Ein Film, der einen festen Platz in meinen Kindheitserinnerungen hat, aus einer Zeit, als es nur drei Fernsehsender gab und das Highlight der Woche so ein Sonntagsvormittagsfilm aus den 50ern war. Aus heutiger Sicht wirkt das Ganze natürlich etwas unfreiwillig komisch, auf der anderen Seite muss man aber bedenken, dass die Buchvorlag mehr als 150 Jahre alt ist. Und Jules Verne war ja bekanntlich seiner Zeit weit voraus und daher ist auch dieser Film sowohl vor dem Hintergrund der 1950er Jahre, als er entstanden ist zu sehen, aber auch vor dem Hintergrund der 1860er Jahre, als das Buch entstanden ist.
Immerhin bietet der Film kurzweilige Abenteuer-Unterhaltung, die niemandem weh tut. Es gibt sogar eine versteckte politische Message, die zwar in dem ganzen Brimborium etwas untergeht, aber auch heute noch eine gewisse Gültigkeit hat. Kapitän Nemo ist ein extrem verbitterter Misanthrop, gleichzeitig aber auch ein Genie, immerhin hat er irgendetwas Geheimes erfunden, was alle Sorgen der Menschheit auf einen Schlag lösen könnte. Das wird im Film nie so explizit gesagt, aber vermutlich geht es um eine innovative Art von Energiegewinnung. Als der Kapitän dem professor seinen Antriebsraum im U-Boot zeigt, lässt er ihn in einen Schacht blicken, der einfach nur extrem hell leuchtet. Vielleicht hat Kapitän Nemo die Kernfusion entdeckt, das wäre 1870 eine ebenso große Revolution gewesen wie 1954.
FAZIT: Schönes 50er Jahre Retro-Abenteuer, das zwar heute etwas angestaubt wirkt, aber mich dennoch (wahrscheinlich auch aus sentimentalen Gründen) sehr gut unterhalten hat.