Gerry
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Kino:
Anonymer User
5,0
Veröffentlicht am 12. März 2015
''Gerry'' umgeht durch die konsequente Auslassung von Grund und Ziel der Reise geschickt eine leichtfertige Einordnung ins Abenteuergenre und ist zudem anders als die Philosophie-Groteske ''Zabriskie Point'' der der Schocker ''Twentynine Palms'' um Schauwerte von Gewalt und Sex entschlackt. Gus Van Sants Drama ist bahnbrechend minimalistisch, und deutet durch seine Betonung der realen, physischen Härte der Geschehens an, dass der Film keine philosophische Lesart provoziert oder eine sinnbildliche, existenzialistische Anordnung sein will, sondern vielmehr eine sinnliche Wahrnehmung der Strapazen der beiden Figuren im Auge hat. Dennoch wird die zu Beginn realistischen Erzählweise, die bis hin zum Zeigen alltäglicher Dialoge geht, bald durch eine fiebrige, surreale Collage aus bedrohlichen Landschaften, und Umherirren abgelöst, die - ungeachtet eines schlüssigen Endes und der Einfachheit der Geschichte - rätselhaft verworren bleibt. Dabei kommt der Film Van Sants Vorbild Béla Tarr sehr nahe (dessen Satanstango er - so möchte man meinen - in einer Einstellung gar zitiert), wenn in einer Reihe endloser Plansequenzen sowie mit intensiven Tönen, Farben und Stimmungen eine reduzierte Geschichte erzählt wird. Ohne Interesse an Komplexität oder an Realitätsnähe der Handlungsverwicklungen, konzentriert sich ''Gerry'' auf den sinnlichen Gehalt des Gezeigten und umkreist in atmosphärisch dichter, apokalyptischer Stimmung Motive von Verlorenheit, Angst, Verlust und der Gewalt der Natur. Den Film als Experimentalfilm anzusehen, lässt diesen wiederum wie eine Art Zufallsprodukt ansehen, welches seinen Reiz hauptsächlich aus seinen avangardistischen Unkonventionalitäten beziehen würde: auf sich selbst verweisend oder gar zufällig wirkt ''Gerry'' aber keineswegs. Der Film ist eher die konsequente Umsetzung eines Film- und Regiestils, für den Gus Van Sant seit jeher Bewunderung empfindet und welchen er selbst ebenso wie sein Vorbild Tarr vollkommen beherrscht.
Martin D.
Martin D.

11 Follower 76 Kritiken User folgen

5,0
Veröffentlicht am 21. Januar 2014
Ein minimalistisches Meisterwerk!
Der beste Film, den ich seit Langem gesehen habe.
No Use For A Name
No Use For A Name

14 Follower 1.486 Kritiken User folgen

3,5
Veröffentlicht am 19. Juni 2026
„Gerry“ ist eine Grenzerfahrung, ein maximal minimalistisches Experiment von Gus van Sant, bei dem ich bis heute nicht so richtig weiß, was ich davon halten soll. Matt Damon und Casey Affleck wandern 100 Minuten lang durch die Wüste, das ist die gesamte Handlung…

Es gibt keine Musik, fast keine Dialoge, einfach nur die beiden und die Wüste. Was sich beim Lesen hier vielleicht total langweilig anhört, ist in Wirklichkeit ein existenzielles Drama über Isolation und den Zerfall der Zivilisation, der Menschlichkeit und der Identität. Die Wüste wird dabei als bedrohlich, aber auch als gleichgültig inszeniert, es gibt keinen spannenden Überlebenskampf, kein emotionales Survival-Drama, sondern nur die zwei Männer und die Wüste, der es vollkommen wurscht ist, ob die beiden sterben oder nicht. Im weiteren Verlauf verlieren sie immer mehr an Identität (die von Beginn an eh nur marginal besteht, beide heißen Gerry!) und Menschlichkeit, es geht am Ende nur noch ums nackte Überleben.

Genauso konsequent wie Gus van Sant auf jegliche artefizielle Stilmittel verzichtet, so konsequent ist dann auch der Schluss in seiner Radikalität. Obwohl ich schon vorher wusste, wie der Film ausgeht, hat mich das Ende dennoch kalt erwischt und erstmal sprachlos zurückgelassen.

„Gerry“ wird von vielen als schlichtweg totlangweilig erlebt, mich hat der Film jedoch von Anfang an in eine Art hypnotischen Sog gezogen, dem ich mich auch bis zum Ende nicht verweigern konnte. „Gerry“ ist vielleicht kein guter Film, aber dennoch aus meiner Sicht ein durchaus gelungenes Experiment, eine schreckliche und beängstigende Parabel auf das Leben und den Tod. Wenn man sich auf diesen Minimalismus einlassen kann, bekommt man auf jeden Fall einen Film, den man so schnell nicht wieder vergisst.
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