Ein einziger Tag in Reykjavik.
In einem Moment sind Diddi und seine Freundin Una, bei Sonnenuntergang, am Strand unterwegs. Wenige Stunden später stirbt Diddi bei einem Unfall. Für Una bricht eine Welt zusammen. Als sie sich mit Daddis Freunden trifft, um gemeinsam in Erinnerungen an ihren Freund zu schwelgen, taucht plötzlich auch Klara auf. Daddis Freundin, von der er sich gerade trennen wollte, um seine Beziehung mit Una öffentlich zu machen.
Regisseur Rùnar Rúnarsson gelingt mit diesem kleinen und sehr stillen Drama, ein starkes und emotionales Abbild von Trauer, das er bereits durch seine erstklassige, handwerkliche Arbeit definiert. Kamerafrau Sophia Olsson bringt in das gesamte Geschehen von Beginn an eine Grundruhe herein, die sie durch ihre sehr statische Kameraarbeit erreicht und durch das sehr lange verweilen in einer Einstellung zementiert. Die Schnitte sind so gering gesetzt, dass wir bis zum tödlichen Unfall, gerade einmal fünf Mal die Perspektive wechseln. So können sich die Szenen langsam entfalten und ihre Tragkraft ausschöpfen. Gleichzeitig verlangt diese Art auch eine Menge von den, meist noch eher unbekannten Darstellern ab, die mit wenig Dialog vieles nonverbal stehen lassen und mit ihrer Mimik überzeugen müssen. Gleichzeitig mischt Olsson aber auch die kalte und traurige Geschichte, mit immer wiederkehrenden warmen Bildern, während die Musik im ganzen Film, bis auf wenige Momente, vollkommen abwesend ist. Reykjavik wird dabei stets von seiner schönsten Seite gezeigt und die Stadt zu einem wohligen Ort im kalten Norden.
Der Verzicht auf große Reden wird hier zur großen Stärke. Das Drehbuch schafft es die Kernmomente durch kleine Details zu erläutern und nicht alles offensichtlich darzustellen. Una befindet sich dauerhaft in einem Zwiespalt. Sie ist in tiefer Trauer, bekommt aber nie die Zuneigung wie Klara, die offiziell noch mit Daddi zusammen war. Wie geht sie mit ihr um? Wie verarbeitet sie ihren eigenen Schmerz? Rúnarsson gibt darauf Antworten, die am Ende aber verschieden ausgelegt werden können. An dieser Stelle sind vor allem die beiden Hauptdarstellerinnen Elín Hall und Katla Njálsdóttir in höchsten Tönen zu loben.
Auch in der Bildsprache ist vieles in dem Film sehr gut durchdacht. So ist das Titel gegebene Licht ein wichtiger Ankerpunkt. Daddi als das Licht der Sonne, das ihnen als Leuchtfeuer dient. Das künstliche Licht in einem düsteren, kalten und beengten Tunnel, in welchem der Unfall passiert, das Sonnenlicht, dass warm und hell über das weite, offene Meer strahlt. Die Sonne als Zentrum im Bild, während Una und Klara recht und links davon positioniert werden. Der Blick in eine Scheibe, in welchem sich Klara und Una schließlich überlappen und für einen Moment beide wie verschmolzen wirken. Beide doch vereint ihn ihrer Trauer, ungeachtet der Umstände.
Auch die Musik sticht dann heraus, wenn im Film zwei zentrale Stücke gespielt werden. Jóhann Jóhannssons (viel zu früh verstorben leider) Vertonung von Catulls Gedicht „Odi et amo“, was übersetzt heißt „Ich hasse und ich liebe“ ist ein wiederkehrendes Thema, das vom Text her, die Situation der Figuren widerspiegelt und die schwere unterstreicht. Im direkten Kontrast dazu steht das Lied „Hatrid Mun Sigra“ von Hatari. „Hass wird siegen“. In einem emotionalen Höhepunkt hören die fünf Freunde das Lied und tanzen zum Sound des elektronischen Songs, der durch die beiden konträren Stimmen überzeugt. Una erleidet hier einen Zusammenbruch und befreit sich zeitgleich von ihrem Hass. Ein klarer Wendepunkt in ihrer Situation.
Für mich als Fan der Band Hatari, der sie bereits drei Mal live gesehen hat übrigens ein wahnsinnig großartiger Moment, da die Gruppe meine Lieblingsband ist. So mal „Hatrid Mun Sigra“ auch damals der Song war mit dem ich sie lieben gelernt habe und sie Island beim ESC 2019 vertraten.
Kurz: Ein wunderschöner, wie trauriger Film, mit wenig Text, starker visueller Arbeit, Zurückhaltung, starkem Spiel und großartigem Einsatz von Musik und Dialog. Islands Filmkultur ist bärenstark und „Wenn das Licht zerbricht“ eine absolute Sehempfehlung.