Azrael - Angel of Death
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5,0
Veröffentlicht am 27. November 2025
Holy shit! Was für ein Abenteuer! Seit sehr langer Zeit bin ich nicht mehr so geflasht gewesen von einem Film wie bei “Azrael”! Ich räume ein, dass man bereit sein muss, sich etwas mit dem Film auseinanderzusetzen, das hier ist sicher keiner für die schnelle Nummer zwischendurch und auch kein Film zum Nebenbeischauen. Und durch seinen nahezu vollständigen Verzicht auf gesprochene Sprache läuft er den üblichen Sehgewohnheiten entgegen und wird so oft als “langweiliger Mist” verkannt. Aber wenn man alles vorgekaut und jeden Zusammenhang erklärt bekommt, muss man sein Gehirn ja selbst gar nicht mehr anstrengen und wo bleibt denn da die eigene Fantasie? Und gibt es denn Schöneres und Erfrischenderes, als einen Film, der uns einlädt, uns unsere eigenen Gedanken zu machen, eigene Assoziationen spielen zu lassen und über mögliche Deutungen zu diskutieren? Insofern ist “Azrael” ein Glanzstück eines wahrlich anspruchsvollen, intelligenten Horrorfilms.

Tatsächlich ist es wahr: In diesem Film wird praktisch nicht gesprochen! Bis auf eine kurze Szene nach etwa einer halben Stunde sind wirklich keine Worte zu hören, und selbst die dort gesprochenen sind unverständlich. Was muss also ein Film, der komplett auf gesprochene Sprache verzichtet statt dessen liefern: Eindrucksvolle Bilder, eine eindringliche Geräuschkulisse und ein immersiver Score. Und wie er das liefert! Die Bildsprache ist herausragend, eindrucksvoll, unheimlich und wunderschön! Begleitet von einem bedrohlichen Score wird hier eine enorm bedrohliche und unheimliche Atmosphäre etabliert, die vor allem zum Ende hin eine immer wichtigere Rolle übernimmt.

Zusätzlich haben wir Schauspieler, die in der Lage sind, Emotionen allein durch Mimik und Gestik zu transportieren. Allen voran ist hier natürlich Samara Weaving zu nennen, die hier wirklich eine absolut erinnerungswürdige Performance abliefert. Die Story selbst ist einigermaßen schwer zugänglich, da wir außer ein paar hier und da eingestreuter Texttafeln keinerlei Informationen über Set und Setting erhalten. Wir werden mitten rein geworfen in die Geschehnisse und müssen uns alles (ja, wirklich sprichwörtlich alles!) selbst zusammenreimen. Zumindest scheint das zunächst so... Tatsächlich muss man bei diesem Film aber sehr wachsam sein und genau aufpassen, dann bekommt man schon so einige Hinweise, was das Alles bedeuten könnte. Aber bis zum Ende liefert uns der Film nur einzelne Bruchstücke, wir müssen uns schon selbst anstrengen, aber genau das macht den besonderen Reiz von “Azrael” aus! Nämlich, dass, wir gerade keine Erklärungen präsentiert bekommen, öffnet doch erst den Raum für eigenes Reflektieren und Diskutieren!

Es gibt natürlich mehrere mögliche Lesarten des Films, auch gibt es sehr unterschiedliche Interpretationsansätze. Im Anschluss an meinen Kommentar würde ich einmal meine ganz private Deutung des Films darlegen, selbstverständlich ohne Anspruch auf absolute Wahrheit! Resgisseur . Katz lässt ja ganz bewusst so viel Freiraum für Fantasy und Interpretation, da sind wahrscheinlich mehrere Wahrheiten denkbar. Ich würde gerne mit anderen Fans dieses Films (nicht mit den Hatern) darüber in die Diskussion kommen.

FAZIT: “Azrael” ist nichts weniger als ein modernes Meisterwerk des intelligenten Horrorfilms. Fast ohne ein gesprochenes Wort fordert uns der Film in jeder nur erdenklichen Beziehung heraus. Er fordert heraus, eigene Gedanken zu machen, er fordert heraus, uns selbst und unsere Sehgewohnheiten zu reflektieren, er fordert uns heraus, über die Bedeutung von Sprache und Textlichkeit nachzudenken und vor allem fordert er heraus, nicht nur zu sehen und zu hören, sondern zu verstehen. Wer sich darauf einlassen kann und will und den Film aufmerksam betrachtet, wird mit einem geradezu abgründig schönen Film entlohnt, den man ganz sicher nicht so bald wieder vergisst!

((ACHTUNG JETZT SPOILER! Ich empfehle ausdrücklich, das Folgend erst NACH dem Anschauen zu lesen!))
Allein aus dem Covertext der Bluray ist zu erfahren, dass der Film nach einem apokalyptischen Ereignis spielt, im Film selbst gibt es keinerlei Hinweise dazu. Wie auch immer, finden wir uns in einer Welt ohne Sprache wieder. Ob die Menschen die Sprache durch das apokalyptische Ereignis verloren haben oder sich freiwillig zum Schweigen entschieden haben, bleibt ebenfalls unklar. Die Texttafeln im Film suggerieren Letzteres, denn Sprechen wird als Sünde betrachtet. Um der möglichen Sündigung zu entgehen, entfernen die Mitglieder der Kultgemeinschaft, die hier im Zentrum steht, sich selbst die Stimmbänder. Davon zeugt die kreuzförmige Narbe am Hals, die jedes Mitglied incl. Der Protagonistin hat. Gleichzeitig kündigt das Kreuz von einer christlich geprägten Religiosität, die Symbole und Wandzeichnungen in dem “Tempel” sind ein weiterer Hinweis darauf.

Dass es nicht alle Menschen getroffen hat, sondern das Schicksal selbstgewählt ist, deutet der Typ in dem Truck an, der die Protagonistin kurz mitnimmt, denn er kann offenbar normal (?) sprechen, ebenso scheint es zumindest noch einen Radiosender zu geben. Welche Sprache er spricht, weiß ich nicht, im Internet wird öfter Esperanto genannt, keine Ahnung, ob das stimmt, jedenfalls ist es für uns erstmal unverständlich. Die Protagonistin wird im Abspann Azrael genannt, also bezieht sich auch der Filmtitel auf sie. Allerdings ist sie nicht von Anfang an Azrael, sondern wird erst im Laufe des Films zu dem Todesengel. In der jüdischen und noch vielmehr in der muslimischen Religion ist Azrael der Todesengel, der Name kommt aus dem Hebräischen und bedeutet so etwas wie “Gottes Helfer”.

Die erste Texttafel im Film verkündet, dass wir uns in der zeit nach der “Entrückung” befinden. In der christlichen Glaubenslehre ist damit der Zeitpunkt gemeint, wenn die Menschen von Gott von der Erde weg in die Gegenwart Jesu gebracht werden. Somit sind die allermeisten Menschen schon entrückt, die, die zurückgelassen wurden, haben sich zu diesem Glaubenskult versammelt und warten auf die Rückkehr von Christus. Die Schwangere (im Nachspann Miriam genannt, in der Bibel Sprachrohr Gottes!) trägt praktisch Christus’ Reinkarnation in sich, ein Ereignis, das der Kult jetzt bald erwartet. Allerdings bedroht eine blonde Frau dies, davon kündigen die Wandzeichnungen in dem “Tempel”, unsere Protagonistin ist die einzige blonde Frau im ganzen Film! Der Kult fürchtet, dass durch diese blonde Frau statt Jesu Wiedergeburt der Antichrist die Welt betritt, das ist der Grund, warum sie getötet werden muss. Die Dämonen im Wald sind die Vorboten des Antichristen, in einem speziellen Ritual muss sie diesen als Opfer dargebracht werden, dann kann die Ankunft des Antichristen noch verhindert (herausgezögert?) werden. Sie ahnt das und begibt sich daher auf die Flucht.

Dadurch dass sich Azrael (jetzt kommen wir zur Bedeutung des Titels!) aber diesem Opfer entzieht und stattdessen jetzt gegen diesen Kult in den Rachefeldzug zieht, bereitet sie (wahrscheinlich wissentlich und absichtlich) die Ankunft des Antichristen vor und verwandelt sich im Verlauf in Azrael, den Todesengel, was ziemlich genial durch die Bildsprache vermittelt wird. Zu Beginn dominieren hell erleuchtete Waldszenerien, die geradezu idyllisch wirken, man sieht die Sonnenstrahlen durch die Blätter gleiten, die ersten Minuten sind fast friedlich. Mit Fortschreiten des Films werden die Bilder immer finsterer und düsterer, nicht nur wird es Nacht, nein, das ganze Licht und der Lichteinfall wird immer dunkler. Auch der Score wird immer dichter und bedrohlicher, das alles passt sehr gut zur Verwandlung der Frau in Azrael.

Am Ende trifft sie auf die Schwangere (und noch eine andere Frau), die letztlich beide erkennen, dass sie Azrael nicht aufhalten können, daher suizidieren sich beide, vielleicht in der Hoffnung, doch noch die Ankunft des Antichristen zu verhindern. Azrael hält am Ende auch ein ziegengesichtiges Baby im Arm, der Antichrist ist angekommen, sie selbst wirkt beseelt (entrückt?), was bedeutet, dass sie das so beabsichtigt hat oder zumindest jetzt mit der Situation zufrieden ist. Die Dämonen greifen sie nicht an, sie ist jetzt Herrscherin über diese Wesen. Auch in einer vorherigen Szene war sie Auge in Auge mit einem der Dämonen, dieser hat sie aber schon als Azrael erkannt und sie daher nicht getötet.
((SPOILER ENDE))
Jürgen Heck
Jürgen Heck

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0,5
Veröffentlicht am 1. März 2025
Der größte Müll seit es filme gibt. Stöhnen, ächzen , Wind und blöde Musik. Damit macht man heutzutage sein Geld.
Brodie1979 ..
Brodie1979 ..

169 Follower 582 Kritiken User folgen

2,5
Veröffentlicht am 23. September 2024
Samara Weaving rennt durch den Wald, eine reihe wortloser Gestalten rennen hinter ihr her- Damit kann man schonmal 85 Minuten Film füllen. Als hätte man einen 110 Minuten Film um alle ruhigen Szenen erleichtert und schneidet nur die brachiale Gewalt zusammen. Die gestaltet sich dann nahezu ohne Pausen und geht in einigen Sequenzen und extreme Splattereinlagen. Eine unheilvolle Stimmung, sowohl im Wald wie auch beim Showdown, kriegt der Film auch halbwegs hin und die Sequenz, in der jemand lebendig begraben wird hat bei mir Beklemmung ausgelöst. Darüber hinaus aber bietet der Film wenig. Insbesondere ist das „Schweigegimmick“ wirklich nur ein Gimmick und nimmt man emotional kaum Anteil am geschehen.



Fazit: Flott und mit brachialer Gewalt, aber ohne emotionale „Anbindung“ an das Geschehen!
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