22 Bahnen als Raum für Rückzug, in dem man alles um sich herum vergisst. Und auch als ein (langer) Weg der Traumabewältigung.
Ich mag, dass wir diesen Weg mit der Protagonistin gehen - durch ihre inneren Konflikte, Trauma, Schuldgefühle. Subtil und sinnlich erzählt.
Es gab viele Momente, in denen ich Drehbuchautorin und Regisseurin gefeiert habe. Luna Wedler hat eine starke Präsenz, sie wirkt authentisch. Auch Kameraarbeit und Locations sind gelungen.
Aber… Dramaturgisch gibt es eigentlich nur eine vielseitige Figur - Tilda. Alle anderen wirken wie Pappfiguren: die Mutter als klischeehafte Alkoholikerin, die kleine Schwester als "moralischer Kompass", Viktor geheimnisvoll, aber völlig blass (reine Funktion). Das nimmt dem Film Glaubwürdigkeit und Tiefe.
Auch die Motivationen und Ziele der Protagonistin finde ich nicht immer überzeugend. Obwohl ich es mag, dass hier kein zugespitztes Drama (a'la Hollywood) gezeigt wird, sondern das stille äußere und innere Leben von Tilda.
Und dann das Voice-Over. Leute, das ist ein Film, kein Buch.. Dinge will ich sehen, fühlen, spüren und nicht erklärt bekommen. Schon am Anfang sagt Tilda, dass sie und ihre Schwester eins sind und wie sehr sie die liebt. Aber genau das will ich erleben, nicht vorgesagt bekommen.
Mein Fazit:
Eine Produktion mit vielen starken Momenten und großem Potenzial. Ich weiß, wie unglaublich schwer es ist, einen guten Film zu stemmen- das kostet Gesundheit, Zeit, Nerven, - wie eine neue Welt aus dem Nichts zu erschaffen. Und dafür: Respekt. Trotzdem fehlt mir im Film eine stärkere Filmsprache, eine sorgfältiger geformte Dramaturgie und mehr Glaubwürdigkeit.