Memoiren einer Schnecke
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Fabian A.
Fabian A.

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4,0
Veröffentlicht am 13. August 2025
Im Garten eine Plage, aber für eine wertvolle Lebensweisheit reicht es aus: Die Schnecke.

Das Leben bewirft einen mit einer Menge Herausforderungen. Man entscheidet selbst wie man sich diesen Ereignissen stellt. Eine Schnecke zum Beispiel verkriecht sich gerne in ihren Panzer. Sucht Sicherheit um mit der unangenehmen Situation klarzukommen. Eine Kompensation, um mit dem Schrecklichen der Umgebung nicht in Kontakt zu geraten. Aber wer sich nur in seinem Panzer versucht zu verstecken, erlangt nie Heilung und dementsprechend den fürs Leben fundamentalen Blick nach vorne.

Bei „Memoiren einer Schnecke“ durchlebt die Protagonistin eine Reihe herzzerreißender Momente und versucht in einer faszinierend gezeichneten Welt Trost zu finden. Was das kreative Team im Bezug auf die „Stop Motion“ Technik geschaffen hat verdient alle möglichen Lobhymnen. Der Film versprüht eine einzigartige Atmosphäre. In Teilen ist die Welt in der „Memoiren“ spielt sehr depressiv und man würde keine Interaktion wagen. Aber gleichzeitig, beflügelt durch den Anteil der Komik und liebenswerten Charaktere, wirkt die Welt lebensfroh und dadurch bunt in seiner Wirkung.

Das Größte Plus erlangt der Film durch die große Bandbreite an skurrilen und aufwendig gezeichneten Charakteren. Alle Charaktere die von Bedeutung sind haben Tiefe aufgrund von Darstellung und Handlungen. So „gaga“ diese Handlungen auch sein mögen, umso mehr bleibt der Charakter genau deswegen im Gedächtnis hängen und fördert schlussendlich das allgemeine Erlebnis als Zuschauer.

Erzählerisch besitzt der Film ein paar Schwächen, da sich Inhalte wiederholen und man gegen Mitte etwas auf der Stelle tritt. Dabei geht es besonders um das Gefühlschaos von Grace, der Protagonistin des Filmes. Ebenso gefiel mir das Ende nicht, weil es sich dramaturgisch nicht nahtlos an den Rest des Filmes anknüpfen lässt.

Reich an Metaphern und Weiheiten die es an der Oberfläche sowie in Details zu finden gibt. Eine Schnecke guckt wenn in Bewegung nie nach hinten, nur nach vorne!
Sebastian Schlicht7
Sebastian Schlicht7

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5,0
Veröffentlicht am 11. August 2025
„Dad used to say that childhood was like being drunk. Everyone remembers what you did, except you.“

2009 erblickte ein kleiner, aber sehr feiner Stop-Motion-Film das Licht der Welt: „Mary and Max“. Ein wirklich hervorragendes Jahr für den so gefeierten Animationsstil, immerhin kamen auch andere Meisterwerke wie „Der fantastische Mr. Fox“ und „Coraline“ in die Kinos. Doch „Mary and Max“ erreichte mit der Zeit immer mehr Leute auf einer ganz besonderen Ebene. Regisseur Adam Elliot drehte hier seinen ersten Spielfilm und lieferte ein emotionales Werk voller Liebe und Schmerz ab. Leider sollte sein nächster Film erst 2024 erscheinen (in Deutschland sogar erst 2025): „Memoiren einer Schnecke“. Und wieder richtet sich dieser Film an ein erwachsenes Publikum und bricht damit (wieder mal) den Irrglauben, dass Animationsfilme automatisch für Kinder gemacht sind. Denn auch ohne Kinder kann ein Film erfolgreich werden und ich hoffe sehr, dass „Memoiren einer Schnecke“ erfolgreich wird, denn er ist jetzt schon einer der besten Filme des Jahres und einer der besten Animationsfilme der letzten Jahre!

Die Geschichte spielt in den 70ern in Australien: Die beiden Geschwister Grace und Gilbert verlieren ihre Eltern und werden voneinander getrennt. Das bricht beiden das Herz, vor allem Grace, die sich ohne ihren Bruder verloren und einsam fühlt. Sie findet den Trost jedoch in Tieren, ganz besonders in Schnecken…

„Memoiren einer Schnecke“ ist ein großartiges Werk mit dem Potential ein Klassiker zu werden. Elliot scheint hier eine teilweise autobiografische Geschichte zu erzählen, die mich berührt hat. Wir erleben all die schönen, aber auch schweren Momente im Leben von Grace und ihrem Bruder. Die Themen Verlust, Einsamkeit und Trauer spielen hier eine große Rolle und manche Momente sind wirklich schwer zu ertragen! Doch so bedrückend manche Szenen sind, im Herzen ist die Geschichte voller Hoffnung. Hoffnung, dass sich alles zum Guten wendet und es gibt einige herzliche und fröhliche Moment für Grace und Gilbert. Der Film schafft es sogar immer wieder sehr lustig zu sein. Sei es die verrückte und liebenswerte Pinky, mit der sich Grace anfreundet oder die geniale Art, wie sich der Film über Sekten-artige Religionen lustig macht.

Was mich aber am meisten rührt, ist dass der Film den kleinen und unscheinbaren Seelen Aufmerksamkeit schenkt. An vorderster Front steht natürlich Grace, die symbolisch als Schnecke in ihrem eigenen Schneckenhaus gefangen ist. Dann haben wir Gilbert, der vor allem ein Herz für Tiere hat und sogar sein Leben riskiert, nur um einer kleinen Schnecke über die Straße zu helfen. Und die alte Pinky fährt von Haus zu Haus, um noch älteren und kranken Menschen etwas Gesellschaft zu schenken. Und der Film transportiert diese positive und herzensgute Message tief in seinem Kern, selbst wenn schwere Ereignisse die Protagonist*innen auseinander reißen.

Neben einem tollen Voicecast (Kodi Smit-McPhee, Sarah Snook und Jacki Weaver), überzeugen die beeindruckenden und handgemachten Animationen. Wie „Mary and Max“ ist dies jedoch kein technisch perfekter Stop-Motion-Look wie etwa „Kubo“ oder „Coraline“. Das Character-Design, die Sets und alles andere sind deutlich rustikaler. Man merkt die Handarbeit an jeder Stellen. Das Ganze wirkt wie ein groß produzierter Independent-Film mit dennoch kleinem Budget. Die Figuren sehen auf den ersten Blick vielleicht nicht sonderlich ästhetisch aus, aber genau das macht den Film und den Stil so besonders. Wie auch die Themen und die Welt, die wir hier präsentiert bekommen, ist eben nicht alles wunderschön und anmutig. Es ist abgehackt, wackelig und manchmal etwas krumm und schief. Und die Erwachsenen sehen manchmal auch gruselig aus, aber da wir die Geschichte aus Sicht einer kleinen Grace sehen, ergibt das alles auch viel mehr Sinn. Auch ansonsten bewegt sich das Design des Films auf einem kindlichen Niveau: Die Figuren haben an jeder Hand nur vier Finger und Schnecken schauen uns mit Cartoon-artigen Glupschaugen an. Es ist ein besonderer Look, der perfekt zum Film, zur Story und den Emotionen passt.
Obendrauf gibt es einen wirklich berührenden und wundervollen Score von Elena Kats-Chernin!

Fazit: „Memoiren einer Schnecke“ ist ein kunstvoller, aber dennoch sehr zugänglicher Film, besonders für Menschen, die sich einsam und anders fühlen. Adam Elliot schafft Werke, die uns zeigen, dass verrückte Gedanken, sonderbare Gelüste andere menschliche Kuriositäten nicht nur normal, sondern auch wichtig und richtig sind. Und „Memoiren einer Schnecke“ ist einer dieser besonderen Filme, voll von Emotionen, starken Bildern und wunderbarer Musik. Für mich eine Art Therapie in Filmform und ich hoffe Regisseur Adam Elliot konnte hiermit einige seiner seelischen Wunden aus der Vergangenheit verarzten. Ein großartiger Film!
beco
beco

83 Follower 433 Kritiken User folgen

4,0
Veröffentlicht am 9. August 2025
Was für eindrucksvolle Knetfiguren, was für eine tolle „Knet-Welt“ wird einem hier gezeigt.
Manchmal meint man, nun ist es genug, nun wird es etwas zu viel. Dann kommt noch ein Schicksalsschlag und schließlich noch eine Wendung und man verzeiht dem Film alles.
Als sich schließlich Pinky einigermaßen dramatisch vom Leben verabschiedet, wird man auch damit versöhnt. Kein Schauspieler kann diese Figuren so spielen wie diese Knetfiguren.
sehr sehenswert
Kinobengel
Kinobengel

506 Follower 604 Kritiken User folgen

3,5
Veröffentlicht am 26. Mai 2025
HART DURCHGEKNETET


Das Schicksal macht es Grace Pudel (Sarah Snook) bereits im Kindesalter nicht leicht: Vater Percy (Dominique Pinon) verstirbt nicht lange nach der Mutter, der geliebte Zwillingsbruder Gilbert (Kodi Smit-McPhee) wird von den Behörden weit fort zu einer anderen Pflegefamilie gebracht.

Ich habe „Memoir of a Snail” auf den Fantasy Filmfest Nights 2025 gesehen.

Adam Elliot hat schon im vorigen Jahrtausend begonnen, Preise für Animationsfilme zu sammeln. Sein aktuelles Werk ist dennoch erst der zweite Langfilm, für den er wie bei „Mary & Max - Schrumpfen Schafe, wenn es regnet“ (2009) das Drehbuch verfasst hat. Der Australier erzählt darin einen viele Jahre andauernden Abschnitt aus dem Leben von Grace Pudel.

Elliot bleibt seinem Stil treu: Nicht nur die aufwendig modellierten Knetfiguren sowie im Stop-Motion-Verfahren gedrehte Einstellungen begeistern das Publikum, die Gestaltung ist so liebevoll und reich an skurrilen Details, dass alle im Saal Augen wie Spiegeleier bekommen.

Wie beim Vorgänger häufen sich die stark emotionalen Momente. Die Charaktere haben mehrere Eigenschaften, darunter diverse negative, sodass die Stop-Motion-Tränen von Grace in den 95 Minuten Spielzeit zahlreich zu sehen sind. Freude hat die Schneckenliebhaberin mit ihrer wesentlich älteren Freundin Pinky (Jacki Weaver), noch mehr Freude ist vor der Leinwand zu spüren, denn wo die Vorbestimmung ihre Schlinge allmählich enger um Grace‘ Hals zieht, darf Elliots Galgenhumor nicht fehlen. Dieser hält den Film beinahe ohne vulgären Sprachgebrauch hervorragend in einem Gleichgewicht der Extravaganz, er kann aber über eine gewisse Seichtigkeit, die durch das mühelose Stapeln der Bürden auf Grace‘ Schultern entsteht, nicht hinwegtäuschen. Ebenso wirkt der Twist gegen Ende wie simpel angehängt. Da „Memoir of a Snail“ eher ein Film für Erwachsene sein soll, sehe ich „Anomalisa“ (2015 von Duke Johnson, Charlie Kaufman) ein Stück weiter vorn. Auch dort ist der Plot recht unkompliziert, er offenbart jedoch schrittweise den ungewöhnlich komplexen Charakter des Protagonisten Michael (David Thewlis).

„Memoir of a Snail“ ist ein visueller Hochgenuss, der trotz der einfachen Story auf der Gefühlsebene mitreißt.
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