Allegro Pastell
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Breite Masse im Hintergrund
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2,0
Veröffentlicht am 15. April 2026
"Ich wollte, dass unsere Begegnungen schön sind...aber nicht existenziell" / "Die 30er fühlen sich an, als wäre alles schon viel zu häufig da gewesen, bei gleichzeitig sinkender Intensität" / "Es ist doch besser, was schlechtes zu fühlen, als nichts zu fühlen"

...dies sind nur ein paar der zahlreichen Lebensweisheiten, die man sich anhören darf, wenn man sich im Kino für Allegro Pastell entscheidet. Was beim Lesen des Romans vielleicht noch funktionieren mag, weil man nach solchen Sätzen das Buch auch mal zur Seite legen und das Ganze wirken lassen kann, mutiert im Film ironischerweise fast schon zur Fremdscham, weil, ja weil man ganz genau weiß, dass kein normaler Mensch in einem ordentlichen Gespräch solche Sätze von sich gibt, ohne nicht von der Gegenseite komplett ausgelacht zu werden.

Allegro Pastell wirkt wie gemacht von Menschen aus einer Bubble, die glauben, dass ihre oberflächlichen Beziehungsprobleme komplett außergewöhnlich und beachtenswert seien. Da wird das gut gemeinte Geburtstagsgeschenk zum großen Downer, weil das Interesse des Partners und der Wunsch nach Nähe und Verbundenheit schon viel zu viel sind. Selten hat man eine weibliche Hauptfigur in einem Film gesehen, die man einfach nur schütteln möchte um ihr zu sagen "Weißt du eigentlich, wie uninteressant du in Wahrheit bist, um dir solche Eigenarten rauszunehmen?".

Allegro Pastell ist deshalb uninteressant, weil er nur einen ganz bestimmten Schlag Menschen anspricht. Menschen, die sich selbst für zu wichtig halten, sich als "hyperreflektiert" betrachten, polygam unterwegs sind und sich am Ende wundern, dass sie in ihren Beziehungen oder im Leben generell nicht glücklich sind, und das ganze am Ende mit Drogen betäuben. Wer mit beiden Beinen im Leben steht und weiß, dass zu einer gesunden Beziehung auch ein gesundes Maß an Zurückhaltung und zu einem zufriedenen Leben unweigerlich zumindest ein wenig Struktur gehört, der wird über diesen Film nur gelangweilt schmunzeln können.

Die Geschichte ist somit komplett pseudointellektueller Blödsinn, angereichert mit unzähligen Anglizismen, bei dem jedem eine Träne ins Gesicht kullert, dem die deutsche Sprache noch was Wert ist. Sehr schade eigentlich, denn sowohl der Soundtrack, die Kameraarbeit, die Beleuchtung etc. sind sehr gelungen. Aber deswegen geht man nicht ins Kino!
FILMGENUSS
FILMGENUSS

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3,0
Veröffentlicht am 19. Juli 2026
VIELE OFFENE TÜREN IM WOHLSTANDSEUROPA
von Michael Grünwald /

Im Jahre 2018 war die Welt noch in Ordnung. Da konnte man sich noch lieben, sich necken, zusammenziehen oder Schluss machen. Da war die zwischenmenschliche Beziehung noch in all ihren Ausformungen Freiheit, Wildnis, Egotrip. Alles in allem, und ohne Committment.

Vom Wert der Zweisamkeit

In Allegro Pastell haben wir es mit Millennials zu tun, die drauf und dran sind, sich selbst zu verwirklichen oder das zu suchen, was sie vielleicht mal in ihrem Selbst ruhen lässt. Noch aber ist alles im Aufbruch und Umbruch, von Covid 19 wussten damals nur die Studierten, doch sicherlich nicht das trendaffine, sozial integre Volk. Zwei Jahre später dann die ersten Maßnahmen, da wird man froh gewesen sein, jemanden an seiner Seite gehabt zu haben, der gemeinsam mit einem selbst diese Ausnahmejahre hat durchstehen wollen. Man muss Partnerschaft und Beziehung nur in die richtige Relation setzen, dazu braucht es etwas Ernstzunehmendes, Übergeordnetes.

Zufriedenheit als Stillstand

2018 war die Welt also noch in Ordnung. Und Jannis Niewöhner als Jerome liegt mit Love Interest Sylvaine Faligant gemeinsam im Bett; während eines pastelligen Morgens, entspannt und irgendwie zufrieden, wobei einem immer wieder das Gefühl beschleicht, das so viel Wohlbefinden bei solchen Mitdreißigern irgendwo einen Haken hat. Dieses Wohlbefinden mag Zufriedenheit hervorrufen, und Zufriedenheit, gleichbedeutend mit Stillstand, ist gar nicht gut bei Menschen, die nach etwas streben, oder immer wieder glauben, nach etwas – und dieses Etwas ist das Mehr – streben zu müssen.

Die Qual der Wahl bei den Privilegierten

Alles scheint zusammenzupassen, und doch bleiben da diese ungenutzten Möglichkeiten. Denn abgesehen davon, dass man vorwärts drängt und noch vor der erschütternden Vierzig sich und der Welt beweisen muss, wer man ist, stehen in der westlichen Welt des Wohlstands einfach so viele Türen offen, dass es fast verschenkt scheint, nicht noch durch eine andere zu treten. Jenseits der Schwelle wartet da vielleicht noch ein anderer Mann oder eine andere Frau. Vielleicht sind diese anderen die vom Schicksal ausersehenen, während man Zeit damit verliert, gemeinsam eine Existenz zu festigen, die von weiteren möglichen Chancen ablenkt.

Niemand will einander gefunden haben

Dabei meint es niemand wirklich böse, niemand will dem anderen wehtun, es ist alles eine Frage der Selbstfürsorge und die Suche nach Gewissheit, sich für das richtige zu entscheiden. Bald wird es diese Auswahlmöglichkeiten nicht mehr geben, zumindest für einige Zeit. Hätte man doch und wäre man doch. Oder eben auch nicht.

Anna Roller portraitiert diese Generation der Unruhigen und Zielsuchenden mit ganz viel Text aus dem Off, die aus Leif Randts Romanvorlage kommen muss. Das gibt Allegro Pastell schon von Anfang an eine intellektuell-literarische Note, die das Beziehungsdrama als intellektuelles Psychogramm gleich mehrerer Personen identifiziert. Im Fokus Faligant und Niewöhner als dieses unentschlossene und doch ganz eindeutig zusammengehörende Liebespaar, das nicht glauben kann, dass es sich gefunden hat.

Französisches Autorenkino

Allegro Pastell zeigt eine Welt des frei wählbaren Luxus – einer Wohlstandsgesellschaft, die um sich kreist und manchmal auch um andere. Die Stimmung, die Roller dabei lukriert, ist so melancholisch, gedankenverloren und tänzerisch, dass man meinen könnte, in einer französischen Studentenromanze gelandet zu sein, jenen aus den Achtzigern und Neunzigern, in denen Dreiecksbeziehungen keine Seltenheit sind und die freie Liebe sowas wie die moderne Familie, nur ohne Kommune, stattdessen im Bungalow der betuchten Eltern, die als Baby Boomer als erste Generation nach dem Krieg den Boden für die nachkommenden Generationen erst aufbereiten musste.

Die Handlung als seufzende Momentaufnahme

Oft schon haben Beziehungsfilme wie Allegro Pastell Wohlstandskinder auf hohem Niveau nicht gerade jammern, aber nach dem Best Case suchen lassen. Neu ist das, was Leif Randts Roman zumindest im Kino erzählt, nicht wirklich. Und so bewegt sich das Leben von Niewöhner und Sylvaine Faligant, ob mit- oder ohneeinander, auch nicht groß weiter. Es tun sich weder Gräben auf noch müssen neu aufgetürmte Topografien überwunden werden. Dabei plätschert Allegro Pastell von heiter bis sentimental wolkig, und hat so seine langen dramaturgischen Seufzer.

Rückblickend bleibt das Ganze recht inhaltsleer, und trotz der Abgehobenheit der Figuren schafft es Roller, die Distanz zum Publikum zu schmälern. Das schafft sie mit Atmosphäre und eleganter, nicht unbedingt selbstgefälliger Bildsprache, da diese schließlich punktgenau illustriert, in welcher Blase sich die Welt am Zenit einer auf ewig zu konservierenden Aufbruchsstimmung befindet.




Mehr Reviews und Analysen gibt's auf !
Rob T.
Rob T.

7 Follower 407 Kritiken User folgen

3,0
Veröffentlicht am 20. April 2026
34. Tanja (Sylvaine Faligant) hat Geburtstag, und das Schöne ist: Ihr Freund liegt neben ihr im Bett und weckt sie. Jerome (Jannis Niewöhner) schenkt ihr zum Geburtstag eine eigene, neue Webseite.
Denn sie ist eine Romanautorin, die aber noch auf den ganz großen Erfolg wartet. Er ist Webdesigner.
Es ist das Jahr 2018, ein heißer Sommer in Berlin. Die beiden sehen sich nicht ständig, denn sie führen eine Fernbeziehung. Sie lebt in Berlin, er im hessischen Maintal bei Offenbach.
Se vertrauen sich - irgendwie. Denn an ihrem Geburtstag passiert etwas, womit Tanja nicht gerechnet hat. Es steht zur Debatte, was die beiden eigentlich füreinander sind. Eine Überlegung, die ihr scheinbar eher Sorge bereitet.

Es ist eine ziemlich spröde Beziehung, der wir in dem deutschen Film "Allegro Pastell" beiwohnen. Eigentlich ist gar nicht so richtig klar, ob das eine wirklich innige Liebe ist. Denn insbesondere Tanja macht einen eher kühleren Eindruck, sie hadert mit sich, ihrem Leben und ihrer Beziehung. Zumal es mit Janis (Nico Ehrenteit) in ihrem Umfeld jemanden gibt, der für sie schwärmt. Und Jerome trifft plötzlich seine Jugendliebe wieder.
So ganz wird man als Zuschauer aus dieser Beziehung nicht schlau, zumal der Eindruck besteht, dass es Jerome ohne Tanja eigentlich viel besser geht, und sie lässt ihn auch immer wieder ein wenig auflaufen. Selbst als er ihr davon erzählt, dass es da in der Ferne eine andere gibt, kocht sie nur innerlich.
Jannis Niewöhner spielt einen jungen Mann, der immer sehr positiv denkt, Sylvaine Faligant hat eher die Rolle der hadernden, sich nicht öffnenden Mittdreißigerin. Das wirkt manchmal ein bisschen hölzern, alles in allem sieht man den beiden dennoch ganz gern zu. Aber so richtig nah kommen einem diese Personen dennoch nicht.
David Willson
David Willson

1 Follower 131 Kritiken User folgen

2,0
Veröffentlicht am 22. April 2026
Wenn man den Titel im Nachhinein betrachtet passt er teils zum Film würde ich behaupten - Schnell und Sanft. Ein Mann lernt eine junge Autorin bei ihrer Buchvorstellung kennen und der Abend führt zum Sex, aber mehr als körperliche Begierde als Liebe. Die daraus entstandene Beziehung ist ziemlich fragile und man weißt nicht warum. Die Beiden suchen die körperliche Erfüllung bei anderen, treffen sich aber immer wieder. Am Ende des Tages schlendert der Film zwischen den Begegnungen mit verschiedenen Parteien ohne was fest zu legen. Alles bis der Mann eine Frau schwängert und dann ist sein Leben irgendwie programmiert.
Die Frau dagegen fummelt verzweigtfelt weiter.
Die körperliche Aktivitäten sind leidenschaftlich, das Drogenkonsum selbstverständlich, die moralische Fäden 'Käse' und das Endergebnis irgendwie erwartet und doch nicht.
emkazwo
emkazwo

9 Kritiken User folgen

0,5
Veröffentlicht am 6. April 2026
Soeben die Sneak Preview verlassen: schlechter Erzählstil, schlecht geschauspielert, leider nichts für mich.
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