder passenden Gelegenheit wiederholende aufsagen von Prinzipien und den dazugehörigen gegenteiligen Handlungen, ist auf Dauer nur noch störend. Ansonsten plätschert der Film vom Ziel zu Ziel vor sich hin, wobei man sich als Zuschauer zwischendurch fragt was der Protagonist am Ende eigentlich erreichen will. Der Streifen kann nicht ansatzweise mit finchers früheren Werken mithalten. Es scheint fast so, als ob der Regisseur vertragsbedingt dazu gezwungen war einen Film für Netflix in seinem Fachgebiet zu drehen ohne jedes eigene Interesse dafür zu haben. Der Film passt aber auch zu der langen Liste an enttäuschenden Netflix Produktionen wie don't lock up, Glass onion und RED notice. Alles in allem zum wiederholten Mal, die Enttäuschung des Jahres.