"The Substance" von Coralie Fargeat ist eine wunderbar fiese Satire aufs Showbusiness und den Umgang mit Frauen, wenn sie älter werden. Elisabeth Sparkle (ich finde allein diesen Namen schon so schön), einst gefeierte und allseits beliebte Schauspielerin, ist über 50 und schon lange kein Star mehr. Aber sie hat mit ihrer Fitness-Sendung immerhin einen festen Sendeplatz im Fernsehen, ein regelmäßiges Einkommen und kann so zumindest halbwegs in ihrem Beruf arbeiten. Doch dann belauscht sie ihren Chef, wie er über sie herzieht und sagt, dass er sie absägen wird: Sie sei einfach zu alt, das wolle keiner sehen. Dennis Quaid ist übrigens herrlich als schmieriger, widerlicher Senderchef, vor allem, wenn man ihn aus Elisabeths Perspektive sieht. Urgs. Und trotzdem: nur ein bisschen überspitzt dargestellt. Solche Typen gibt's überall.
In Gedanken versunken gerät sie in einen Autounfall, den sie wie durch ein Wunder überlebt. Von dem jungen, gutaussehenden Arzt bekommt sie einen USB-Stick zugesteckt, auf dem "The Substance" steht. Sie schaut es sich an und sieht einen Werbefilm für eine Substanz, die dafür sorgt, dass sich ihre Zellen teilen und ein zweites, besseres, jüngeres Ich daraus entsteht. Es gibt klare Regeln: Die Substanz wird nur einmal verwendet, sie und ihr zweites Ich wechseln jede Woche und sie bleiben ein- und dieselbe Person. Was der einen widerfährt, widerfährt auch der anderen. So weit, so unmissverständlich. Klingt doch ganz einfach, oder? Sie zögert zunächst, aber dann entscheidet sie sich aus Verzweiflung doch, sich darauf einzulassen. Am Anfang geht auch alles gut, ihr zweites Ich Sue ist wunderschön, jung und bekommt Elisabeths alten Job bzw. eine neue eigene Sendung. Alle lieben sie und durch Sue hat Elisabeth ihr altes Leben zurück. Und die Regeln sind ja eindeutig. Was kann da schon schiefgehen?
Das erleben wir dann im weiteren Verlauf des Films. Und immer, wenn man denkt, schlimmer kann es doch nicht mehr werden, legt Regisseurin und Drehbuchautorin Coralie Fargeat noch eine Schippe drauf - bis zum extrem blutigen Finale.
Die Geschichte wird strukturiert erzählt, die Ausgangssituation konsequent weitergesponnen und die Spannungskurve bis zum Finale immer weiter hochgeschraubt. So soll das sein. Eine Kleinigkeit nur: Die Seitenhiebe aufs Showbusiness hätten teilweise noch stärker sein können. Aber das ist wirklich Nörgeln auf hohem Niveau.
Fazit: Schräg, bitterböse, konsequent und blutig - definitiv sehenswert!