Was für ein wunderbarer Film mit einer wunderbaren Sarah Polley.
Im Gegensatz zu vielen anderen hier, denke ich, dass “Mein Leben ohne mich” kein Film über das Sterben ist – sondern vielmehr ein Film über das Leben. Daher möchte der Film das Sterben auch gar nicht zeigen, immerhin blendet er ja ein paar Tage (?) vor dem tatsächlichen Tod von Ann weg. Auch möchte er uns nicht zeigen, wie sehr Ann unter ihrer Krankheit leidet. Denn selbstverständlich würde jemand, der nur noch 2 Monate zu leben hat, deutlich stärker beeinträchtigt sein, als sie hier im Film! Vor allem wenn der Tumor schon Magen und Darm infiltriert hat und schon in die Leber metastasiert ist, würde man doch erheblich mehr Symptome erwarten. Sarah wäre längst nicht mehr so mobil, wie sie hier im Film ist. Auch würde man sich vorstellen, dass es durchaus noch Behandlungsoptionen (selbst im fortgeschrittenen Stadium) gibt – auch 2003 schon. Das alles weist doch daraufhin, dass es auch Regisseurin Isabel Coixet nicht um eine realistische Darstellung des Sterbensprozesses ging.
Vielmehr geht es in dem Film doch ums Leben und die Art, wie wir es sehen und was wir daraus machen. Es geht um all die verpassten Chancen und Möglichkeiten, um die Träume, die wir haben und die Ziele, die wir uns setzen. Und auch darum, dass man glücklich sein kann, auch ohne, dass man alle seine Träume verwirklicht hat. Und das zeigt uns doch der Film auf ziemlich schöne Weise anhand der Liste, die Ann schreibt. Da tauchen ja keine Dinge, wie "reich sein", "Haus bauen" usw. auf, sondern das erste, was sie aufschreibt, ist, dass sie ihren Töchtern mehrmals am Tag sagen möchte, dass sie sie liebt. Und das ist doch das zentrale Thema des Films: Was machen wir aus unserem Leben? Was würden wir tun, wenn wir nur noch kurze Zeit zu leben hätten? Würden wir genauso weitermachen wie bisher? Oder was würden wir verändern?
Insofern ist das hier ein wundervoller Film, der uns auf die wesentlichen Dinge des Lebens zurückführt, der uns wieder sensibilisiert für das, was wirklich wichtig ist. Und dafür ist dann der Tod der Protagonistin letztlich nur das Vehikel. Mich jedenfalls hat der Film sehr berührt und sehr nachdenklich gemacht. Noch lange nach dem Abspann lädt der Film zur Diskussion und zur Reflexion ein – wenn man es denn zulassen möchte. Somit gibt’s von mir eine ganz klare Empfehlung!