Bildgewaltig, emotional und voll von sympathischen Figuren!
Makato Shinkai ist die neue Stimme im Anime-Genre und hat spätestens mit „Your Name“ den japanischen Animationsfilm auf ein anderes Level gebracht. Auch wenn ich persönlich mehr der Ghibli-Typ bin, so war „Your Name“ doch eine kreative und mitreißend, emotionale Geschichte mit viel Kitsch. Sein neuester Film erschien 2022, unter dem Namen „Suzume“. Für mich war klar, dass ich dieses Werk auf jeden Fall sehen und so wenig wie möglich über den Plot wissen will, denn bereits „Your Name“ profitierte von den überraschenden Wendungen in der Geschichte. Generell schaue ich Filme lieber mit so wenig Wissen wie möglich, aber das ist ein anderes Thema…
„Suzume“ ist in meinen Augen sogar noch etwas besser als „Your Name“, auch wenn beide Filme viele Parallelen haben, was offenbar auch für Shinkais Film zwischen den beiden Animes zutrifft („Weathering With You“ von 2019).
Die Geschichte beginnt ganz ruhig mit der jugendlichen Protagonistin Suzume, die auf dem Weg zur Schule einem mysteriösen jungen Mann begegnet. Dieser sucht nach einer bestimmten Tür. Suzume kann ihre Neugier nicht verstecken und läuft dem hübschen Jungen nach und findet sich bald in einem fantastischem Abenteuer wieder…
Und mehr muss man sicherlich nicht wissen. „Suzume“ ist wie „Your Name“ eine witzige, aber auch gewaltige Liebesgeschichte mit Fantasy-Elementen und auch dramatischen Momenten, die viele Zuschauer sicherlich zu Tränen rühren werden. Dabei gibt es einige Parallelen zu „Your Name“: Von der Liebesgeschichte, die in eine übernatürliche Situation gebettet ist, die apokalyptischen Actionmomente und die vielen, sehr hilfsbedürftigen Nebenfiguren. Schlimm ist das nicht, „Suzume“ ist dennoch frisch genug mit seinen Fantasy-Elementen, um sich abzuheben. Und in meinen Augen gelingt es dem Film seine Geschichte mit etwas mehr Frische zu erzählen. Auch „Suzume“ ist stellenweise sehr kitschig und hätte gut und gerne auf etwas mehr Subtilität setzen können. Besonders die ständig, laut ausgesprochenen Expositions-Texte der Figuren können schon etwas nerven, denn man sieht immer sehr imposant und gut, was gerade passiert…
Was „Suzume“ aber besonders gut kann, ist sympathische und liebenswerte Figuren schaffen. Nicht nur die beiden Hauptfiguren, Suzume und Sōta, sind charmant, sondern auch die vielen, tollen Nebenfiguren. Und alle sind so menschlich, aber auch wunderbar herzlich und hilfsbereit. Sowohl „Your Name“ als auch „Suzume“ lassen einen schnell mal vergessen, was für grausame Kreaturen Menschen sein können. Und genau diese wohlige und positive Stimmung gefällt mir besonders!
Des Weiteren ist der Film sehr witzig und herrlich absurd. Wenn eine Figur plötzlich in einen bestimmten Gegenstand verwandelt wird, ist das tatsächlich sehr lustig und wird aber auch später gekonnt, emotional in die Geschichte eingebunden!
„Suzume“ liefert aber auch einige imposante und epische Szenen, die vom Spektakel her an große Ghibli-Werke erinnern. Shinkai zollt in „Suzume“ auch Hayao Miyazaki (Mitgründer von Ghibli und einer der einflussreichsten Anime-Regisseure aller Zeiten) ganz offen Respekt, besonders die Referenzen an „Kikis kleines Lieferservice“ sind sehr süß. An einigen Stellen erinnert die Story auch an „Chihiros Reise ins Zauberland“ (ebenfalls Miyazaki), aber auch Einflüsse von Filmen wie „Beetlejuice“ (Tim Burton) sind da.
Eindrucksvoll sind auf jeden Fall wieder die Animationen! Detailreich, energetisch und teilweise atemberaubend schön ist das alles anzusehen. Auch wenn manche der CGI-Effekte etwas zu künstlich aussehen, ist „Suzume“ dennoch ein visuelle beeindruckendes Erlebnis, welches von einem sehr starken Score untermauert wird. Die Musik ging wieder auf die Kappe der japanischen Rockband Radwimps, diesmal mit Unterstützung von Kazuma Jinnouchi (er schrieb die Musik für das Spiel „Halo 5“).
Ein kurzes Wort zur deutschen Synchronisation: Diese ist eigentlich wieder mal sehr toll gewesen. Ich verstehe nur nicht, warum die kleine Suzume nicht von einem Kind gesprochen wird. Es hat mich dauernd raus gehauen, dass eine erwachsene Frau versucht wie ein Kind zu sprechen (offenbar ist es sogar die gleiche Stimme wie die ältere Suzume gewesen). Durch diese sinnfreie Entscheidung haben manche emotionale Szenen an Kraft verloren.
Fazit: „Suzume“ ist trotz der kleinen Macken ein sehr unterhaltsamer und charmanter Anime! Eine wunderbare Mischung aus großartigen Bildern, toller Musik, sympathischen Figuren und einer Geschichte über einen dreibeinigen Stuhl.