"Ich wollte, dass unsere Begegnungen schön sind...aber nicht existenziell" / "Die 30er fühlen sich an, als wäre alles schon viel zu häufig da gewesen, bei gleichzeitig sinkender Intensität" / "Es ist doch besser, was schlechtes zu fühlen, als nichts zu fühlen"
...dies sind nur ein paar der zahlreichen Lebensweisheiten, die man sich anhören darf, wenn man sich im Kino für Allegro Pastell entscheidet. Was beim Lesen des Romans vielleicht noch funktionieren mag, weil man nach solchen Sätzen das Buch auch mal zur Seite legen und das Ganze wirken lassen kann, mutiert im Film ironischerweise fast schon zur Fremdscham, weil, ja weil man ganz genau weiß, dass kein normaler Mensch in einem ordentlichen Gespräch solche Sätze von sich gibt, ohne nicht von der Gegenseite komplett ausgelacht zu werden.
Allegro Pastell wirkt wie gemacht von Menschen aus einer Bubble, die glauben, dass ihre oberflächlichen Beziehungsprobleme komplett außergewöhnlich und beachtenswert seien. Da wird das gut gemeinte Geburtstagsgeschenk zum großen Downer, weil das Interesse des Partners und der Wunsch nach Nähe und Verbundenheit schon viel zu viel sind. Selten hat man eine weibliche Hauptfigur in einem Film gesehen, die man einfach nur schütteln möchte um ihr zu sagen "Weißt du eigentlich, wie uninteressant du in Wahrheit bist, um dir solche Eigenarten rauszunehmen?".
Allegro Pastell ist deshalb uninteressant, weil er nur einen ganz bestimmten Schlag Menschen anspricht. Menschen, die sich selbst für zu wichtig halten, sich als "hyperreflektiert" betrachten, polygam unterwegs sind und sich am Ende wundern, dass sie in ihren Beziehungen oder im Leben generell nicht glücklich sind, und das ganze am Ende mit Drogen betäuben. Wer mit beiden Beinen im Leben steht und weiß, dass zu einer gesunden Beziehung auch ein gesundes Maß an Zurückhaltung und zu einem zufriedenen Leben unweigerlich zumindest ein wenig Struktur gehört, der wird über diesen Film nur gelangweilt schmunzeln können.
Die Geschichte ist somit komplett pseudointellektueller Blödsinn, angereichert mit unzähligen Anglizismen, bei dem jedem eine Träne ins Gesicht kullert, dem die deutsche Sprache noch was Wert ist. Sehr schade eigentlich, denn sowohl der Soundtrack, die Kameraarbeit, die Beleuchtung etc. sind sehr gelungen. Aber deswegen geht man nicht ins Kino!