„Gerry“ ist eine Grenzerfahrung, ein maximal minimalistisches Experiment von Gus van Sant, bei dem ich bis heute nicht so richtig weiß, was ich davon halten soll. Matt Damon und Casey Affleck wandern 100 Minuten lang durch die Wüste, das ist die gesamte Handlung…
Es gibt keine Musik, fast keine Dialoge, einfach nur die beiden und die Wüste. Was sich beim Lesen hier vielleicht total langweilig anhört, ist in Wirklichkeit ein existenzielles Drama über Isolation und den Zerfall der Zivilisation, der Menschlichkeit und der Identität. Die Wüste wird dabei als bedrohlich, aber auch als gleichgültig inszeniert, es gibt keinen spannenden Überlebenskampf, kein emotionales Survival-Drama, sondern nur die zwei Männer und die Wüste, der es vollkommen wurscht ist, ob die beiden sterben oder nicht. Im weiteren Verlauf verlieren sie immer mehr an Identität (die von Beginn an eh nur marginal besteht, beide heißen Gerry!) und Menschlichkeit, es geht am Ende nur noch ums nackte Überleben.
Genauso konsequent wie Gus van Sant auf jegliche artefizielle Stilmittel verzichtet, so konsequent ist dann auch der Schluss in seiner Radikalität. Obwohl ich schon vorher wusste, wie der Film ausgeht, hat mich das Ende dennoch kalt erwischt und erstmal sprachlos zurückgelassen.
„Gerry“ wird von vielen als schlichtweg totlangweilig erlebt, mich hat der Film jedoch von Anfang an in eine Art hypnotischen Sog gezogen, dem ich mich auch bis zum Ende nicht verweigern konnte. „Gerry“ ist vielleicht kein guter Film, aber dennoch aus meiner Sicht ein durchaus gelungenes Experiment, eine schreckliche und beängstigende Parabel auf das Leben und den Tod. Wenn man sich auf diesen Minimalismus einlassen kann, bekommt man auf jeden Fall einen Film, den man so schnell nicht wieder vergisst.