The Outrun
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Kinobengel
Kinobengel

506 Follower 615 Kritiken User folgen

4,0
Veröffentlicht am 7. Dezember 2024
des Glückes Schmied


Rona (Saoirse Ronan) kehrt nach einem jahrelangen, exzessiven Lebensabschnitt in die Einsamkeit ihrer Heimat auf den Orkney-Inseln zurück, um mit sich ins Reine zu kommen.

Das Team um Nora Fingscheidt – bekannt durch „Systemsprenger“ – darunter Kameramann Yunus Roy Imer, Editor Stephan Bechinger und Komponist John Gürtler, wagt sich erneut auf sozial schwieriges Terrain, diesmal in Großbritannien.

„The Outrun“ hat keinen idealen Starttermin in der Vorweihnachtszeit. Das Konkurrenzprogramm stimmt auf die „stade Zeit“ ein, in der das eine oder andere Gläschen gehoben wird. Was Fingscheidt dann im Kinosaal ablaufen lässt, fesselt durchdringend. Rona, eine gebildete Wissenschaftlerin Ende 20, ist dem Alkohol verfallen, es darf gerne der billige sein und möglichst viel davon.

Eine komplexe Erzählstruktur, die zwischen den Phasen von Ronas schwieriger Kindheit, ihrem psychisch kranken Vater, der bigotten Mutter, schwerer Suchtphase, Entzug sowie dem anschließenden Aufenthalt in Schottland wechselt, gewährt bereits früh einen tiefen Einblick in den Hauptcharakter. Das gibt Fingscheidt entscheidenden Raum, das Publikum für die Ursachen von Ronas Fall zu sensibilisieren.

Eine Herausforderung für Filme dieser Art ist die Vermittlung der Dauer ruhiger Phasen im Leben der Betroffenen. So spült „The Outrun“ wie „Systemsprenger“ (2019) reichlich Extreme auf die Leinwand, auch positive, begleitet von den wummernden Bässen der Musik, die Rona selbst hört. Das zeitliche Gefühl für die Handlung geht jedoch nicht verloren, denn geschickt gesetzte, natürlich wirkende Dialoge zwischen Rona und z.B. ihrem Lebensgefährten (Paapa Essiedu) erlauben, das Ausmaß der Situation einzuordnen.

Beeindruckende Landschaftsaufnahmen unterstreichen die rohe Kraft der Natur, in der das dünnhäutige Häufchen Mensch, in jeder Szene meisterlich gespielt von Saoirse Ronan, ihren Platz sucht. Ihre Körpersprache in vielen Nahaufnahmen offenbart den Facettenreichtum an Emotionen aus Freude an der Trunksucht, Hilflosigkeit bis hin zur Erleichterung über den Rückhalt, den Rona trotz ihrer Entgleisungen erhält.

Nora Fingscheidt beweist erneut ihr Können im Umgang mit herausfordernden Sujets. „The Outrun“ ist eindringlich inszeniertes Kino.
beco
beco

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3,5
Veröffentlicht am 13. Dezember 2024
Viel Handlung gibt es nicht, aber eine überragende Saoirse Ronan, die eine junge Frau in der Auseinandersetzung mit ihrer Alkoholsucht zeigt. Ein eher ruhiger Film, der die karge Landschaft der Orkneys einbezieht, die auch von den Naturkräften beherrscht wird, wie Rona von ihrem Alkoholismus. Der Film entwickelt auch starke Momente durch die Gegensätze, die entstehen, wenn in den Rückblenden Ronas Abstürze und deren Folgen gezeigt werden.
Sehenswert
David Willson
David Willson

1 Follower 123 Kritiken User folgen

3,0
Veröffentlicht am 11. Dezember 2024
Wenn die hektische Vergangenheit deines jungen Erwachsenenleben in der rauen wilden Natur der Orkney Inseln an der Küste von Schottland Anklang findet, wird die Verarbeitung deiner vorherigen Suchten, deiner dysfunctionalen Familie und deiner selbst zerstörten ersten Liebe auf den Inseln eine aufgewühlte Reise mit vielen Flashbacks.
Fantastisch gedreht mit der Naturlandschaft der Inseln im bunten, gnadenlosen, und oft, sehr lauten Vordergrund.
BrodiesFilmkritiken
BrodiesFilmkritiken

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3,0
Veröffentlicht am 14. Mai 2026
Mir hat der Film nicht sonderlich gefallen, aber gleichermaßen empfinde ich totalen Respekt für seinen Inhalt. Es ist die wahre Geschichte einer jungen Frau, ihrer Herkunft und ihrer Alkoholprobleme. Der Film zeichnet diesen Weg nach, der auf einer abgelegenen Insel spielt und die Hauptfigur an den kalten Strand stellt. Gleichzeitig geht es permanent in die Vergangenheit und es wird das Bild nachgebaut und gezeichnet, was die junge Frau alles ertragen und durchgemacht hat. In meinem Empfinden fand ich die permanenten Zeitsprünge allerdings zu unübersichtlich (das einzige Indiz, wo man sich so etwa befindet, ist oftmals nur die Haarfarbe der Hauptfigur) und die gesamte Stimmung des Films wird erst zum Ende hin positiv und hoffnungsvoll. Davor schreitet man durch eine lange, triste Phase, die wohl das Innenleben der Hauptfigur gut abbildet, aber als Zuschauer eben auch einiges an Geduld abverlangt. Ich möchte fair bleiben: das, was diese Frau im Inneren erkämpft und durchmacht verdient jede denkbare Anerkennung. Aber es wird daraus nicht automatisch eine Geschichte, die man gut in zwei Stunden Film verfrachten kann.

Fazit: Ehrlich und schonungslos, verlangt aber ebenso Geduld und die Übersicht in endlosen Rückblenden
No Use For A Name
No Use For A Name

14 Follower 1.501 Kritiken User folgen

5,0
Veröffentlicht am 27. Juni 2026
Der Film könnte auf viele Zuschauer verwirrend wirken, da er in mehreren, unterschiedlichen Zeitebenen spielt, ohne dass die irgendwie direkt miteinander verbunden sind. Auch wird zumindest zu Beginn nicht immer gleich offensichtlich wann die konkrete Handlung gerade stattfindet und in welcher Reihenfolge die Szene zur restlichen Handlung steht. Einen indirekten Hinweis bekommt man indes über Ronas Haarfarbe. Im weiteren Verlauf wird es aber zumindest etwas klarer, die Geschichte ist praktisch in zwei Teile geteilt: Ronas wildes Partyleben in London mit immer wiederkehrenden Abstürzen, ihrer Entzusgsbehandlung und die Nachsorge, die im Wesentlichen über die AA-Selbsthilfegruppe läuft und eben ihre Zeit danach, als sie in ihre Heimat auf die Orkney-Inseln zurückgekehrt ist.

Dabei jagt Regisseurin Nora Fingscheidt ihre Hauptdarstellerin Saoirse Ronan durch eine wahrlich wilde Tour-de-Force, die von ihr allerhand abverlangt. Die abenteuerlichen Party-Nächte, ihre Abstürze, ihre Auseinandersetzungen mit ihrem Freund und immer wieder mit viel zu viel Alkohol (literally bis zur Bewusstlosigkeit) sind eindringlich und teilweise auch erschreckend beängstigend inszeniert. Ihre anschließende Zeit auf Entgiftung und dann bei den Anonymen Alkoholikern ist demgegenüber fast schon ruhig und bedächtig, das Erzähltempo ist hier auch spürbar entschleunigt. Gleichzeitig ist aber der schwere Kampf gegen die Sucht in jeder Szene spürbar, was vor allem auch an der (wieder einmal) absolut herausragenden Performance von Saoirse Ronan liegt. Ihre Verzweiflung, ihre Wut, ihre Angst, aber auch ihre Entschlossenheit und ihre Hilflosigkeit gegenüber der Sucht sind in jeder Szene geradezu physisch spürbar. Das alles wird nochmal intensiver, wenn all ihre Emotionen auf die raue Landschaft der Orkney-Inseln treffen. Bilderbuchhafte wunderschöne Landschaftsaufnahmen wechseln sich ab mit eindringlichen, schmerzhaften und immer wieder sehr emotionalen Szenen der Protagonistin.

Der Film lebt von diesen krassen Gegensätzen zwischen Zivilisation und Natur, die Autorin der Autobiografie, Amy Liptrot, auf der der Film beruht, hat auch gerade aus diesem Grund ihrem Buch den Titel „The Outrun“ gegeben. Damit ist ein ganz spezielles Stück Land auf der Farm ihrer Eltern auf den Orkney-Inseln gemeint, ein Ort, der für sie sowohl Isolation als auch Freiheit symbolisiert. Und so ist dann auch die letzte Szene im Film gleichsam ein Befreiungsschlag und markiert Ronas Rückkehr ins Leben. Sie hat ihre Abhängigkeitserkrankung akzeptiert, statt vor ihr zu fliehen, im Buch spricht die Autorin von einer tiefen, fast mystischen Verbindung zur Natur. So kulminiert der Film dann auch in einer grandiosen, sehr bewegenden und sehr eindrucksvollen Szene – fantastisch.

Und ich kann nicht aufhören, von der unfassbar grandiosen Performance von Saoirse Ronan zu sprechen! Ich war ja schon lange ein Fan von ihr, aber was die vierfach Oscar-Nominierte Schauspielerin hier abliefert ist bar jeder Beschreibung. Man möchte fast meinen, dass sie all das, was sie schauspielert, selbst körperlich und emotional durchlebt, so intensiv und glaubhaft ist ihr Spiel. Das muss man gesehen haben! Daher gebe ich für „The Outrun“ auch eine absolute, uneingeschränkte Empfehlung! Unbedingt anschauen!
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